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Flechtwerk
Lebendige Nachbarschaft und Integration

so heißt die erste Ausgabe unserer neuen Zeitschrift

FLECHTWERK - Lebebendige Nachbarschaft und Integration

Die Deutschen sind ofener geworden und haben gleichzeitig mehr Sinn für Heimat, Familie und Nachbarschaft entwickelt. Es müssen neue Wege gesucht werden, um Ausgrenzung und Anonymität zu verhindern.

Die Sternbrücke in Rödelheim

Die Sternbrücke in Rödelheim

Sabine Gruber

Früher führte sie über eine breite Flutmulde der Nidda, den Ochsengraben - die Sternbrücke im Frankfurter Stadtteil Rödelheim. Heute lädt unter der Brücke, dort, wo früher einmal die Flutmulde war, ein ausgedehnter Grüngürtel mit Spazierwegen und Bänken zum Ausspannen, Bummeln, Joggen oder Radfahren ein. Den Namen Ochsengraben hatte die schon seit längerer Zeit versandete Mulde unterhalb der Brücke erhalten, weil dort immer wieder Tiere, vor allem Ochsen, verunglückt und ertrunken waren. Daran, dass die Passage des Grabens in früheren Zeiten gefährlich war, erinnert heute gar nichts mehr. Vielmehr bietet sich sowohl linker als auch rechter Hand in der relativ dicht bebauten Gegend ein Ausblick ins Grüne.

Die Sternbrücke an der Rödelheimer Landstraße, am östlichen Ende von Rödelheim in Richtung Bockenheim gelegen, war einst ein Zeichen des Fortschritts in dem Dorf bei Frankfurt, das wenige Jahrzehnte später, im Jahr 1885, zur eigenständigen Stadt erhoben werden sollte (allerdings behielt es diesen Status nur bis zum Jahr 1910 als es Stadtteil von Frankfurt wurde). Die Brücke wurde in den Jahren 1803 bis 1807 erbaut, um den immer zahlreicher werdenden Verkehr zwischen den beiden damals noch selbstständigen Orten Bockenheim und Rödelheim zu erleichtern. Zuvor hatte es an dieser Stelle zwar auch schon eine Brücke gegeben, es war aber eine kleinere Holzbrücke, die noch auf das Mittelalter zurückging. Für die gestiegenen Anforderungen, vor allem was die Sicherheit betraf, war die Brücke nicht mehr ausreichend. Die neue Brücke wurde aus massivem Mauerwerk auf sechs Pfeilern und mit sieben Bögen errichtet.

Rödelheim hatte, als sie gebaut wurde, ca. 1340 Einwohner und gewann in jedem Jahr neue hinzu, denn hier ließen sich immer mehr Handwerks- und Industriebetriebe nieder, die neue Bewohner anzogen, und obendrein war das Dorf wegen seiner zahlreichen Apfelwein- und Tanzlokale an den Wochenenden auch ein beliebtes Ausflugsziel der Frankfurter. Umgekehrt pendelten auch bereits im späten 19. Jahrhundert Menschen, die in Frankfurt wohnten, nach Rödelheim zum Arbeiten. Von der Frankfurter Innenstadt aus führte der schnellste Weg nach Rödelheim über Bockenheim und damit auch über die Sternbrücke hinweg. Wenn die Frankfurter mit Kutschen oder - seit 1889 auch mit der Pferdebahn - und seit 1894 mit der elektrischen Straßenbahn über Bockenheim nach Rödelheim fuhren, passierten sie immer die Brücke. Dass die alte Holzbrücke die regelmäßige Überquerung durch volle Straßenbahnen überstanden hätte, ist kaum vorstellbar. Eine elektrische Straßenbahnlinie überquerte noch bis in die 70er Jahre die Sternbrücke. Nachdem sie eingestellt wurde, überqueren nur noch zahlreiche Autos und die Busse der Linien 34 und 72 die Brücke (dies in relativ kurzen Abständen).

Heute ist die Rödelheimer Landstraße auch hinter der Sternbrücke bebaut und wenn man sich, unabhängig vom Verkehrsmittel, an der Straße entlang bewegt, bemerkt man kaum mehr die Grenze zwischen den beiden Orten, denn die Bebauung ist heute auf beiden Seiten der Straße, abgesehen von der ehemaligen Flutmulde unter der Brücke, fast durchgängig. Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein lag zwischen den beiden Orten dagegen eine größere unbebaute Fläche mit Feldern und Wiesen. Sie wuchsen erst seit dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert allmählich zusammen. Die Sternbrücke markierte den Ortseingang von Rödelheim, und das erste Gebäude, das man links von der Brücke sah, war das Wirtshaus „Zum Stern“, nach dem die Brücke noch heute benannt ist, obwohl es die Wirtschaft und ihr Gebäude nicht mehr gibt. Ein weiteres prominentes Bauwerk an der Sternbrücke war das „Schlösschen“ an der heutigen Rödelheimer Landstraße 168. Mitte des 19. Jahrhunderts wohnte hier der aus Oberhessen stammende Maler Carl Engel genannt von der Rabenau (1817-1870), der vor allem durch seine Szenen aus dem bäuerlichen Leben bekannt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden an der Sternbrücke Neubausiedlungen, die zum Teil im Krieg zerstörte Häuser ersetzten. Hier siedelten sich viele Frankfurter Neubürger an, zunächst vor allem Flüchtlinge aus den ehemals deutschen Ostgebieten. Auch heute gibt es rund um die Sternbrücke noch eine rege Bautätigkeit. Heute steht die Brücke unter Denkmalschutz.

Adresse

Rödelheimer Landstraße (Haltestelle Sternbrücke)

60487 Frankfurt am Main


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Textquellen´:

1200 Jahre Rödelheim. 788-1988. Hrsg. von 1200 Jahre Rödelheim e. V. Schwanheim, 1988.

Beiträge zur Rödelheimer Geschichte. 1. Rödelheimer Geschichte und Geschichten. Hrsg. vom Heimat- und Geschichtsverein e. V. Frankfurt a. M., 2006.

Budenz, Reinhold: Aus der Geschichte Rödelheims. 2. Aufl. Frankfurt a. M., 1971.

Stolle, Walter: Carl Engel genannt von der Rabenau. Ein hessischer Maler im späten Biedermeier. Mit einem Beitrag von Brigitte Rechberg. Kassel, 1987.

> https://de.wikipedia.org/wiki/Sternbr%C3%BCcke_R%C3%B6delheim < zuletzt geöffnet am: 8.12.2018.

> https://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=2834&_ffmpar%5b_id_inhalt%5d=31954 < zuletzt geöffnet am: 8.12.2018.


Bildquelle:

Vorschaubild: Sternbrücke Rödelheim, 2008, Urheber: MdE via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0 de.

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