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Ulf Annel/Katrin Kadelke: Knalltüten

 

Wird Kopfball nur von Kannibalen gespielt? Welcher Kater protzt mit seinen Muskeln? Und wie hoch ist ein Dreikäsehoch wirklich?
Unsinngedichte und witzige Reime zum Querdenken für echte Knalltüten mit frechen Bildern, die Spaß garantieren.  

Dippemess

Dippemess

Sabrina Ingerl

Die Dippemess in Frankfurt am Main

Im Frühjahr und Herbst macht sich der Frankfurter Volksfestliebhaber auf, um sich an gebrannten Mandeln und Zuckerwatte zu laben, ausgelassen zu feiern, an den Buden sein Glück zu versuchen oder Karussell zu fahren, bis ihm schwindelig wird. Denn in der hessischen Metropole heißt es wieder: Dippemess! 

Nach der offiziellen Eröffnung durch den traditionellen Bierstich und einem Feuerwerk ist in Frankfurt die nächsten drei Wochen Trubel angesagt. Während dieser Zeit strömen über 2 Millionen Besucher zum Festplatz am Ratsweg und machen somit die Dippemess zum größten Volksfest im Rhein-Main-Gebiet. Ziemlich erstaunlich, wenn man deren bescheidene Anfänge bedenkt.
Die Dippemess wurde bereits im 14. Jahrhundert zum ersten Mal, jedoch noch unter dem Namen Maamess, also Mainmesse, erwähnt und war ein mittelalterlicher Verkaufsmarkt. Dort boten Töpfer aus dem Westerwald, dem Kannebäckerland und Urberach vor allem Haushaltswaren an. Besonders beliebt waren die Steingutwaren, woher die Dippemesse auch ihren, für Nichthessen wohl eher seltsam klingenden Namen hat. Denn eine „Dippe" oder auch „Dippchen" ist ein Begriff aus dem Hesischen und heißt so viel wie Steingut-Töpfe. Noch heute werden viele Volksfeste in Hessen als Dippemärkte bezeichnet, da sie auf den gleichen Ursprung zurückzuführen sind. Doch keines schaffte es, sich so groß wie ihr berühmtester Vertreter zu entwickeln. Als immer mehr Männer und Frauen die Dippemess besuchten, witterten die Schausteller und Gastronomen ein gutes Geschäft und eh man sich versah, reichte der ursprüngliche Platz, der Frankfurter Römerberg in der Altstadt, nicht mehr für die Menge an Menschen, Buden und anderen Jahrmarktattraktionen. Ein neuer Platz war schnell gefunden: Der Römerberg blieb ihr neuer Standort, das Festgelände wurde bis zum Mainufer erweitert.
Noch heute kann man den ursprünglichen Sinn des Volkfestes erkennen. Denn nach wie vor gibt es auf dem Volksfest einen Töpfermarkt, auf dem man sich so wie damals mit allen möglichen Haushaltswaren eindecken kann. Doch der traditionelle Markt ist natürlich mittlerweile nur noch eine Randerscheinung im Trubel von Schaustellerbuden, Gastronomie-Ständen und spektakulären Fahrgeschäften. Letztere, angefangen beim klassischen Riesenrad über die nervenaufreibenden Achterbahnen, bis hin zu Geisterbahnen mit Gruselgarantie prägen das aktuelle Bild der Dippemess. Namen wie Spinning Racer, Jaguar-Express, Hexentanz oder Break-Dancer halten was sie versprechen. Auch für Leute, die weniger ihre Nerven, sondern eher ihre Lachmuskeln strapazieren wollen, gibt es einen Glasirrgarten oder das sogenannte Lach-Freu-Haus. Auch Feierwütige kommen keinesfalls zu kurz. Im Festzelt, dem sogenannten Dippodrom, können sie in bekannter Volksfestmanier auf den Bänken zu Live-Musik tanzen oder den Festwirt Eddy Hausmann, welcher seit Jahrzehnten in seine „Frankfurter Scheune" einlädt, einen Besuch abstatten. Vor allem die im April stattfindende Frühlingsdippemess kann mit solchen Attraktionen aufwarten. Damit ist sie eine lautere und fröhlichere Version der Ende September stattfindenden Herbstdippemess, die eher das Konzept des klassischen, traditionellen Volksfests vertritt. Zwar geht es hier eher ruhig zu, doch ist sie dafür besonders für Familien geeignet.
Nach drei Wochen ist dann alles schon wieder vorbei und mit einem erneuten Feuerwerk verabschiedet sich die Dippemess von ihren zahlreichen Gästen, die sich bereits freuen, nach einem halben Jahr wieder frisch und munter von Neuem starten zu dürfen.

 

 

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Foto: Sebastian Kasten: Frankfurter Dippemess auf dem Festplatz am Ratsweg. Foto-Standort: Bornheimer Hang; gemeinfrei, wikipedia

Dippemess

Festplatz am Ratsweg
60386 Frankfurt am Main

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