Frankfurt Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.frankfurt-lese.de
Unser Leseangebot

Erbsensoldaten

Florian Russi

Lustige, spannende, fantasievolle Märchen über Zwerge, den Zauberer Krabat und den Müllergesellen Pumphut sind hier versammelt.

Der Altkönig

Der Altkönig

Sabine Gruber

Der Gipfel des Altkönigs gehört zwar zum Gemeindegebiet der Stadt Kronberg im Taunus, seine Entfernung zu Frankfurt ist aber so gering, dass er schon immer ein beliebtes Ziel für Wochenendausflüge von Frankfurt aus war und ist. Darüber hinaus hat man von einigen Frankfurter Stadtteilen aus – zum Beispiel von der Lorscher Straße im Stadtteil Rödelheim – bei klarem Wetter einen sehr guten Blick auf den Berg, über den Karl Simrock im 19. Jahrhundert in seinem Werk über „ Das malerische und romantische Rheinland“ schrieb: „Der Altkönig, obwohl niedriger als beide Feldberge, wird doch öfter als der Lütgefeldberg [der kleine Feldberg] besucht […].“ Sein eindrucksvoller Anblick und seine Lage werden in einem nur wenig später gedruckten Buch über „Das Herzogthum Nassau in malerischen Original-Ansichten“ mit Bezug auf seinen Namen beschrieben: „Ein steiler Kegel von abgestumpfter Form, doch großartig in seinen Umrissen, dem Kyffhäuser an wunderbaren Sagen verwandt, bedeutungsvoll in der ältesten Geschichte unserer Gegend und begabt mit einer überaus reizenden Fernsicht, erhebt sich der Altkönig (2449 Fuß) so ehrwürdig in königlich thronender Gestalt und blickt so majestätisch in königlich gebietender Haltung auf die von ihm beherrschte Landschaft herab, daß Jul. Mosen in seinem berühmten Schauspiel: ‚Heinrich der Finkler‘ dem König wohl die Worte in den Mund legen konnte: ‚Altkönig heißet dieser Berg mit Recht; Weit herrscht er über‘s deutsche Land hinüber!‘“

Der Altkönig hat eine Höhe von 768 m, was für ein Mittelgebirge wie den Taunus schon recht hoch ist. Sein Name wird entweder auf das keltische Wort „Altkin“ zurückgeführt, was soviel bedeutet wie Hochgipfel oder Hochkamm, oder auf das lateinische Wort „alta“, hoch. Ein Gebiet von 2,0555 Quadratkilometern auf dem Berg ist als Naturpark ausgewiesen. Nach Karl Simrock war – zumindest im 19. Jahrhundert – aber weniger die reiche Flora und Fauna des Berges ein Grund für die vielen Besucher dort, sondern sie kamen seiner Meinung nach vor allem „der drei colossalen Steinwälle wegen, welche ihm [!] am Fuß, in der Mitte und am Gipfel umgürten.“ Diese Ringwälle aus Taunusquarzit sind keltischen Ursprungs und sind vermutlich um 400 v. Chr. entstanden. Weshalb sie damals angelegt wurden, ist unklar; dass sie dem Schutz einer Fluchtburg dienten, kann zumindest vermutet werden. Wegen ihrer ungeklärten Bedeutung gab es um die Wälle zahlreiche Spekulationen, wie etwa die, dass Ariovist oder der Alemannenkönig Rando sie errichten ließen. In einem „Führer durch die Bergstrasse und den Odenwald sowie Frankfurt a. M., Taunus und Rheingau“ aus dem 19. Jahrhundert wird festgestellt, dass die Römer Berggipfel nicht befestigt hätten, dass die Befestigung vielmehr „das Werk eines Naturvolkes“ sei, „welches mit Errichtung desselben den Zweck verband, ihre Habe vor vorübergehenden Feindesschaaren zu sichern.“ Der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gefasste Plan, auf den Altkönig einen nach Ludwig Uhland benannten Turm zu errichten, sei, wie derselbe Führer berichtet, damals noch nicht verwirklicht worden, weil „die Beiträge noch nicht die erforderliche Summe ergeben“ hätten. Der Plan wurde dann wohl später ganz zu den Akten gelegt.

