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Strandgut
Ein Inseltagebuch

Berndt Seite

Die Ostsee ist ein Sehnsuchtsort, an dem man seine Gedanken mit dem Meer schweifen lassen kann. Beim Anblick der Wellenbewegungen kommen Erinnerinerungen an das Auf und Ab des Lebens auf. In eindrucks- und stimmungsvollen Bildern beschreibt Berndt Seite in seinem Tagebuch philosophische Reflexionen in Rückblick auf sein privates und poltisches Leben. Das raue und derbe Klima der Ostsee, die verschiedenen Jahreszeiten am Meer haben dabei ihren ganz eigenen Charme und helfen ihm, alte Dinge abzustreifen und wieder zu sich selbst zu finden.

Der Hohe Brunnen in Bornheim

Der Hohe Brunnen in Bornheim

Sabine Gruber

Als Bornheim im Jahr 1876 in die Stadt Frankfurt eingemeindet wurde, verlor es zwar seine Selbstständigkeit, gewann aber auch neuen Komfort hinzu. So wurde der neue Stadtteil beispielsweise schon kurze Zeit später, 1877, an die zentrale Frankfurter Wasserversorgung angeschlossen. Zuvor war die Wasserversorgung des größeren, schon in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts ca. 2100 Einwohner zählenden Dorfes, das für die Frankfurter ein beliebter Ausflugsort war, über einen längeren Zeitraum schwierig gewesen. Das verwundert, denn der Name „Bornheim“ lässt eigentlich an einen Brunnen als Ursprung des Ortes denken. Allerdings gibt es auch die Vermutung, dass der Name nicht von einem Brunnen, sondern von einem Adligen mit dem Namen Bruno herrühre. Bis zum frühen 19. Jahrhundert mussten die Bornheimer, die nicht über einen Hof mit eigenem Brunnen verfügten, und das waren die weitaus meisten, jedenfalls ihr Wasser an einem wenig zentral gelegenen Brunnen an der Gemarkungsgrenze holen und die gefüllten Gefäße über eine größere Distanz transportieren. Das wurde in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts als nicht mehr hinnehmbar empfunden, auch weil bei Bränden nicht rechtzeitig Löschwasser zur Verfügung gestanden hätte. Vor allem der damalige Schultheiß Philipp Adam Rühl machte sich dafür stark, dass Bornheim eine Wasserleitung nach dem damals neuesten Standard und einen zentral gelegenen modernen Gemeindebrunnen erhielt. 1827 war es endlich soweit und die nötigen Gelder für den Bau waren vorhanden. Der damalige Wasser-, Wege- und Brückenbauinspektor der Stadt Frankfurt, Philipp Jakob Hoffmann, Vater des Struwwelpeter-Autors Heinrich Hoffmann, wurde mit dem Bau des neuen Brunnens betraut. Bis zum Anschluss des Dorfes an die dann noch modernere Frankfurter Wasserversorgung erhöhte der Brunnen an der Berger Straße für Jahrzehnte die Lebensqualität der Dorfbewohner.

Die Einweihung des neuen Brunnens und der mit ihm verbundenen neuen Wasserleitung am 9. Dezember 1827, einem Sonntag, und damit das Ende des mühevollen Weges zur weit entfernten Wasserstelle, wurde dann auch gebührend gefeiert. Das Fest, in dessen Rahmen der Brunnen zum ersten Mal angelassen wurde, wurde vom Ortsvorstand und Gemeindeausschuss organisiert und begann um 14.00 Uhr nachmittags. Es wurde als „Dank-, Freude und Erinnerungsfest“ beschrieben, und wurde vor allem von der „dasigen“ Schuljugend besucht, die aus diesem Anlass mit Brezeln gespeist und – was uns heute undenkbar erscheint – auch mit, damals vermutlich weniger alkoholhaltigem, Wein versorgt wurde.

