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Weihnachten bei Familie Luther

Christoph Werner

Luthers jüngster Sohn erzählt vom Christfest

Paul Luther, der jüngste Spross der Lutherfamilie, gewährt dem Leser Einblick in sein Leben und das seiner Familie.
Er berichtet von seiner Kindheit in Wittenberg und der Krankheit seines Vaters, von seiner Verwicklung, die ihm als Leibarzt widerfuhren, und von den Intrigen am Gothaer Hof. Reichlich illustriert öffnen sie dem Leser die Tür zur Weihnachtsstube der Familie Luther.

Dreikönigskirche

Dreikönigskirche

Sabine Gruber

Eine evangelische Kirche in Frankfurt am Main

Während 2017 das 500. Reformationsjubiläum begangen wird – ein feierlicher Anlass, der den meisten Bundesbürgern einen zusätzlichen Feiertag beschert – stand der Jahresbeginn 1848 in Frankfurt ganz im Zeichen des 300. Todestages von Martin Luther. Dass das Jahr wenige Wochen später noch eine Revolution bringen sollte, ahnte man nicht, als Pfarrer Wehner „am 18. Febr., Nachmittags 4 Uhr“ in der „schön und würdig geschmückten“ Dreikönigskirche über Lukas 2, 29/30 „eine eben so erbauliche als begeisternde Predigt“ hielt. Der Ort war gut gewählt, denn die Dreikönigskirche war die erste Frankfurter Kirche, in der ausschließlich Anhänger der Reformation predigten. Die Sachsenhäuser hatten es sich nicht nehmen lassen ihre Gemeindekirche aus diesem Anlass über und über zu schmücken: „Außerhalb der Kirche waren namentlich zwei zur Dreikönigskirche führende Straßen von dem Liederverein mit grünen Zweigen geziert worden. An einem Kranz war ein Schild angebracht mit der Inschrift: Ein’ feste Burg ist unser Gott. Im Innern der Kirche war auf die Verzierung der Kanzel, des Altars und der Orgel eine besondere Sorgfalt verwendet worden. Die Kanzel war mit schwarzem Sammet behängt und an derselben das mit einem Lorbeer- und Immortellenkranz umwundene Bildniß Luthers angebracht.“

Die damals von den Sachsenhäuser Bürgern so liebevoll geschmückte gotische Kirche gibt es heute nicht mehr. Sie wurde 1875 abgerissen und durch eine Kirche im neugotischen Stil ersetzt – in der Zeit des Historismus in Kunst und Architektur hatte man oft erschreckend wenige Bedenken, historische Bauten abzureißen und durch neue zu ersetzen. Die neue Kirche war mit ihrem 81 Meter hohen Turm auffälliger und imposanter als die – ebenfalls bereits aus dem Häusermeer hervorragende – alte Kirche und so verwundert es nicht, dass die Dreikönigskirche neben dem 2013 abgerissenen und 2014 durch einen Neubau ersetzten Henninger-Turm zum Wahrzeichen des Stadtteils Sachsenhausen wurde.

Stadtbild von Frankfurt im Jahr 1646
Stadtbild von Frankfurt im Jahr 1646

Wie viele mittelalterliche Kirchen entstand auch die Dreikönigskirche neben einem bereits länger existierenden Spital. Ursprünglich war es nur eine Kapelle „Zu den Heiligen Drei Königen“, die 1338 von Heile Dymar gestiftet wurde. Zwei Jahre später, 1340, war der Bau bereits vollendet. Lateinische Urkunden nennen die Kapelle „Capella trium Magorum/Regum“ oder „Capella novi hospitalis“. Schon ein Jahrhundert später, 1452, wurde die Kapelle zur Pfarrkirche erhoben und ihrer neuen Aufgabe gemäß erweitert. In der angrenzenden Löhergasse wurde ein Pfarrhaus eingerichtet. Nach der Reformation in Frankfurt wurde die Kirche evangelisch und seit 1525 wurde in ihr ausschließlich lutherisch gepredigt. Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts mehrten sich die Bedenken hinsichtlich des baulichen Zustandes der Kirche. Stadtbaumeister Friedrich Heß stufte die Kirche in einem Gutachten als nicht mehr renovierungsfähig ein. Es gab jedoch auch anderslautende Gutachten und Heß selbst kam schließlich zu einem neuen Ergebnis. Der Magistrat entschied sich aber für einen Neubau, der durch den damals nach dem verheerenden Brand von 1867 mit dem Wiederaufbau des Doms befassten Franz Josef von Denzinger entworfen werden sollte. Die Wahl des Architekten entsprach nicht unbedingt der reformatorischen Tradition der Kirche, aber seine Bekanntheit als Kirchenbaumeister weckte höchste Erwartungen, über die die Zeitschrift „Didaskalia“ 1874 berichtete: „So wird durch Niederlegen der Löhergasse soeben in Sachsenhausen ein zu einem bedeutenden Monumentalbau vortrefflicher Platz geschaffen. Wir sind nun so glücklich, in Herrn Baurath Denzinger einen ausgezeichneten, verlässigen Gothiker zu besitzen, und ist derselbe außersehen, die neue Dreikönigskirche auf diesem Platze zu bauen.“

