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Ulf Annel
Knalltüten
Kindergedichte für ganze Große

Meine Güte,
du Knalltüte!
Na toll-
heute mal wieder voll
aufgeblasen!?
Du wirst noch platzen
und alles vollmatzen.
Lass Druck ab,
sonst fällt der Stuck ab,
wenn du - Knallbumm!! -
platzt, fall'n wir um.
Das wär dumm.

 

Heinrich Hoffmann

Heinrich Hoffmann

Ulrike Unger

„Sieh einmal, hier steht er - Pfui! Der Struwwelpeter!"
Generationen von Kindern kennen die Verse vom Lausbuben Peter, der sich weigert Kamm und Schere an sich heran zu lassen. Doch Struwwelpeter war nur das Aushängeschild für ein ganzes Werk, welches im frühen 19. Jahrhundert seinen unaufhaltsamen Siegeszug in die Kinderzimmer der Welt antrat.
Heinrich Hoffmann: Titelfigur Struwwelpeter 1844
Heinrich Hoffmann: Titelfigur Struwwelpeter 1844

Der Kalender schreibt das Jahr 1844. Es ist um die Weihnachtszeit, da er sich auf die Suche nach einem Buch als Geschenk für seinen damals dreijährigen Sohn Carl begibt, so erinnert sich der junge Arzt Heinrich Hoffmann später. Doch die Auslagen in den Läden wollen ihn nicht recht begeistern. Da bietet man Indianer- und Abenteuererzählungen an, die aber einem Kleinkind wohl zu schwierig sind. Und eine große Auswahl an belehrenden Büchern findet er vor, die entweder in sehr trockener Form Alltagsgegenstände dem Kinde näher bringen oder aufgrund von langen Texten ebenfalls langweilen. Der Vater entscheidet kurzerhand, sein eigenes Buch für den Sohn zu gestalten. Ein dünnes Schreibheft mit bunten Zeichnungen und kurzen Reimen findet Carl schließlich unter dem Tannenbaum. Das Urmanuskript des Struwwelpeter war geboren.

Heinrich Hoffmann verbrachte den Großteil seines Lebens in der damals noch freien Stadt Frankfurt am Main, hier wurde er im Jahre 1809 geboren, hier starb er hochbetagt 1894 im Alter von 85 Jahren. Ein guter Schüler war er nie, doch entschloss er sich nach strengen Ermahnungen des Vaters, der als Bauinspektor und Architekt in Frankfurt ein Ansehen hatte, stärker schulischen Interessen den Vorzug zu geben.  

Mit Erfolg, Heinrich Hoffmann begann zunächst in Heidelberg ein Medizinstudium. An der Universität Halle bestand er 1833 sein Examen. Für Studien hielt er sich längere Zeit in Pariser Hospitälern auf. Zurück in Frankfurt, Hoffmann hatte sich als praktischer Arzt im Stadtteil Sachsenhausen niedergelassen, half er Kollegen, denen er freundschaftlich gesinnt war, bei der Gründung einer Armenklinik, die fortan mittellose Bürger medizinisch betreute. Bald stand ihm die Tochter eines ortsansässigen Hutfabrikanten zur Seite: Therese Donner, welche er 1840 ehelichte und mit der er drei Kinder bekam. Seine Lebensaufgabe fand er in der Reform der Psychiatrie, deren Patienten zum damaligen Zeitpunkt unter katastrophalen Bedingungen leiden mussten. Hoffmann war es schließlich, der das Bewusstsein in der Bevölkerung dafür schärfte, dass psychisch Kranke einer menschenwürdigen Pflege und ärztlicher Versorgung bedürfen, statt sie wie Vieh hinter Schloss und Riegel zu sperren. Unter Aufbringung all seines Ehrgeizes und Erfindungsreichtums gelang es dem Doktor mit Hilfe von Spendenaufgeboten aus der oberen Frankfurter Gesellschaftsschicht eine für ihre Zeit hochmoderne neue Nervenheilklinik zu errichten: Die städtische „Anstalt für Irre und Epileptische" auf dem Affensteiner Feld.
Politisch liberal eingestellt hatte Heinrich Hoffmann auch einen Anteil an den revolutionären Ereignissen um das Jahr 1848. So war er einer der Abgeordneten des Vorparlaments in der Paulskirche, welche die erste deutsche Nationalversammlung vorbereiteten. Einen Namen machte er sich außerdem als Verfasser satirischer Schriften, der eine Vorliebe für Karikaturen hatte, sowie als Kommunalpolitiker und Initiator unterschiedlicher bürgerlicher Vereine.
Heinrich Hoffmann: Illustration “Zappelphilipp” aus dem Struwwelpeter 1844
Heinrich Hoffmann: Illustration “Zappelphilipp” aus dem Struwwelpeter 1844
Bis heute ist der Autor des Struwwelpeter aber eher für sein erfolgreiches Kinderbuch, denn aufgrund seines medizinischen oder politischen Engagements in aller Munde. Erst 2009 feierte Frankfurt den „Heinrich Hoffmann Sommer" zum Jubiläum des 200. Geburtstages des Arztes. Mit über 500 Auflagen läuft der Lausejunge mit den wilden Haaren gemeinsam mit seinen Gefährten wie Hanns-Guck-in-die-Luft, Zappel-Philipp oder Suppen-Kaspar vielen anderen Kinderbüchern den Rang ab. Pauline, das Mädchen, welches unvorsichtig mit Zündhölzern spielt und dabei verbrennt, hat übrigens die einzige weibliche Hauptrolle im Buch. Sie kam erst in der zweiten Auflage ab 1846 hinzu, der fliegende Robert machte 1847 die zehn Episoden komplett. In über 35 Sprachen wurden die Geschichten übersetzt, beinah ungezählt erschienen und erscheinen bis dato Adaptionen und Parodien der ursprünglichen Geschichten, selbst Dialektfassungen sind erhältlich. Es gibt viele Gründe für die ungebremste Beliebtheit und die Aktualität des Struwwelpeter. Die Aufklärung des Kindes vor den Gefahren des Feuers, phantastische Gedankenexperimente, wie die vom Fliegen oder die Ächtung von Tierquälerei sind zeitlose Themen.
Trotz alledem wird der Struwwelpeter seither kontrovers diskutiert. Man darf geteilter Meinung sein über die Erziehungsmethoden, die aus den Texten sprechen, darüber sollte aber nicht vergessen werden, dass sich Heinrich Hoffmann stets als Satiriker sah, dem ein Hang zum Grotesken, eine Affinität zur Übertreibung inne wohnt.
Am Ende bleibt doch dieses reizvolle Schaudern auf jeder Seite des Buches, ganz gleich ob man Kind oder erwachsen ist.

 

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Textquellen:
Sonderausstellung „Der Struwwelpeter - Vom Welterfolg eines Kinderbuches" im Jenaer Romantikerhaus (30. Oktober 2010 - 05. März 2011)
http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Hoffmann
http://frankfurt-interaktiv.de/frankfurt/frankfurter_koepfe/hoffmann/heinrich_hoffmann.html
http://www.frankfurt-nordend.de/das_irrenschloss.htm

Bildquellen:
Porträt Heinrich Hoffman, gemeinfrei, wikipedia
Heinrich Hoffmann: "Struwwelpeter", Titelfigur 1844; gemeinfrei, wikipedia
Heinrich Hoffmann: Illustration "Zappelphilipp" aus dem Struwwelpeter 1844; gemeinfrei, wikipedia

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