Hoffmann hatte den Brunnen als Pumpenbrunnen mit Wassertrog im Stil des Klassizismus entworfen. Dabei ließ er sich von dem Brunnen inspirieren, der wenige Jahre zuvor, 1812, an der Brückhofstraße in der Frankfurter Innenstadt errichtet worden war. Der Hohe Brunnen wird wie dieser von einem Obelisken aus rotem Mainsandstein gekrönt. Die Inschriften auf dem Obelisken des Hohen Brunnens erinnern an diejenigen, die seinen Bau ermöglicht haben. In der Inschrift auf der Vorderseite heißt es: „Erbaut auf Kosten der Gemeinde Bornheim MDCCCXXVII“. Rechts stehen die Namen der Beigeordneten: „Valentin Reincke Georg Ruehl“. Links steht der Name des Schultheißen: „Philipp Adam Ruehl“, und auf der Rückseite stehen die Namen der Mitglieder des Gemeindeausschusses. Die Inschriften halten damit auch ein Stück Bornheimer Ortsgeschichte für die Nachwelt fest. Der Brunnen wurde sehr gut angenommen und die neue Wasserleitung führte möglicherweise zur Anlage weiterer privater Brunnen. Jedenfalls lässt darauf die Beschreibung Bornheims im1835 erschienenen „Historisch-geographische[n] Gemälde von Deutschland“ von Christian Friedrich Gollhard schließen, in der Bornheim als großes Dorf erscheint, das eine „der schönsten Landkirchen“ habe und mit einer „seit 1827 errichteten, zahlreiche Brunnen füllenden Wasserleitung und prächtiger Aussicht nach Osten und Südosten hin“ ausgestattet sei.

Der Standort für den Brunnen in der damaligen Mitte des Dorfes war so gewählt, dass sich der Weg zu ihm für alle Dorfbewohner stark verkürzte. Nach der Eingemeindung in die Stadt Frankfurt hat der Platz immer mehr seinen dörflichen Charakter verloren. So wurden schon kurz nach der Eingemeindung im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die meisten Fachwerkhäuser in der Nähe des Brunnens durch höhere Steinhäuser im Stil der Gründerzeit ersetzt und nach dem Zweiten Weltkrieg kamen moderne Gebäude hinzu. Heute ist der Brunnen von Häusern sehr unterschiedlicher Architekturstile umgeben. Einige ältere und niedrigere Gebäude und vor allem der kleine Platz um den Brunnen lassen aber noch erahnen, dass hier einmal der Mittelpunkt eines Dorfes war, an dem man sich zum Plausch am Brunnen traf.

Adresse

Berger Straße 253

60385 Frankfurt am Main


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Bildquellen: Frankfurt-Bornheim, Hoher Brunnen, Rückseite, 2012, Urheber: Karsten Ratzke via Wikimedia Commons CC0.

Textquellen:

Gollhard, Christian Friedrich: Historisch-geographisches Gemälde von Deutschland. Zur Förderung der Vaterlandskunde entworfen. Frankfurt a. M.,1835

Leweke, Wendelin: Frankfurter Brunnengeschichten. Frankfurt a. M.,1989.

Lohne, Hans: Mit offenen Augen durch Frankfurt. Ein Handbuch der Brunnen, Denkmäler, Gedenkstätten und der Kunst am Bau. Frankfurt a. M.,1969 (darin auch die Zitate über die Einweihungsfeier).

Henss, Rita: Baedeker Frankfurt am Main. Ostfildern,2014.

Schomann, Heinz: Die alten Frankfurter Brunnen. Frankfurt a. M., 1981.

Verborgene Kostbarkeiten in Frankfurter Stadtteilen und Vororten. Hrsg. vom Presse- und Informationsamt der Stadt Frankfurt a. M. Frankfurt a. M.,1991.

>ttps://www.kunst-im-oeffentlichen-raum-frankfurt.de/de/page19.html?id=157&standort=84<

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