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Museum Angewandte Kunst

Museum Angewandte Kunst

Ralph Zade

Einige der Museen am Frankfurter Museumsufer sind auch architektonisch interessant und das gilt im Fall des Museums Angewandte Kunst gleich doppelt. Bemerkenswert ist hier einmal der von dem amerikanischen Architekten Richard Meier (*1934) entworfene und 1985 fertiggestellte Neubau, dazu kommt die 1804 fertiggestellte klassizistische Villa Metzler, die in den Museumskomplex integriert ist.


Der sogenannte Meier-Bau – der erste Museumsbau, den Meier in Europa geschaffen hat, eine Reihe anderer ist ihm mittlerweile gefolgt – zeigt viele der Charakteristika, für die sein Architekt bekannt ist: er ist ganz in Weiß gehalten, er baut auf geometrischen Formen auf und er wirkt trotz seiner beträchtlichen Größe nicht monumental. Die Proportionen der drei Kuben, aus denen der Komplex besteht, sind auf die der Villa Metzler abgestimmt, die man von der ersten Etage des Neubaus aus direkt erreichen kann. Zum Museumsensemble gehört überdies ein von Meier entworfener Brunnen. Dieser prägt den zwischen dem Museum Angewandte Kunst und dem Weltkulturen Museum gelegenen Metzlerpark. 2013 wurde unter Einbeziehung des Architekten ein Umbau vorgenommen, der Blickachsen im Innern eröffnet und Blicke nach draußen ermöglicht hat.

Die Villa Metzler ist im Gegensatz zum Meier-Bau nicht nach ihrem Architekten benannt, sondern nach der Bankiersfamilie Metzler, in deren Eigentum sie sich seit 1851 befand. Bauherr war 50 Jahre vorher der Apotheker Peter Salzwedel; der Architekt ist nicht mit absoluter Sicherheit zu bestimmen, es könnten die Frankfurter Architektenfamilien Kayser oder Mack beteiligt gewesen sein. Von den Gingkobäumen, die Salzwedel im Park seiner Villa pflanzte, sind heute noch einige erhalten; einer von diesen Bäumen soll Goethe zu seinem 1815 verfassten, Marianne von Willemer gewidmeten Gedicht „Gingo biloba“ (die Schreibweise ohne „k“ war von Goethe so intendiert) inspiriert haben; es gibt allerdings noch andere Gingkobäume in Frankfurt, von denen dies behauptet wird, u. a. den im Brentanopark in Rödelheim.

Das Museum Angewandte Kunst, das aus Sammlungen des Kunstgewerbevereins hervorging, befand sich unter dem Namen „Museum für Kunsthandwerk“ seit 1966 in der Villa Metzler, bevor es 1985 in den Neubau umzog. 2000 wurde es nach einem Umbau in „Museum für Angewandte Kunst Frankfurt“ umbenannt, seit 2013 firmiert es unter dem heutigen Kurznamen. Dass Museen im Laufe ihrer Geschichte Umbenennungen erfahren, ist in Frankfurt nicht selten und z. B. auch beim nahe gelegenen Museum für Kommunikation der Fall, das ehemals Bundespostmuseum hieß. Meistens sind mit solchen Häutungen auch Änderungen der Konzeption verbunden und das ist auch beim Museum Angewandte Kunst so. Unter der Leitung des seit 2012 amtierenden Direktors Matthias Wagner K (*1961) richtet das Museum, so die Homepage des Kunstvereins „den Fokus auf die Wahrnehmung gesellschaftlicher Strömungen und Entwicklungen, mit einem Schwerpunkt auf Design, Mode und Performatives“.

Man hat es hier also mit einem dezidiert modernen Konzept zu tun und das ist der Dauerausstellung „Elementarteile“ – im ersten Stock des Meier-Baus – auch deutlich anzumerken. Die Ausstellungsstücke aus zehn Jahrhunderten, die hier präsentiert werden, sind nicht etwa chronologisch, oder nach Herkunftsregionen geordnet, sondern bewusst in scharfen Kontrasten gegenübergestellt. Zu herkömmlichen Sammlungs- und Ordnungskriterien geht man auf Distanz. So liegt ein illuminiertes Buch aus dem Mittelalter neben einer Ausgabe von Nietzsches „Fröhlicher Wissenschaft“ aus dem 20. Jahrhundert, Ornamente aus einem Musterbuch aus dem 19. Jahrhundert sind neben Möbelornamenten aus dem 17. Jahrhundert zu sehen, ein Stuhl aus dem 17. Jahrhundert wird neben einem aus dem 20. gezeigt und auch modernes Gebrauchsdesign – etwa in Form eines Macintosh-Bildschirms – kommt zu seinem Recht. Auch wenn sich häufig Querverbindungen zwischen Ausstellungsstücken ziehen lassen, steht doch die Einzigartigkeit der Objekte im Vordergrund, was sich im Titel der Ausstellung ausdrückt. Die Exponate, die hinter Glas in einer weißen – also zur Farbe des Gebäudes passenden – Ausstellungslandschaft präsentiert werden, sind nicht beschriftet; man hat hier einem ansprechenden Design den Vorzug gegeben. Erklärungen erhält man über ein Digitalgerät oder mittels ausliegender Hefte mit Objektbeschreibungen

