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Erbsensoldaten

Florian Russi

Lustige, spannende, fantasievolle Märchen über Zwerge, den Zauberer Krabat und den Müllergesellen Pumphut sind hier versammelt.

Frankfurter Zoo

Frankfurter Zoo

Ralph Zade

„Tiere erleben – Natur bewahren“ lautet der Leitspruch des Frankfurter Zoos. Das Bemühen, den Tieren eine angemessene Umgebung zu bieten und eine artgerechte Umwelt im Kleinen für sie zu schaffen, zeigt sich schon kurz nach dem Durchgang durch die durch viel Glas geprägte Eingangshalle. Das Ukumari-Land – 2013 eröffnet und damit derzeit (November 2017) die neueste Anlage im Zoo – bietet Brüllaffen, Brillenbären und Ameisenbären, die trotz ihres Namens keine Bären sind, sondern der Ordnung der Zahnarmen angehören, eine recht großzügig bemessene Heimstatt. Wer aber meint, in der Nähe der Brillenbären müssten auch andere Bären wie Braun- und Eisbären zu finden sein, geht fehl. Wie eine Tafel erklärt, gab es im Frankfurter Zoo zwar lange Zeit auch diese größeren Bärenarten, vor einigen Jahrzehnten hat man die Haltung dann aber eingestellt, weil der Zoo als Innenstadtzoo für solche Tiere nicht genügend Platz bot. Auch Elefanten gibt es aus demselben Grund seit den 80er Jahren nicht mehr.

Man sieht hieran, wie sich das Selbstverständnis des Zoos gewandelt hat. Während im 19. Jahrhundert die Tiere meist auf Jagden eingefangen und dann in kleinen Gehegen zur Schau gestellt wurden, werden sie heute überwiegend gezüchtet und mit anderen Zoos getauscht. Wenn eine artgerechte Haltung aufgrund der Bedingungen nicht möglich ist, wird eher darauf verzichtet, bestimmte Arten zu präsentieren, als sie in zu kleine Gehege zu zwingen. Dabei schreibt sich der Zoo die Vermittlung von Wissen über die Tiere auf die Fahnen und die im 19. Jh. noch vorherrschende Volksbelustigung tritt in den Hintergrund. Insofern erfüllt er – trotz der Kritik, der Zoos heute allgemein ausgesetzt sind – eine wichtige Funktion. Er sensibilisiert nämlich für den Wert der Tiere und die Bedrohung ihrer Umwelt und trägt insofern mittelbar zur Stärkung des Artenschutzes als politischem Anliegen bei. Auch unmittelbar dient der Zoo dem Artenschutz, indem er in Zusammenarbeit mit anderen Zoos weltweit an Artenschutzprogrammen und Erhaltungszuchtmaßnahmen teilnimmt. Manchmal ist der Artenschutzaspekt sogar der einzige Grund für die Haltung einer Art. So können Kiwis, die vom Aussterben bedrohten neuseeländischen Nationalvögel, nicht gezeigt werden, da sie nachtaktiv sind und ihr Biorhythmus nicht verändert werden kann; der Zoo betreibt aber trotzdem eine Zucht, um die bedrohten Tiere in ihrem Bestand zu stabilisieren.

Gegründet wurde der Zoo bereits 1858, allerdings noch nicht auf dem heutigen Gelände, sondern an der Bockenheimer Landstraße. Wie viele andere Museums- und Institutionsgründungen in Frankfurt auch war dies einer Bürgerinitiative zu verdanken. Schon 1874 wurde der nach dem in Berlin zweitälteste Zoo Deutschlands dann an den heutigen Standort im Ostend verlegt. Ein ehemaliges Exerzierfeld bot für den Moment genügend Platz. Schon 1875/76 wurde dann das Gesellschaftshaus errichtet, das auch heute noch einen Blickfang am Rande des Zoogeländes bildet, mit der 2013 neu errichteten Eingangshalle links daneben. 1915 wurde der Zoo durch die Stadt Frankfurt übernommen, als der durch den Ersten Weltkrieg bewirkte Futtermangel ihm ernsthafte Schwierigkeiten bereitete. Desaströs wirkte sich dann der Zweite Weltkrieg aus: 1944 wurde das Gelände durch alliierte Bomben getroffen, das Gesellschaftshaus und die meisten Gehege brannten aus, ein großer Teil der Tiere kam zu Tode. Insofern war unklar, ob man überhaupt weitermachen sollte. Das Weiterbestehen des Zoos ist u. a. dem Einsatz Bernhard Grzimeks zu verdanken, der ihn als Direktor in den folgenden Jahrzehnten maßgeblich prägte. Über die Jahre wurden zahlreiche Einrichtungen und Häuser neu errichtet und es kamen ständig neue Attraktionen dazu. Zeitweise erwog man einen Umzug des Zoos ins Frankfurter Umland, um Platz zu gewinnen, diese Pläne zerschlugen sich aber. Das bedeutet jedoch keinen Stillstand; man bemüht sich um ständige Weiterentwicklung, so befindet sich im Moment (2017) eine neue Anlage für Humboldtpinguine im Bau.

