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Familie Stauffenberg: Hitlers Rache

Ursula Brekle

Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg war als Ehefrau von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der Schlüsselfigur im Widerstand gegen Hitler, von Anfang an in die Widerstandspläne ihres Mannes einbezogen. Sie bewies Mut und Stärke, obwohl sie nach der Ermordung ihres Mannes im Gefängnis und im KZ leben musste. Auch durch den Verlust von Angehö-rigen durchlebte sie eine leidvolle Zeit. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 drohte Himmler:
„Die Familie Stauffenberg wird ausgelöscht bis ins letzte Glied.“
Vor Ihnen liegt die spannungsreiche Geschichte, die beweist, dass es Himmler nicht gelungen ist, die Drohung wahrzumachen. Die jüngste Tochter von fünf Geschwistern Konstanze wurde noch während der mütterlichen Haft geboren. Sie berichtete vom 90. Geburtstag ihrer Mutter Nina, auf dem über 40 Nachkommen zusammengekommen waren. Die Nationalsozialisten haben trotz Hinrichtungen und perfider Sippenhaft nicht gewonnen.

Wasserburg Schönhof

Wasserburg Schönhof

Sabine Gruber

Hofgut Schönhof in Bockenheim

"I have been very unwell since I wrote, and really feared at one time that I must be compelled to invalid myself at one of those German watering-places, but I am thankful to say that I feel so much better […]." ("Ich war sehr unpässlich seit ich geschrieben habe, und ich habe wirklich eine Zeitlang befürchtet, dass ich gezwungen sein könnte, mich in einem dieser deutschen Kurorte zum Invaliden zu machen, aber ich bin dankbar zu sagen, dass ich mich so viel besser fühle.") schrieb der anglikanische Erzdiakon von Derby und spätere Bischof von Sodor und Man Walter Shirley am 22. Juli 1843 vom Schönhof in Bockenheim aus an seine Eltern. Weiter berichtete er von seinen Ausflügen in den vergangenen Wochen in die Umgebung von Frankfurt, nach Mainz, Wiesbaden und zum Rhein und beklagte sich – für seine deutschen Gastgeber nicht sehr schmeichelhaft – "There is an awfully low standard of thought and feeling among what we should call the respectable classes of society here." ("Es gibt einen schrecklich niedrigen Gedanken- und Gefühlsstandard unter denen, die wir hier als respektable Klassen der Gesellschaft bezeichnen sollten.")

Als Walter Shirley während seiner Deutschlandreise auf dem Schönhof zu Gast war, lag der Hof am Rande des Dorfes Bockenheim an der belebten Straße nach Rödelheim aber mit dem Blick auf weite Felder und Grünflächen. Das ausgedehnte Hofgelände umfasste neben dem Herrenhaus einen Park und zahlreiche Nebengebäude und Stallungen. Eine Anzeige, die nach dem Tod des Besitzers Freiherrn von Barckhaus Wiesenhütten am 3. November 1823 in der "Frankfurter Oberpostamtszeitung" erschien, beschreibt den Zustand des Hofes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wie ihn Shirley gesehen hatte. Vielleicht war der Zustand ein wenig geschönt, denn man wollte mit Hilfe der Anzeige ja einen Pächter finden: "Das [...] Gut zu Bockenheim im Churfürstenthum Hessen der Schönhof genannt, eine halbe Stunde von Frankfurt entlegen und daher zum Betrieb der Milch Wirthschaft, des Handels der Bier und Essig-Brauerei, Brandweinbrennerei, und jeden sonstigen Gewerbs geeignet, [...] sammt denen dazu gehörigen Wirthschafts-Gebäuden, bestehend in der Pachter-Wohnung, Brauhaus, Brandweinbrauhaus, Essigstube, geräumigen Rindvieh- und Pferde-Ställen, Scheuern, Remise, Böden und Kellern, alles neu erbaut, bequem eingerichtet und im besten Stand befindlich – soll vom 22. Februar 1824 an auf 12 Jahre im Weg der Submission verpachtet werden, wobei zu bemerken, daß sämtliche Grundstücke zehnd frei sind. Auf Verlangen und nach vorheriger Uebereinkunft kann zugleich ein Theil des vorhandenen sehr ansehnlichen Inventars dem Pachter überlassen, auch das anstoßende Herrenhaus mit Nebengebäulichkeiten und angrenzenden englischen Garten vermiethet werden."