Eine mit dem Altkönig verknüpfte Sage erzählt von einer Mutter, die mit ihrer kleinen Tochter auf dem Altkönig unterwegs war und dort hinter einer Tür eine Schatzhöhle entdeckte, in der sieben alte Männer an einem Tisch saßen und die ganz mit Gold und Silber (in einigen Versionen auch Edelsteinen) gefüllt war. Weil die Mutter so damit beschäftigt ist, ihren Korb mit den Schätzen zu füllen, vergisst sie am Ende ihr Kind in der Höhle, die sich mit lautem Krachen hinter ihr schließt. Erst als sie auf den Rat eines Geistlichen nach sieben Jahren zur selben Stunde wieder auf den Berg geht, bekommt sie ihr Kind zurück, das „noch eben so jung und blühend und frisch war, als sie es verlassen hatte“ und auf dem Berg schlief. Die Höhle war jedoch nicht mehr zu finden.

Vom Gipfel des Altkönigs aus hat man einen sehr schönen Blick auf die Stadt Frankfurt und die sie umgebende Landschaft. Erreichbar ist der Gipfel des Altkönigs ausschließlich über zahlreiche Wanderwege, die aus verschiedenen Richtungen auf ihn hinauf führen. Das Auto kann man unterhalb am Parkplatz "Große Kurve" stehen lassen, wohin man auch mit der Buslinie 57 gelangt. In der Nähe des Berggipfels befinden sich der bereits zu Königstein gehörende Ort Falkenstein mit seiner Burgruine, die ebenfalls einen Besuch wert ist, und der Lips-Tempel, ein kleiner Holzturm, der ursprünglich als Schutzhütte diente, von dem aus man aber auch eine phantastische Aussicht hat, und der 1895 errichtet wurde.

Ein Gedicht zum Thema: Altkönig


*****

Textquellen:

Das Herzogthum Nassau in malerischen Original-Ansichten seiner interessantesten Gegenden, merkwürdigen Städte, Badeorte, Kirchen, Burgen und sonstigen ausgezeichneten Baudenkmäler alter und neuer Zeit. Nach der Natur aufgenommen und in Stahl gestochen von verschiedenen Künstlern, Darmstadt, 1862.

Frankfurt-Lexikon. Mit einem Stadtplan herausgegeben von Waldemar Kramer. Sechste, neubearbeitete Ausgabe, Frankfurt a. M., 1973.

Führer durch die Bergstrasse und den Odenwald sowie Frankfurt a. M., Taunus und Rheingau. 2. Aufl., Weinheim, 1876.

Hessische Sagen. Hrsg. von J. W. Wolf. Göttingen und Leipzig, 1853.

Simrock, Karl: Das malerische und romatische Rheinland, Leipzig, 1851.

> https://de.wikipedia.org/wiki/Altk%C3%B6nig < abgerufen am 22.11.2019.

> https://taunus.info/angebote/kultur-und-geschichte... < abgerufen am 22.11.2019.

> https://taunus.info/angebote/natur-und-erlebnis/be... < abgerufen am 22.11.2019.

> https://taunus.info/angebote/natur-und-erlebnis/tu... < abgerufen am 22.11.2019.


Bildquellen:

Vorschaubild: Blick von Südsüdosten zum Altkönig mit Ortschaft Falkenstein, der Burgruine Falkenstein und dahinter befindlichem Großen Feldberg, 2009, Urheber: Dontworry via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Blick vom Aussichtsturm großer Feldberg zum Altkönig, 2015, Urheber: Xipolis via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Ringwall Altkönig: innerer Wall, 2007, Urheber: ChrisKüm via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Weg zum Altkönig (Gipfel), 2011, Urheber: Naturfreund66 via Wikimedia Commons CC BY 3.0.


Weitere Beiträge dieser Rubrik

Kleinmarkthalle
von Mia Brettschneider
MEHR
Zeil
von Anna Hein
MEHR
Römerberg
von Anna Hein
MEHR
Werbung