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Erbsensoldaten

Florian Russi

Lustige, spannende, fantasievolle Märchen über Zwerge, den Zauberer Krabat und den Müllergesellen Pumphut sind hier versammelt.

Adolph von Nassau in Frankfurt

Adolph von Nassau in Frankfurt

Sabine Gruber

Als Herzog Adolph von Nassau nach der preußischen Annexion seines Herzogtums seine Residenz in Wiesbaden gegen einen neuen Aufenthaltsort tauschen musste, blieb er in der Region – er nahm seinen Aufenthalt unter anderem im nicht weit entfernten Frankfurt. Nach der Niederlage der mit Österreich verbündeten nassauischen Truppen bei Königgrätz gegen die preußischen Truppen hatten diese im Juli 1866 das Herzogtum Nassau besetzt, nachdem sie bereits vorher ins Herzogtum eingedrungen waren. Adolph von Nassau verließ Wiesbaden, verfasste einen Aufruf „An mein Volk“ und besuchte seine Soldaten ein letztes Mal. Im September wurde das Herzogtum offiziell von Preußen annektiert. Adolph von Nassau verabschiedete sich in Günzburg von seiner Brigade und den Offizieren.

Zunächst lebte er mit seiner Familie auf Schloss Rumpenheim bei Offenbach. Die Verhandlungen, die er mit Preußen über seine künftigen Vermögensverhältnisse führte, erbrachten immerhin, dass er das Schloss Biebrich und das Jagdschloss Platte bei Wiesbaden, das Weilburger Schloss und die Griechische Kapelle auf dem Wiesbadener Neroberg, wo seine erste Frau beigesetzt war, behalten durfte. Zusätzlich erhielt er eine hohe finanzielle Abfindung. Auch im Exil umfasste sein Hofstaat noch stolze 140 Personen. In seine Wiesbadener Schlösser kehrte Adolph von Hassau, obwohl sie in seinem Besitz blieben, nie mehr zurück. Gemeinsam mit seiner Familie pendelte er künftig zwischen Königstein im Taunus, Altaussee in der Steiermark, Wien und Frankfurt am Main.

Vielleicht suchte Adolph von Nassau wegen der Nähe zu seiner früheren Residenz einen Wohnsitz in Frankfurt, vielleicht auch, um dort schneller an politische Nachrichten aus der Region zu gelangen. Zunächst mietete er 1867 ein Palais an der Neuen Mainzer Straße 59, das 1839 der Bankier Amschel Mayer Rothschild erworben hatte und das seit 1867 Edmond de Rothschild gehörte. Das Palais wurde Ende des 19. Jahrhunderts durch ein, heute noch dort stehendes, repräsentatives Bankgebäude ersetzt. Eine etwas längerfristige Unterkunft fand Adolph von Nassau in den 70er Jahren in der Bockenheimer Landstraße 55 im Westend. Das Frankfurter Adressbuch von 1878 vermerkt zu dem bekannten Bewohner lapidar: „v. Nassau Adolf, Herzog, Hoheit, Bockenheimer Landstr. 55.“ So bescheiden der Eintrag sein mag, so nobel war die neue Umgebung des Herzogs, denn die Bockenheimer Landstraße war damals eine Gegend, in der sich Adlige, Bankiers und wohlhabende Geschäftsleute angesiedelt hatten. Nicht weit vom Frankfurter Wohnsitz Adolphs von Nassau entfernt, wurde 1871 der Palmengarten eröffnet, dessen Gründung erst möglich geworden war, weil der Fürst 1866 zur Sanierung seiner Finanzen seine Sammlung exotischer Pflanzen aus dem Biebricher Schlosspark verkauft hatte. Heinrich Siesmayer und Leopold Sonnemann, der Herausgeber der Frankfurter Zeitung, sorgten dafür, dass eine Aktiengesellschaft gegründet wurde, die die Einrichtung eines Botanischen Gartens auf der Grundlage dieser Pflanzensammlung zum Ziel hatte. 1868/69 war mit den Arbeiten daran begonnen worden.

