Frankfurt Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.frankfurt-lese.de
Unser Leseangebot

Heft 2

B-Z! Das ist nett! (Teil 1)

In diesem Arbeitsheft werden alle Konsonanten eingeführt, die sich beim Sprechen gut dehnen lassen. Dazu kommen noch einige Vokale (Zwie- und Umlaute).

Der Brickegickel

Der Brickegickel

Sabine Gruber

Eines der außerhalb Frankfurts nicht ganz so bekannten, bei echten Frankfurtern aber umso populäreren Wahrzeichen der Stadt ist der „Brickegickel“ (Brückenhahn) auf der Alten Mainbrücke, die vom Mainkai nach Sachsenhausen führt und 1222 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Nachdem der Hahn zwischenzeitlich seinen Standort gewechselt hatte, steht er jetzt wieder an seinem ursprünglichen Ort in der Mitte der Brücke.

Der Brickegickel, der heute auf dem mittleren Bogen der alten Brücke zu sehen ist, ist nicht mehr der originale. Dessen Ursprünge liegen lange zurück und reichen bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts als hier der erste Hahn errichtet wurde. Erstmals abgebildet wurde der Goldene Hahn, der auf der Spitze eines Kreuzes sitzt, bereits im „Bedebuch“ aus dem Jahr 1405. Das Kruzifix mit dem Hahn in der Mitte der Brücke hatte zunächst eine praktische Funktion und sollte den vorbeifahrenden Schiffern die tiefste Stelle des Mains zeigen. Allerdings hat der Hahn auf dem Kreuz auch religiöse Bezüge und erinnert an Matthäus 26,34, die Stelle in der Bibel, an der Jesus seinem Jünger Petrus ankündigt, er werde ihn dreimal verleugnen noch ehe der Hahn kräht. Diese religiöse Bedeutung des Hahns spielte auch eine Rolle bei den Hinrichtungen durch Ertränken, die von 1366 bis 1613 für Frankfurt dokumentiert sind. Diese heute sehr grausam erscheinende Strafe befand sich im Einklang mit der „Constitutio Criminalis Carolina“, der Peinlichen Halsgerichtsordnung Karls V. Das Kruzifix und der darauf sitzende Hahn sollten die Verurteilten kurz vor deren Hinrichtung, die von der Mitte der Brücke aus vor dem Kreuz stattfand, ein letztes Mal zur Buße mahnen. Johann Georg Batton berichtet darüber in der „Oertlichen Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main“: „Der Ort wo das Todesurteil, bald bei Tage, bald bei Nacht vollzogen wurde, war kein anderer als der Kreuzbogen, weil der Trieb des Wassers an dieser Stelle am stärksten ist und der Körper nicht leicht in die Stadt getrieben werden konnte. Das fromme Alterthum pflegte bei den Richtplätzen Kreuze aufzurichten, und zuweilen auch kleine Kapellen oder Helgenhäuschen (Heiligenhäuschen) zu erbauen.“

Mit dem Brickegickel verknüpft ist überdies eine Wandersage, die in verschiedenen Varianten auch von anderen Brücken erzählt wird. Der Teufel, so heißt es, habe versprochen beim Bau der Brücke zu helfen, aber für seine Dienste das erste Lebewesen, das über die Brücke geht, verlangt. Der Baumeister narrte den Teufel, indem er einen Hahn vor sich hertrieb als er als erster (Mensch) die Brücke betrat. Im Frankfurter Sagenbuch von Karl Enslin heißt es – auch verbunden mit einer Erklärung für die Präsenz des Brickegickel: „Früh am Morgen ruhte Herr Satan aus am Ende der Brücke auf der Sachsenhäuser Seite und lauerte auf sein Seelchen. Da trieb der listige Baumeister ein mageres Hähnlein über die Brücke – das war das erste lebendige Wesen. Der betrogene Teufel ward wüthig, fiel über‘s Hähnlein grimmig her und zerriß es vor Zorn mit seinen teuflischen Zähnen. Der Baumeister aber, der nun eines Versprechens entbunden war, jubilirte über die herrliche, fest dastehende Brücke. Dem Hähnlein, das sich der Teufel wohl in seiner Höllenküche briet, zu Ehren ward der Hahn auf dem eisernen Brückenkreuze aufgerichtet. Soll allemal krähen, wenn‘s den Frankfurtern zu wohl wird – damit sie nicht der Teufel holt.“ Der Teufel habe dann aus Zorn zwei viereckige Löcher in die Brücke gemacht, die nie zugemauert werden konnten und bis zum Jahr 1840 mit Brettern belegt waren. Enslin lässt die Sage erst in seiner Gegenwart ein Ende finden und schreibt „Wie aber die Teufeleien immer mehr an Macht und Ansehen verlieren, je heller die geistige Sonne scheint, so wagte man es auch hier, trotz des Teufels, die gefürchteten Löcher zuzumauern, so daß davon jetzt Nichts mehr zu sehen ist. (Die beiden Löcher waren zwei große Öffnungen in der Brücke, die mit einer Holzdecke belegt waren, welche in Kriegszeiten weggenommen wurde, damit die Feinde nicht über die Brücke konnten.)“. Auch die Brüder Grimm überlieferten die Sage vom „Brickegickel“.

