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London kommt!

Pückler und Fontane in England

Klaus-Werner Haupt

Hardcover, 140 Seiten, 2019

Im Herbst 1826 reist Hermann Fürst von Pückler-Muskau erneut auf die Britischen Inseln, denn er ist auf der Suche nach einer vermögenden Braut. Aus der Glücksjagd wird eine Parkjagd, in deren Folge die Landschaftsgärten von Muskau und Branitz entstehen. Auch die Bewunderung für die feine englische Gesellschaft wird den Fürsten zeitlebens begleiten.

Theodor Fontane kommt zunächst als Tourist nach London, 1852 als freischaffender Feuilletonist, 1855 im Auftrag der preußischen Regierung. Seine journalistische Tätigkeit ist weitgehend unbekannt, doch sie bietet ein weites Feld für seine späteren Romane.

Die vorliegende Studie verbindet auf kurzweilige Art Biografisches mit Zeitgeschehen. Die Erlebnisse der beiden Protagonisten sind von überraschender Aktualität.

August Anton und Friedrich Wöhler

August Anton und Friedrich Wöhler

Sabine Gruber

Um 1815 stellte der Mineralienhändler Johann Menge an seinem Stand bei der Frankfurter Messe Goethe einen ungewöhnlich jungen Kunden vor: den erst fünfzehnjährigen Friedrich Wöhler, der einen größeren Teil seines Taschengeldes dafür ausgab, Mineralien zu kaufen. Den anderen Teil benötigte er für Apparaturen für chemische Experimente und Fachbücher, denn Wöhler hatte schon als Schüler eine Leidenschaft für die Chemie entwickelt.

Friedrich Wöhler wurde am 31. Juli 1800 im Eschersheimer Pfarrhaus (Alt-Eschersheim 71, heute steht dort ein anderes Gebäude) geboren. Eschersheim war damals noch ein selbstständiger Ort und wurde erst 1910 zu einem Frankfurter Stadtteil. Seine Familie war dort vorübergehend von einem Schwager der Mutter, der Pfarrer in Eschersheim war, aufgenommen worden, weil der Vater August Anton Wöhler (1771-1850), ein studierter Tierarzt, nach einer Auseinandersetzung mit dem als jähzornig bekannten Kurprinzen und späteren Kurfürsten von Hessen, Wilhelm II., seine Arbeit als Landgräflich Hessischer Stallmeister verloren hatte. Schon bald nach der Geburt Friedrichs wechselte August Wöhler als Stallmeister und Tierarzt an den Meininger Hof, kehrte aber 1806 schon wieder in die Frankfurter Gegend zurück und ließ sich als Landwirt im heutigen Stadtteil Rödelheim nieder, damals wie Eschersheim noch ein selbstständiger Ort. Sein Gut legte er nach modernen agrarwissenschaftlichen Prinzipien an, und es wurde wie die Reitschule, die er auf seinem Gutsgelände einrichtete, viel besucht. 1812 ging Wöhler nach Frankfurt, behielt aber seinen Gutshof in Rödelheim, und wurde Stallmeister des Großherzogs von Frankfurt, Carl Theodor von Dalberg (1744-1817). In Frankfurt engagierte sich Wöhler für die Wissenschaft, unter anderem wurde er 1826 Präsident der Polytechnischen Gesellschaft und behielt das Amt fast ein Vierteljahrhundert lang. Er war aber auch als Philanthrop tätig, wirkte 1822 an der Gründung der Frankfurter Sparkasse mit und gründete 1832 einen Verein „zum Wohle der dienenden Klasse“. Die Marburger Universität würdigte Wöhler durch ein Ehrendoktorat. In Frankfurt wurde Wöhlers Engagement nicht zuletzt dadurch gewürdigt, dass die 1870 gegründete Wöhler-Schule nach ihm benannt wurde. Während August Anton Wöhler vor allem regionale Bekanntheit erlangte, sollte sein Sohn Friedrich später weltweit bekannt werden.

August Anton Wöhler sorgte für eine gute Erziehung seines Sohnes durch den Besuch einer öffentlichen Schule und zusätzlichen Privatunterricht. 1814 schickte er ihn auf das Frankfurter Gymnasium. Schon als Schüler verbrachte Friedrich Wöhler einen großen Teil seiner Freizeit mit chemischen Experimenten, was nicht immer wie geplant funktionierte und durchaus einmal eine kleinere Explosion verursachte oder eine Verletzung hinterließ. Friedrich Wöhler ließ sich durch diese schmerzhaften Rückschläge aber nicht von weiteren Experimenten abhalten, sondern machte, meistens gemeinsam mit seinem Frankfurter Jugendfreund, dem späteren Paläontologen Hermann von Meyer (1801-1869), unermüdlich weiter. Meyer berichtete über diese Zeit: „Die Lager der Antiquare wurden manchmal durchsucht. Bald war zwischen mir und Wöhler eine wissenschaftliche Verbrüderung angebahnt, und es verging fast kein Tag, wo wir uns nicht sahen und in schwierigen Experimenten, und zwar ohne alle Anleitung, versuchten; denn woher hätte diese auch kommen sollen?“ (Zitat bei Schwedt, S. 7)

