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Zu Gast in Weimar

George Eliot; deutsche Übersetzung: Nadine Erler

Zu den vielen Künstlern, die es nach Weimar zog, gehörte auch die englische Schriftstellerin George Eliot. Im Sommer 1854 verbrachte sie drei Monate im kleinen, doch weltberühmten Städtchen an der Ilm. George Eliots schriftlich festgehaltenen Eindrücke sind äußerst amüsant. Dieser Blick einer Fremden lässt Weimar in anderem Licht erschienen.

Broschüre, 40 Seiten, 2019


Walpurgisnacht

Walpurgisnacht

Anton Wilhelm Florentin Zuccalmaglio

Der deutsche Heimatschriftsteller und Volksliedforscher Zuccalmaglio entwarf auf der Basis einer Frankfurter Sage das Lied „Walpurgisnacht“. Dieses erzählt die Geschichte eines buckligen Geigers, der mit seinem musikalischen Talent den Hexen der Walpurgisnacht imponierte und von diesen zum Dank mit einer gesunden Statur gesegnet wurde. Seinem ebenfalls buckligen Kameraden erging es bei dem Versuch, das gleiche Geschick zu erlangen, nicht ganz so glimpflich. Da seine Musik nicht dem Geschmack der Hexen entsprach und er eine Gegenleistung für diese verlangte, bescherten ihm die Hexen eine zusätzlichen Buckel auf der Vorderseite. Die Melodie ist in Molltönen gehalten und wirkt schwermütig.

Carolin Eberhardt.

Melodie anhören:

1. Strophe

Es wohnet ein Fiedler zu Frankfurt am Main,

der kehret von lustiger Zeche heim,

und er trat auf den Markt, was schaut er dort?

Der schönen Frauen schmausten gar viel an dem Ort.


2. Strophe

„Du buckliger Fiedler, nun fiedle uns auf!

Wir wollen dir zahlen des Lohnes vollauf.

Einen Tanz behende gezeiget!

Walpurgisnacht wird heute gefei'rt.“


3. Strophe

Der Geiger strich einen fröhlichen Tanz,

die Frauen tanzten den Reigentanz.

Und die Erste sprach: „Mein lieber Sohn,

Du geigst so frisch, hab nun deinen Lohn!“


4. Strophe

Sie griff ihm behände unters Wammes sofort,

und nahm ihm den Höcker von dem Rücken fort:

„So gehe nun hin, mein schlanker Gesell,

dich nimmt nun eine jede Jungfrau zur Stell.“



5. Strophe

Der Fiedler schlank in die Herberg trat,

da wartet sein buckliger Kamerad.

Den fasste der Neid: „Der Hexen Gunst

erwerb ich mir auch durch meine Kunst!“


6. Strophe

Er trat auf den Marktplatz und es tanzte die Schar

im Mondlicht immer noch wunderbar.

„Ich geige euch gern, wenn für den Dienst

ihr zahlen wollet mit gleicher Gunst.“


7. Strophe

Er geigte falsch zu der Frauen Tanz,

verstörte den holden Reigen ganz.

Die Erste sprach: „Mein lieber Sohn,

so wie du geigest, so wird dein Lohn.“

Hexe auf dem Besen


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Bildquellen:

Vorschaubild: Walpurgisnacht – Faust und Mephisto auf dem Blocksberg, nach 1810, Urheber: Ludwig Nauwerck via Wikimedia Commons Public Domain.

Hexe auf dem Besen, 2016, Urheber: darksouls1 via Pixabay CCO.

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