 Ausschnitt des Merian-Plans mit der Alten Brücke und der Dreikönigskirche
Ausschnitt des Merian-Plans mit der Alten Brücke und der Dreikönigskirche

Nach dem Abriss der alten Kirche begann 1875 zügig der Neubau. Schon 1880 war er abgeschlossen und im Mai 1881 fand die Kirchweihe statt. Denzinger hatte den Bau als neugotische Hallenkirche konzipiert. Beim Entwurf des Turmes ließ er sich vom Domturm inspirieren, auch um deutlich zu machen, dass die Dreikönigskirche durchaus ein Pendant zum auf der anderen Mainseite gelegenen Dom bilden sollte. Beim Betreten der Kirche wird der Blick gleich auf den Hauptaltar gelenkt. Links und rechts in den Seitenschiffen befinden sich Emporen mit gotischen Maßwerkverzierungen. Neu sind die Kirchenfenster (1961 von Charles Crodel) und die heute denkmalgeschützte Orgel (1961 vom Berliner Orgelbauer Karl Schuke). Ein Relikt der Alten Kirche ist der Almosenkasten aus dem 16. Jahrhundert. Ihrer wertvollen Orgel und ihrer guten Akustik wegen wurde die Dreikönigskirche nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem Zentrum der Kirchenmusik, an dem die bedeutenden Organisten Kurt Thomas und Helmut Walcha wirkten.

Anders als die meisten Kirchen in der Frankfurter Innenstadt wurde die Dreikönigskirche im Zweiten Weltkrieg kaum beschädigt und wer sie heute betritt, hat deshalb im Wesentlichen denselben Eindruck, den die Gemeindemitglieder hatten als sie 1881 erwartungsvoll den Neubau betraten. Weil die Kirche zum Main hin heute nicht mehr durch Häuser verdeckt wird, wirkt sie allerdings noch um einiges imposanter als damals.

Adresse: Dreikönigskirche, Dreikönigsstraße 32, 60594 Frankfurt am Main

Öffnungszeiten: (Mo-Fr von 10.00-18.00 Uhr, Sa von 10.00-15.00 geöffnet; Stand: Dezember 2016).

Textquellen

Chronik der 300jährigen Todesfeier Dr. Martin Luthers am 18. Februar 1846, in Frankfurt am Main. Hrsg. von G. Friederich. Frankfurt a. M. o. J.

Didaskalia. Belletristisches Beiblatt des Frankfurter Journals. Zweiundfünfzigster Jahrgang. Juli bis Ende Dezember 1872.

Frankfurt-Lexikon. Von Waldemar Kramer. Sonderausgabe für das Stadtschulamt Frankfurt. Frankfurt a. M. 1960.

Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main von Johann Georg Batton. Aus dessen Nachlasse herausgegeben von dem Vereine für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt a. M. durch L. H. Euler. 5. Heft. Frankfurt a. M. 1869.

http://dreikoenigsgemeinde.ekhn.de aufgerufen am 23.12.2016

http://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=3866&_ffmpar[_id_inhalt]=32603 aufgerufen am 23.12.2016

https://de.wikipedia.org/wiki/Dreik%C3%B6nigskirche_(Frankfurt_am_Main) aufgerufen am 23.12.2016


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Bildquellen:

Vorschaubild, Dreikoenigskirche in Ffm-Sachsenhausen: Urheber: dontworry via Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Stadtbild von Frankfurt im Jahr 1646, gemeinfrei

Ausschnitt des oberen Plans mit der Alten Brücke und der Dreikönigskirche. Urheber: Matthäus Merian der Ältere (1593–1650), gemeinfrei

Dreikönigskirche

Dreikönigsstraße 32
60594 Frankfurt am Main

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