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Winckelmann im Kreise der Gelehrten

Klaus-Werner Haupt

Das Gemälde "Winckelmann im Kreise der Gelehrten in der Nöthnitzer Bibliothek" von Theobald Reinhold Anton Freiherr von Oer steht im Mittelpunkt dieser Abhandlung über Winckelmann. Es dient dem Autor als Vorlage für eine kurze szenische Darstellung, in der die Geisteshaltungen und die Kontroversen der zwölf Gelehrten sichtbar werden.
Insgesamt besteht das Heft aus drei Teilen. Einem Kurzabiss zum Maler von Ohr, dessen Bild im Mittelpunkt steht, dann der szenischen Abhandlung, die das Bild zum Leben erweckt. Anschließend wird in einem wissenschaftlichen Abriss Winckelmann als Wegbereiter der Weimarer Klassik abgehandelt.

Der Tugendbrunnen

Der Tugendbrunnen

Sabine Gruber

Überbleibsel aus der Frankfurter Vergangenheit, die sich an vielen Orten der Stadt erhalten haben, sind die historischen Brunnen, die teilweise heute noch funktionstüchtig sind, zum Teil aber auch nur noch Denkmalcharakter haben. Früher waren es wesentlich mehr als heute. Zum Teil gab es in einer Straße fünf Brunnen, denn die Brunnen wurden gemeinsam genutzt und private Brunnen waren eine Seltenheit. Im 18. Jahrhundert wurden überall in der Stadt die großen mittelalterlichen Ziehbrunnen durch schmalere, modernere Pumpenbrunnen im Stil des Rokoko ersetzt, was nicht nur eine Modernisierung bedeutete, sondern für die Nutzer der Brunnen auch mehr Sicherheit mit sich brachte. Jetzt konnte niemand mehr in den Brunnen fallen. Einer der zahlreichen damals errichteten Brunnen ist der heute in der Töngesgasse stehende Tugendbrunnen, der auch als Heiliggeistbrunnen bezeichnet wird.

Auch der Tugendbrunnen war Ersatz für einen mittelalterlichen Ziehbrunnen, der 1768 abgebrochen worden war und sich am gleichen Standort, einem kleinen Platz in der Saalgasse, befand. Oben auf der Säule des neuen Pumpenbrunnens stand und steht eine Statue, die die Tugend personifiziert. Auch in anderen Städten sind Tugendbrunnen beliebt. Meistens werden aber einzelne Tugenden in unterschiedlichen Personen dargestellt. Die Tugend auf dem Frankfurter Tugendbrunnen hält in der rechten Hand einen Stab und in der linken ein Schwert. Einer ihrer Füße ruht auf einer Weltkugel, die das von ihr überwundene Laster darstellen soll.

Seinen zweiten Namen, Heiliggeistbrunnen, hatte der Tugendbrunnen wie der kleine Platz, auf dem er ursprünglich stand, nach dem nahegelegenen, Mitte des 19. Jahrhunderts abgerissenen mittelalterlichen Heiliggeistspital. Ein charakteristisches Gebäude am früheren Standort des Tugendbrunnens beschreibt Johann Georg Batton in seiner „Oertlichen Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main“ folgendermaßen: „Das doppelte Eck bei dem h. Geistbrunnen. Ueber der Thüre steht eine Taube ausgehauen mit Umschrift: zum Heiligen Geist 1752. Dennoch pflegen die Leute das Haus das heilige Geisteck zu nennen. Mit ihm endigte sich ehemals die Judengasse, und es war 1453 noch ein einfaches Eck, wie aus der folgenden Beschreibung anzunehmen ist: 'domus in vico sancti spiritus sita in acie respiente occidentem et septentrionem prope fontem ex oposito der brothallen versus septentrionem'.“

Dass die Nutzer des Brunnens ihn nicht nur als Wasserspender sahen, sondern zu der Figur auch eine emotionale Verbindung hatten, zeigt sich in allerlei mehr oder weniger ernst zu nehmendem Brauchtum, das sich im Laufe der Jahrzehnte rund um den Brunnen entwickelte. Der folgende Bericht aus dem „Bayerischen Kurier“ schildert wie sich Anwohner zu Neujahr 1858 einen Schabernack mit der Figur erlaubten: „In Frankfurt war der Eintritt vom alten in's neue Jahr von keinen außergewöhnlichen Vorfällen begleitet. Der Uebergang fand unter den herkömmlichen geräuschvollen Feierlichkeiten statt, ohne daß irgend ein erheblicher Exceß sich bemerkbar gemacht hätte. An einzelnen 'sinnreichen' Demonstrationen war indessen kein Mangel. So wurde z. B. auf dem Fischmarkt eine Anzahl der dort befindlichen Bänke an die Wage aufgehängt; in der Saalgasse schmückte man das Haupt der auf dem Heiliggeist Brunnen in der Höhe von 25 Fuß aufgestellten Statue der Tugend mit einem Strohhute, der heute noch von den Vorübergehenden 'bewundert' wird; […].“

Bereits im 19. Jahrhundert wurde der Brunnen zweimal restauriert. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Brunnensäule zerstört, aber die Statue der Tugend konnte gerettet werden. 1967 wurde die Brunnenfigur mit Hilfe einer Stiftung der Stadtsparkasse restauriert, auf eine Kopie des Brunnens gesetzt und aus Anlass des Weltspartages am 28. Oktober des Jahres am neuen Ort vor der Töngesgasse 13 wieder aufgestellt. Hier erinnert die Statue noch heute an die Tradition der Frankfurter öffentlichen Brunnen, die nicht nur die Wasserversorgung dienten, sondern auch ein beliebter Treffpunkt waren. Das ist zumindest der Tugendbrunnen auch heute noch, denn rund um den Brunnen befindet sich die Terrasse des Café Libretto.

Adresse

Vor der Töngesgasse 13

60311 Frankfurt am Main


*****

Textquellen

Architekten und Ingenieur-Verein (Hg.): Frankfurt und seine Bauten: Die Baudenkmäler in Frankfurt am Main, Frankfurt a. M., 1886.

Bayerischer Kurier, 1858, Zweiter Jahrgang, München, 1858.

Lohne. Hans: Mit offenen Augen durch Frankfurt: Ein Handbuch der Brunnen, Denkmäler, Gedenkstätten und der Kunst am Bau, Frankfurt a. M., 1969.

Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main, von Johann Georg Batton: Aus dessen Nachlasse herausgegeben von dem Vereine für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt a. M. durch den zeitigen Director desselben Dr. jur. L. H. Euler, Viertes Heft, Frankfurt a. M., 1866.

>https://www.kunst-im-oeffentlichen-raum-frankfurt.de/de/page163.html?id=55< abgerufen am 03.04.2020.

>http://www.cafe-libretto.de/tugendbrunnen.html< abgerufen am 03.04.2020.


Bildquellen

Vorschaubild: Frankfurt, Tugendbrunnen, 2012, Urheber: Karsten Ratzke via Wikimedia Commons CC0.

Tugendbrunnen in Frankfurt a. M., Altstadt, 2008, Urheber: M.anderlohr via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

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