Der vergoldete Brickegickel auf der Alten Brücke verschwand immer wieder von seinem Ort. Die Urheber waren aber meistens menschlicher Natur. Der ursprüngliche Brickegickel wurde bei einem Sturm abgerissen und konnte nicht wiedergefunden werden, sein Nachfolger wurde zerstört als der Dreißigjährige Krieg in Frankfurt wütete. 1739 fiel ein weiterer dem Einsturz der Brücke zum Opfer. Der nachfolgende Brickegickel fiel bei der Sprengung der Brücke während des Zweiten Weltkriegs in den Main. Diesmal wurde er aber gefunden und kann heute im Historischen Museum betrachtet werden. Der Bildhauer Edwin Hüller fertigte eine Kopie an, die in den 90er Jahren gestohlen wurde. Ein weiteres Mal verschwand der Hahn in den 10er Jahren des 21. Jahrhunders. Diesmal aber nur zur Renovierung.

Adresse

Alte Brücke

60547 Frankfurt am Main


*****

Bildquellen:

Alte bruecke brickegickel detail, 2005, Urheber: Popie~commonswiki via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Die älteste Darstellung der Alten Brücke mit Brickegickel aus dem Bedebuch von 1405, Urheber: unbekannt via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Der restaurierte Brickegickel (2018) auf der Alten Brücke in Frankfurt am Main, 2018, Urheber: Simsalabimbam via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Alte Brücke: Jetziger Standort (Mitte Fahrrinne), 2018, Urheber: Dontworry via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.


Textquellen:

Frankfurt-Lexikon. Mit einem Stadtplan herausgegeben von Waldemar Kramer. Sechste, neubearbeitete Ausgabe. Frankfurt a. M., 1973.

Enslin, Karl (Hrsg): Frankfurter Sagenbuch: Sagen und sagenhafte Geschichten aus Frankfurt am Main: Frankfurt a. M., 1856.

Lohne, Hans : Mit offenen Augen durch Frankfurt: Ein Handbuch der Brunnen, Denkmäler, Gedenkstätten und der Kunst am Bau, Frankfurt a. M.,1969.

Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main von Johann Georg Batton: Aus dessen Nachlasse herausgegeben von dem Vereine für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt a. M. durch L. H. Euler. Erstes Heft. Frankfurt a. M., 1861.

>https://www.kunst-im-oeffentlichen-raum-frankfurt.de/de/page28.html?id=192< abgerufen am 5.10.2019.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Brickegickel< abgerufen am 5.10.2019.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Alte_Br%C3%BCcke_(Frankfurt_am_Main)< abgerufen am 5.10.2019.

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Der Erfinder des Apfelweins
von Karl Wilhelm Ferdinand Enslin
MEHR
Die Pest zu Frankfurt
von Karl Wilhelm Ferdinand Enslin
MEHR
Der Schwedenschuß
von Karl Wilhelm Ferdinand Enslin
MEHR

Der Brickegickel

Alte Brücke
60547 Frankfurt am Main

Detailansicht / Route planen

Werbung
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen