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Rechtsanwalt Michael Stark

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Florian Russi

Gegen das Mobbing

„Mobbing", zu Deutsch: Anpöbeln, Bedrängen, Überfallen, Fertig machen ist kein Phänomen der modernen Zeit. Schon aus dem Altertum sind Beispiele bekannt,. So wurde der große Philosoph Sokrates diffamiert, er würde die Götter nicht achten und die Jugend verführen und die Frau des hohen ägyptischen Beamten Potiphar bezichtigte den biblischen Josef, sie bedrängt zu haben, obwohl es genau umgekehrt gewesen war. In beiden Fällen hatte das Mobbing für die Opfer einschneidende Folgen. Sokrates wurde zum Tode verurteilt und Josef ins Gefängnis geworfen.

Erst in jüngerer Zeit hat sich die Wissenschaft mit dem Thema befasst. Der amerikanische Psychologe und Glücksforscher Martin Seligman erkannte das Problem der „erlernten Hilflosigkeit". Sie ergibt sich dann, wenn einem Menschen vertraute soziale Beziehungen zerstört werden, das Ansehen vermindert oder die Möglichkeit genommen wird, sich mitzuteilen und auf sein Umfeld einzuwirken. Dies führt zum Verlust von Lebensqualität, Selbstbewusstsein und Gesundheit und endet nicht selten im Suizid.

Der Frankfurter Rechtsanwalt Michael Stark, einer der namhaftesten deutschen Mobbingexperten ist durch seine Tätigkeit als Fachanwalt für Arbeitsrecht immer wieder auf das Problem gestoßen. Dabei hat er erfahren müssen, dass kaum ein Betrieb zugeben will, dass in seinen eigenen Reihen Mobbing-Fälle vorkommen und dass dann die Beweisführung sehr schwierig ist, obwohl es einen Betroffenen gibt, dessen Leben nachhaltig zerstört wurde. Eingerichtet unter der Trägerschaft von Gewerkschaften sowie der Katholischen und der Evangelischen Kirche in Frankfurt am Main, ist Michael Stark von Beginn an im telefonischen Beratungsdienst der „Rhein-Main Mobbing-Hotline" tätig. Ehrenamtlich engagiert er sich sowohl als Berater, als auch als juristischer Ausbilder von Beratern. Mobbingopfer finden hier kostenlos Hilfe. Eigens geschulte freiwillige und lebenserfahrene Helfer hören sich die Sorgen der Anrufer an und zeigen ihnen Wege auf, über die sie ihre Probleme lösen können. In vielen Fällen ist dabei auch die Unterstützung durch einen fachlich versierten Therapeuten erforderlich.

Michael Stark erklärt das Mobbing so: Angetrieben von Neid, Missgunst, Eifersucht, Konkurrenzangst oder anderen Motiven ist der Mobber bemüht, sein Opfer in dessen gesellschaftlichem Umfeld (Arbeitsplatz, Familie, Freundeskreis, Schulklasse, Verein u. ä.) so zu isolieren, dass es keine Möglichkeit mehr sieht, diese Situation im eignen Sinn zu ändern und zu verbessern. Zum Mobbing gehören also immer drei Parteien: Der Täter, das Opfer und die soziale Gruppe, in der sie sich bewegen. Im Ergebnis führt es oft zu dem, was manche Fachleute als „sozialen Mord" bezeichnen.

Der Mobber wendet viel Fantasie für sein Tun auf. Oft kommt er scheinheilig daher. Dann fallen beispielsweise Sätze wie: „Ich wünsche ihm so sehr, dass er sein Alkoholproblem in den Griff bekommt" oder „Für sie und ihre Ehe ist es wichtig, dass wir ihr keine Überstunden zumuten" oder auch „Der Arme hats nicht leicht (gehabt) in seinem Leben", bzw. „Ich fürchte, der leidet an einer Krankheit, über die er nicht sprechen will". Die Palette von versteckten Boshaftigkeiten ist kaum überschaubar. Ich habe erlebt, dass ein Politiker, dessen Konkurrent ein wenig stolz auf seinen doppelten Doktortitel war, ihn systematisch lächerlich machte, indem er nicht den Titel, sondern seinen Vornamen zweimal aussprach, also nicht Dr. Dr. Martin Mann (Name geändert), sondern Dr. Martin Martin Mann sagte.

„Nicht nur durch Diffamierung und Verleumdung kann man mobben", erklärt Michael Stark, „sehr wirkungsvoll ist es auch, das Opfer von Informationen, Planungen oder Entscheidungen auszuschließen, ihm Verantwortungsbereiche zu entziehen oder deutlich zu machen: „Du kannst tun, was du willst, von mir erhältst du keine positive Reaktion". Die Fälle, die der Anwalt schildert, sind niederschmetternd. Aus Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, verzichten viele Opfer auf Gegenwehr und finden sich mit ihrem Los ab. Zu ihm als Anwalt kommen oft Kranke, die längst arbeitsunfähig geworden sind. Stark sucht ihnen zu helfen, er ist ein Kämpfer, weiß mit Worten umzugehen, kennt die Gesetze des Wettbewerbs und des Fair Play.

Als Jugendlichem bot sich ihm die Möglichkeit einer Radprofikarriere. Er war hessischer Jugendmeister im Mannschaftsradrennen, trainierte mit Spitzensportlern und Deutschen Meistern, entschied sich dann aber doch fürs Jurastudium. Als Hobby pflegt er immer noch den Radsport und spielt Gitarre in der Band seiner Pfarrgemeinde.

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Michael Stark, geb. 1955, starb unerwartet nach kurzer Krankheit am 7. Juli 2012. Sein fachliches Engagement und sein ehrenamtlicher Einsatz werden unvergessen bleiben.

 

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Homepage der Rhein-Main Mobbing-Hotline: www.mobbing-frankfurt.de

 

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Fotos: Florian Russi