Im Frühjahr 1820 verließ Friedrich Wöhler seine Heimatstadt und begann ein Studium in Marburg, nicht der Chemie, sondern der Medizin. Er hörte aber auch mineralogische Vorlesungen bei dem kurfürstlich-hessischen Oberbergrat Johann Christoph Ullmann (1771-1821) und lernte durch Ullmann den Geologen und Paläontologen Christian Leopold von Buch (1774-1853) kennen. Auch in Marburg machte Wöhler sein Studentenzimmer zum Labor und führte immer wieder chemische Experimente durch. Im Frühjahr 1821 setzte er sein Studium an der Heidelberg fort. Hier wurde vor allem der Chemiker Leopold Gmelin (1788-1853), Verfasser des „Handbuches der theoretischen Chemie“, sein Lehrer und Förderer. Nach seiner Promotion Ende 1823 hatte Wöhler zwar zunächst noch vor, Arzt zu werden. Er entschied sich dann aber endgültig für die Chemie. Deshalb besuchte er den Chemiker Jöns Jakob Berzelius (1779-1848) in Stockholm, eine Begegnung, die für seine weitere Forscherlaufbahn von großer Bedeutung war. 1824 kehrte er aus Stockholm zurück und lebte eine Zeit lang wieder in seinem Elternhaus in Frankfurt.

1825 wurde Wöhler Lehrer an der Berliner Gewerbeschule und erhielt 1828 den Professorentitel. In den folgenden Jahren gelangen ihm bahnbrechende Entdeckungen zu denen er letztlich schon bei seinen Frankfurter Experimenten als Kind die Grundlage gelegt hatte. Darunter sind vor allem zu nennen: die Herstellung von reinem Aluminium, einem Material, das heute aus Industrie und Alltagsleben nicht mehr wegzudenken ist, und 1828 die Harnstoffsynthese. Die Entdeckung der Harnstoffsynthese war bahnbrechend, denn es war damit erstmals gelungen Stoffe aus anorganischer Materie zu erzeugen, deren Erzeugung man zuvor nur durch lebende Organismen kannte. Schon 1826 hatte Wöhler Justus von Liebig (1803-1873) kennengelernt, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft und Forschungsgemeinschaft verband. 1830 heiratete Wöhler seine Cousine Franziska Wöhler (geb. 1811), die jedoch bereits 1832 starb. Nach ihrem Tod heiratete er Julie Pfeiffer (1813-1886). Aus den beiden Ehen hatte er insgesamt sechs Kinder. Über eine Station als Direktor des Kasseler Polytechnikums ab 1833 wurde Wöhler schließlich 1836 Professor der Chemie, Pharmazie und Medizin in Göttingen, wo er 1882 starb. Bereits 1890 wurde dort ein Denkmal zur Erinnerung an ihn errichtet.

Friedrich Wöhler hielt nicht zuletzt durch seine Briefe an den Jugendfreund Hermann von Meyer immer die Verbindung nach Frankfurt aufrecht. Auch die Verbindung zum Gut seines Vaters August Anton in Rödelheim blieb dadurch erhalten, dass Friedrich Wöhlers Sohn später den Hof seines 1850 in Rödelheim gestorbenen und dort auch begrabenen Großvaters bewirtschaftete.


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Bildquellen:

Vorschaubild: Friedrich Wöhler, Lithographie, 1856, Urheber: Rudolf Hoffmann via Wikimedia Commons Gemeinfrei; August Anton Wöhler: Reproduktion eines Ölgmäldes, Urheber: Leberecht Glaeser, entnommen aus: Klötzer, W. (Hrsg.): Frankfurter Biographie, Zweiter Band M-Z, Frankfurt am Main, 1996 via Wikimedia Commons Gemeinfrei; neu bearbeitet von: Carolin Eberhardt.

Friedrich Wöhler, Stich, 1840, Urheber unbekannt; entnommen von: > http://www.sil.si.edu/DigitalCollections/hst/scientific-identity/fullsize/SIL14-W005-02a.jpg< via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

August Anton Wöhler: Reproduktion eines Ölgmäldes, Urheber: Leberecht Glaeser, entnommen aus: Klötzer, W. (Hrsg.): Frankfurter Biographie, Zweiter Band M-Z, Frankfurt am Main, 1996 via Wikimedia Commons Gemeinfrei.


Textquellen:

Budenz, Reinhold: Aus der Geschichte Rödelheims, 2. Aufl., Frankfurt a. M., 1971.

Kramer,Waldemar (Hrsg.): Frankfurt-Lexikon. Mit einem Stadtplan, Sechste, neubearbeitete Ausgabe, Frankfurt a. M., 1973.

Wöhler, Friedrich: Ein Jugendbildnis in Briefen an Hermann von Meyer: Georg W. A. Kahlbaum (Hrsg.), Leipzig, 1900.

Lohne,Hans: Mit offenen Augen durch Frankfurt: Ein Handbuch der Brunnen, Denkmäler, Gedenkstätten und der Kunst am Bau, Frankfurt a. M., 1969.

Schwedt,Georg: Der Chemiker Friedrich Wöhler (1800-1882): Eine biographische Spurensuche, Frankfurt am Main / Marburg / Heidelberg / Stockholm / Berlin / Kassel / Göttingen / Seesen, 2000.

>https://www.lagis-hessen.de/pnd/14113402X< abgerufen am 5.10.2019.

>https://www.lagis-hessen.de/en/subjects/idrec/sn/bio/id/7386< abgerufen am 5.10.2019.

>https://de.wikipedia.org/wiki/August_Anton_W%C3%B6hler< abgerufen am 5.10.2019.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_W%C3%B6hler< abgerufen am 5.10.2019.

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