Die Familie, die die Gebäude schließlich pachtete, hatte wohl nicht viel Glück mit dem Gutshof, denn zwölf Jahre später veröffentlichte das "Frankfurter Journal" eine Ladung der Witwe des verstorbenen Pächters wegen Zahlungsunfähigkeit: "Nachdem die vorhinnige Pächterin des Gutes Schönhof, bei Bockenheim, die Wittwe des Philipp Kratz, Christina, geborne Reuß, für sich und als Vormünderin ihrer minderjährigen Kinder, mit ihrem großjährigen Sohne Conrad, dermalen zu Nauheim, erklärt haben, daß sie ausser Stande seyen, ihre Gläubiger befriedigen zu können, so hat man heute den förmlichen Concurs erkannt, und zur Liquidation der Forderungen, so wie zum Versuch der Güte, Termin auf den 3. Oktober l. J., Morgens 9 Uhr, unter dem Rechtsnachtheil des Ausschlusses von der Masse, anbestimmt."

Obwohl die Gebäude in der Anzeige von 1824 zu Recht als "neu erbaut" angepriesen wurden, blickte das Gut bereits im 19. Jahrhundert auf eine lange Geschichte zurück. Angefangen hatte es mit einer Mittelalterlichen Wasserburg, deren Entstehung nicht genau zu datieren ist, und die bis zum Ende des 16. Jahrhunderts den Rittern von Praunheim gehörte. Der später auf dem Areal entstandene Gutshof erhielt seinen heutigen Namen erst im 18. Jahrhundert nach der damals dort wohnenden Familie d'Orville, deren Mitglieder als "Edle von Löwenclau und Herren zu Schönhoffen" in den Adelsstand erhoben worden waren. 1818 wurde das Gut durch einen Brand stark beschädigt. Freiherr Carl Ludwig von Barckhaus Wiesenhütten erwarb es und ließ es durch den Architekten Nicolas de Montfort wieder aufbauen und modernisieren. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts blieb das Gut bei wechselnden Pächtern im Besitz der Erben des Freiherrn, die es schließlich an die Stadt Frankfurt verkauften. Als in Frankfurt 1872 die Pferde-Straßenbahn eingeführt wurde, führte die erste Linie vom Schönhof zur Hauptwache in der Frankfurter Stadtmitte. Am Schönhof wurde ein Pferdebahndepot eingerichtet. Ein Foto von 1905 zeigt bereits elektrische Straßenbahnen auf der sehr belebt aussehenden Straße vor dem Schönhof.

Heute ist kaum noch zu erahnen, dass zum Schönhof einmal ausgedehnte Ländereien und ein großer Englischer Garten gehörten. Nach Überquerung der S-Bahn-Gleise über die Fußgängerbrücke von der Rödelheimer Landstraße aus erreicht man das im Zweiten Weltkrieg beschädigte, aber heute noch erhaltene Herrenhaus über einen kleinen Durchgang am daneben gelegenen MÜZ (Musikübungszentrum). Die immer noch große Anlage, der jedoch fast alle Nebengebäude fehlen und die nur noch über einen kleineren Garten verfügt, ist um einen gepflasterten Hof herum angeordnet und umfasst heute die Hausnummern 34 und 34 a-c der Rödelheimer Straße. Das Gebäude Nr. 34 b beherbergt das beliebte griechische Restaurant "Dionysos". Die anderen Häuser sind vermietet. Der Pavillon, der einst den Garten zierte, ist in den 60er Jahren in den Grüneburgpark verlegt worden. Auch wenn von dem dazu gehörigen Bauerngut nichts mehr übrig ist, sind die Überbleibsel des Schönhofs immer noch beeindruckend und wirken heute etwas fremd in ihrer von der Moderne geprägten Umgebung.

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Textquellen:

Beilage zu Nr. 16 der Frankfurter Ober-Post-Amts-Zeitung. Donnerstag, den 3. November 1823. Rubrik "Vermischte Anzeigen".

Beilage zum Frankfurter Journal. Nr. 241. Montag, den 1. September 1836.

Letters and Memoir of the late Walter Augustus Shirley. Edited by Thomas Hill. Second Edition. London 1850.

< https://de.wikipedia.org/wiki/Wasserburg_Sch%C3%B6nhof > aufgerufen am 05.05.2017.


Bildquellen:

Vorschaubild: Hauptteil des barocken Herrenhauses auf dem ehemaligen Gutshof Schönhof in Ffm-Bockenheim, 1. Oktober 2007, Urheber: 25asd via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Wiederaufgebautes Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Gutshofes Schönhof in Ffm-Bockenheim, neben Toreinfahrt, 1. Oktober 2007, Urheber: 25asd via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Hofansicht des MÜZ Musikübungszentrum der SAALBAU Schönhof auf dem ehemaligen Gutshof Schönhof in Ffm-Bockenheim, prämierter Bau, 1. Oktober 2007, Urheber: 25asd via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Dachausbau des barocken Herrenhauses auf dem ehemaligen Gutshof Schönhof in Ffm-Bockenheim, 1. Oktober 2007, Urheber: 25asd via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.



Wasserburg Schönhof

Rödelheimer Straße 33-34
60487 Bockenheim/ Frankfurt am Main

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