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Fastradens Ring

Fastradens Ring

Karl Wilhelm Ferdinand Enslin

Karl der Große hatte nicht weniger als fünf Gemahlinnen - natürlich hinter einander. Die schlimmste scheint die vierte gewesen zu sein, Fastrada, des Grafen Rudolph von Thüringen Tochter - und doch scheint es auch wieder, als wenn Karl gerade diese am meisten geliebt habe, wie nachfolgende Sage bezeugt.

 

Im August 794 starb Fastrada in Frankfurt am Main. Karl war untröstlich und nicht von dem Sterbebette wegzubringen, so viel ihm seine Freunde auch zuredeten. Er wolle gar nicht glauben, daß Fatsrada gestorben sei, sondern dachte, daß sie nur schlafe.
Daran war ein Ring schuld - ein Zauberring.
Im Träume sah dies der Erzbischof von Mainz; um den Kaiser von der Leiche zu entfernen, nahm er heimlich den Ring aus Fastradens Haar, und um ihn recht sicher zu verwahren, hing er ihn sich selbst um.
Sobald der Ring fort, war auch die Liebe Karls zu Fastrada erloschen, und er wunderte sich nun, wie sein Herz soo lang an einer kalten Leiche hatte hängen können.
Er ließ sie nun im Kloster des heiligen Alban zu Mainz mit allen Ehren begraben.
Aber jetzt kommts noch wunderlicher. Denn der Ring hatte seine Zauberkraft nicht verloren in der Nähe des frommen Seelenhirten. Karl entbrannte nun für den Bischof in heißester Liebesgluth, so daß es diesem angst und bange wurde und er nach Aachen entfloh, wo er den Ring von sich warf und zwar in einen Teich.
Von dem Zauber des Rings jedoch angezogen, kam Karl auch nach Aachen und auch an jenen Teich. Und folgleich baute er dorten einen herrlichen Palast.
Bis zu seinem Tode soll er Stunden und Tage lang an jenem Teiche geweilt und mit heißer Liebesgluth hineingesehen haben, bis daraus Fastradens lichtumflossenes Bild emporgetaucht.

 

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Textquelle: Karl Enslin: Frankfurter Sagenbuch. Sagen und sagenhafte Geschichten aus Frankfurt am Main. Neue Ausgabe. Frankfurt a. M., H. L. Brönner 1861, S. 6f.

Bild: krischnig "Grab Königin Fastrada"; gemeinfrei, wikipedia