Die „Hamburger Garten- und Blumenzeitung“ berichtete 1870 darüber: „Die Palmengarten-Gesellschaft zu Frankfurt a./M. hat am 9. April die neuerbauten Gewächshäuser mit einer Pflanzenausstellung dem Publikum eröffnet. Die Gesellschaft hat bekanntlich, wie wir auch seiner Zeit mittheilten, die berühmten Wintergärten zu Biebrich unter höchst liberalen Bedingungen vom Herzog Adolf [!] von Nassau käuflich übernommen und bilden sie die Grundlage zur Schöpfung der jetzt eröffneten Palmengärten. Zur Aufnahme des auf nahe an 80,000 Exemplaren bestehenden Pflanzen-Inventars, hat die Gesellschaft mit einem Kostenaufwande von ca. 400,000 Gulden eine großartige Wintergarten-Anlage auf der Bockenheimer Landstraße (etwa 10 Minuten von den Westbahnhöfen) errichtet, von der nunmehr die Gewächshäuser vollständig fertig gestellt sind. […] Wer kennt nicht von Biebrich diesen prächtigen Blumenflor, der allfrühjährlich Tausende von Besuchern aus der Nähe und Ferne in die herzoglichen Gärten lockte! Vom Ufer des Rheins sind sie, das Schicksal ihres Besitzers theilend, ausgewandert zu den Ufern des Bruderstroms, und wenn sie früher geschaffen waren, ein fürstliches Auge zu ergötzen, bieten sie heute ihre herrliche Farbenpracht mit derselben Freudigkeit dem Auge des bürgerlichen Besuchers.“

Dass Adolph von Nassau nicht nur wie 1866 gezwungenermaßen mit seinem Eigentum das Frankfurter Stadtleben bereicherte, sondern auch aus freien Stücken, zeigt seine großzügige Beteiligung an der Lotterie, die 1868 zugunsten des durch einen Brand schwer beschädigten Doms veranstaltet wurde. Die Zeitschrift „Didaskalia“ berichtete im August des Jahres darüber: „Herzog Adolph von Nassau hat auch der Dombaulotterie gegenüber gezeigt, daß er für die Blüthe und die Wohlfahrt der Stadt Frankfurt ein reges Interesse hat, und sich bei der Lotterie mit einer nahmhaften Zahl von Loosen beteiligt.“

Die Zeit Adolphs von Nassau als Fürst ohne Herzogtum kam zu einem überraschenden Ende als er 1890 Großherzog von Luxemburg wurde, weil nach dem dort geltenden salischen Erbrecht nur ein männlicher Nachfahre die Thronfolge antreten durfte und zudem das Hausgesetz des Hauses Nassau bestimmte, dass beim Aussterben einer nassauischen Linie – in Luxemburg regierte die ottonische Linie – die andere die Regierung übernehmen sollte. 1905 starb Adolph von Nassau mit 88 Jahren als ältester regierender Monarch Europas.



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Bildquellen:

Vorschaubild: Adolphe, Grand Duke of Luxembourg, 1844, Urheber: Vladimir Ivanovich Hau via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Das Rumpenheimer Schloss auf einem Stahlstich von Fritz Bamberger und Ludwig Braunfels von 1847 mit Blick vom Main aus; via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Herzog Adolph von Nassau, Lithographie von Josef Kriehuber nach Daffinger, 1835 via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Vereidigung Adolphs von Luxemburg, 1889, Urheber: Charles Bernhoeft via Wikimedia Commons Gemeinfrei.


Textquellen:

Adolph Herzog zu Nassau Großherzog von Luxemburg 1817-1905. Eine Ausstellung der Hessischen Landesbibliothek Wiesbaden in Zusammenarbeit mit Pierre Even unter der Schirmherrschaft Ihrer Königlichen Hoheiten Großherzog Jean und Großherzogin Joséphine-Charlotte von Luxemburg. Hessische Landesbibliothek Wiesbaden. 24. Juli bis 31. Oktober 1992, Wiesbaden, 1992.

Adress-Buch von Frankfurt a. M. (Sachsenhausen, Bornheim) mit Bockenheim, Oberrad und Niederrad 1878, Frankfurt a. M., 1878.

Geisthardt, Fritz: Adolf [von Nassau]. In: Neue Deutsche Biographie. Bd. 1. Aachen – Beheim, Berlin, 1953, S. 85.

Didaskalia. Blätter für Geist, Herz, Gemüth und Publicität. 46. Jg. Juli – December 1868. Nr. 226. 15. August 1868

Hamburger, Eduard Otto (Hrsg.) Garten- und Blumenzeitung: Zeitschrift für Garten- und Blumenfreunde, Kunst- und Handelsgärtner, , 26. Jg., Hamburg, 1870, S. 236f.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Adolph_(Luxemburg)< abgerufen am 02.05.2019.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Mainzer_Stra%C3%9Fe< abgerufen am 02.05.2019.

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