Anders stellt sich die Präsentation in der Villa Metzler dar, in die man direkt vom 1. Stock aus hinübergehen kann. In neun „Stilräumen“ sind jeweils Objekte aus einer bestimmten Stilepoche zusammengestellt, es gibt einen Barocksaal, ein Lackkabinett, einen Englischen Salon und ein Musikzimmer, ein Empire-Schlafzimmer, zwei Biedermeier- und zwei Jugendstilzimmer, die von der Tapete über die Möbel bis hin zu Einzelobjekten sorgsam so komponiert sind, dass sie die Atmosphäre eines Raums der entsprechenden Epoche getreu wiedergeben. Dieser Teil der Ausstellung wurde dank der Unterstützung verschiedener Wirtschaftsunternehmen kreiert, die bei den einzelnen Räumen als Sponsoren genannt ist – sicher dem Grundgedanken nach nachvollziehbar, man hat allerdings den Eindruck, dass eine etwas dezentere Angabe hier ein Gewinn gewesen wäre.

Wieder zurück im Hauptgebäude findet man zwei weitere Stilräume, einen Richard-Meier-Raum, in dem Designobjekte und Einrichtungsgegenstände aus den 80er Jahren – der Bauzeit des Meier-Baus – versammelt sind, bis hin zu Büchern aus der damaligen Zeit, etwa Milan Kunderas „unerträglicher Leichtigkeit des Seins“. Ein 2017 eröffneter Stilraum zeigt Objekte des Designers Dieter Rams (* 1932), die funktionsorientiert sind und unter dem Motto „Weniger aber besser“ stehen; in einen von Rams entworfenen Sessel kann man sich auch setzen.

Die Dauerausstellungen stellen für das Museum zwar einen wichtigen Nukleus dar, es erschöpft sich aber bei weitem nicht in ihnen: mindestens genauso wichtig sind die Wechselausstellungen, für die umfängliche Räumlichkeiten – so mit Ausnahme des Rams-Stilraums der gesamte zweite Stock, aber auch Räume in anderen Etagen – zur Verfügung stehen. So bleibt das Museum stets auf der Höhe der Zeit und kann in aktuelle Diskussionen eingreifen oder sie selber befördern. Diesem Ziel dient auch ein breites Spektrum an Veranstaltungen.

Das Restaurant Emma Metzler, das seit 2017 von Anton de Bruyn als Küchenchef geführt wird, bildet eine kulinarische Abrundung des Ensembles, wobei die Möglichkeit, im Sommer auf der Terrasse am Metzlerpark zu sitzen, besonderen Reiz hat.


*****

Textquellen

Webauftritt des Museums: http://www.museumangewandtekunst.de/ abgerufen am 31.05.2018.

Webauftritt des Kunstgewerbevereins Frankfurt mit Informationen zum Museum, zur Villa Metzler und zum Verein. https://www.kgv-frankfurt.de/ abgerufen am 31.05.2018.

Webauftritt des Architekturbüros von Richard Meier: http://www.richardmeier.com/ abgerufen am 31.05.2018.

Webseite der Stadt Frankfurt zum Metzlerpark: https://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=2793&_ffmpar[_id_inhalt]=101624 abgerufen am 31.05.2018.


Bildquellen

Vorschaubild: Luftansicht der Villa Metzler und der Kuben des Museum Angewandte Kunst, 2010, Urheber: Anna M. Gewandt via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Museum Angewandte Kunst, 2014, Urheber: Anja Jahn via Wikimedia Commons CC BY 3.0.

Villa Metzler, der Altbau, 2009, Urheber: Emmaus via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Blick in die Ausstellung „Das Frankfurter Zimmer“. Foto: Norbert Miguletz (2013), Anna M. Gewandt via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Museumsufer, Metzlerpark, Museum für Angewandte Kunst, 2017, Urheber: Szilas via Wikimedia Commons Gemeinfrei.


Museum Angewandte Kunst

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60594 Frankfurt am Main

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