In der Nähe des Ukumari-Landes („Ukumari“ heißt übrigens Bär, auf Quechua, einer Indianersprache, die vor allem in Peru gesprochen wird) findet man eine weitere Attraktion: das Katzenhaus, in dem Löwen und Tiger zu sehen sind. Auch hier wird viel Wissenswertes erläutert, z. B. kann man an einem Modell die Funktionsweise von Katzenkrallen nachvollziehen. Im Außenbereich des Tigergeheges befindet sich ein Weiher. Da Tiger bis zu 4 Meter hoch springen können, hat man den Weihergrund so tief angelegt, dass die Tiere ihn nicht zum Absprung nutzen können. Im Gibbonhaus sieht man die gleichnamigen Affen, bevor man im Grzimekhaus – einem der Höhepunkte des Zoos – nachtaktive Tiere beobachten kann, von endlos umherschwirrenden Fledermäusen bis hin zu Erdferkeln. Mit dem Exotarium folgt ein weiteres Highlight auf dem Fuße. Hier sind – bis zur Fertigstellung der neuen Anlage – noch die Pinguine zu sehen und zwar nicht nur an Land sondern auch unter Wasser. Dazu kommen in zahlreichen Aquarien Fische sowie Amphibien und Reptilien – Schlangenphobikern sei vom Besuch abgeraten – und sogar Insekten wie Blattschneiderameisen, denen man bei der unermüdlichen Arbeit zusehen kann. Nach Verlassen des Exotariums geht es weiter, vorbei an australischen Tierarten wie Wallabys und Baumkängurus, an afrikanischen Wildhunden und Addaxantilopen, am sogenannten Grzimekcamp mit einer kleinen Ausstellung über den langjährigen Direktor, bis zu den Vögeln, die teilweise hinter Glas, teilweise in einer Freiflughalle, teilweise in Volieren und teils auch in den sogenannten Vogelbüschen untergebracht sind.

Vorbei an den possierlichen Erdmännchen kommt man zu den Affen, hinter den Gehegen für Klammeraffen und Pavianen betritt man das Borgori-Wald genannte Haus mit Orang Utans, Gorillas und Bonobos, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Schimpansen haben, aber keine sind. Wieder draußen fallen Nashörner und Flusspferde ins Auge – Flusspferd Petra ist mit 1,5 Tonnen das schwerste Tier im Zoo. An deren Lebensraum schließen Anlagen für verschiedene größere Vögel an, von Greifvögeln über Kasuare und Kraniche bis hin zu einer größeren Gruppe intensiv gefärbter Flamingos, bevor man zu den Robbenklippen gelangt. Übrigens darf man Tiere im Zoo nicht füttern, da ihnen das schaden würde. Hinter einem Weiher mit Wasservögeln kommt man zu den Trampeltieren und danach zum Streichelzoo, einem Höhepunkt für Kinder. (Überhaupt ist man sehr auf Kinder eingerichtet – es gibt auch einen Spielplatz – und das hat seinen Grund: An kaum einem Ort in Frankfurt sieht man so viele Kinder wie an einem Wochenende im Zoo.) Damit haben sich die Attraktionen noch nicht ganz erschöpft; bevor man wieder zum Ausgang kommt, kommt man bei den Zebras vorbei, bei den Giraffen – von denen Hatari mit 5,5 Metern das größte Tier im Zoo ist – bei den Okapis und Gazellen, den Mähnenwölfen und südamerikanischen Tierarten wie den lamaähnlichen Vikunjas und den Nandus, die einem Strauß ähnlich sind. Der Zooladen am Eingang ist dann für Kinder noch einmal eine Versuchung: Viele Tierarten gibt es hier als Stofftiere zu kaufen.

Kosten, die durch die Eintrittsgebühren nicht gedeckt sind, versucht der Zoo durch Spenden und Tierpatenschaften zu decken. Durch Sonderveranstaltungen versucht man, zusätzliche Besucher anzuziehen. Dabei ist der Zoo mit (2015) mehr als 830000 Besuchern einer der meistbesuchten Zoos Deutschlands. Das einzige Problem: Der Zoo macht vor allem im Winterhalbjahr relativ früh zu – eine Stunde früher als in Sommerhalbjahr, nämlich um 17 Uhr – und die Häuser schon eine halbe Stunde früher. Man sollte also rechtzeitig kommen, wenn man alles in Ruhe sehen will.


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Textquelle:

Website des Zoos: https://www.zoo-frankfurt.de/ aufgerufen am 12.11.17.

Zoo-Plan des Frankfurter Zoos.

Recherchebesuch im November 2017.


Bildquelle:

Vorschaubild: Luftaufnahme mit Blick unter anderem auf den großen Weiher, die Robben-Klippen, den Katzen-Dschungel und das Nachttierhaus, 2008, Urheber: Dontworry via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0 .

Flusspferde beim Mittagsschlaf, 2004, Urheber: Magadan via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Zoo-Gesellschaftshaus 1878, Urheber: Carl Hertel via Wikimedia Commons gemeinfrei.

Sumatra-Tiger, 2012, Urheber: Vilbelerin via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Robbenanlage mit Zwergseebaeren im Zoo Frankfurt, 2008, Urheber: Dontworry via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.


Frankfurter Zoo

Bernhard-Grzimek-Allee 1
60316 Frankfurt am Main

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