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London kommt!

Pückler und Fontane in England

Klaus-Werner Haupt

Hardcover, 140 Seiten, 2019

Im Herbst 1826 reist Hermann Fürst von Pückler-Muskau erneut auf die Britischen Inseln, denn er ist auf der Suche nach einer vermögenden Braut. Aus der Glücksjagd wird eine Parkjagd, in deren Folge die Landschaftsgärten von Muskau und Branitz entstehen. Auch die Bewunderung für die feine englische Gesellschaft wird den Fürsten zeitlebens begleiten.

Theodor Fontane kommt zunächst als Tourist nach London, 1852 als freischaffender Feuilletonist, 1855 im Auftrag der preußischen Regierung. Seine journalistische Tätigkeit ist weitgehend unbekannt, doch sie bietet ein weites Feld für seine späteren Romane.

Die vorliegende Studie verbindet auf kurzweilige Art Biografisches mit Zeitgeschehen. Die Erlebnisse der beiden Protagonisten sind von überraschender Aktualität.

Die Oberschweinstiege

Die Oberschweinstiege

Sabine Gruber

Der März 1879 scheint in Deutschland eine verhältnismäßig nachrichtenarme Zeit gewesen zu sein, denn der „Landshuter Zeitung“ war selbst das gute Wetter im verhältnismäßig weit entfernten Frankfurt am Main eine Meldung wert, die sie aus der „Frankfurter Zeitung“ übernahm. Am 10. März war dort berichtet worden: „Das herrliche Wetter am Sonntage, der erste Frühlingstag, lockte Tausende von Menschen hinaus in den Wald. Auf dem Oberforsthaus und Oberschweinstiege saßen die Menschen im Freien. Die Equipagen eilten in den Wald hinaus wie an den Renn- oder Pfingsttagen.“ Mit dem Oberforsthaus und der Oberschweinstiege nannte die Zeitung zwei wichtige Ausflugsziele der Frankfurter, weit über das 19. Jahrhundert hinaus. Während das Oberforsthaus heute nicht mehr als Ausflugsziel existiert, ist die Oberschweinstiege immer noch ein beliebtes Ziel von Wanderungen im Frankfurter Stadtwald – und das nicht mehr nur an Sonntagen.

Das Wort Oberschweinstiege (und als Pendant dazu Unterschweinstiege) leitet sich nicht, wie zu vermuten wäre, von einem Weg ab, auf den Schweine getrieben wurden, sondern von den dort noch im 19. Jahrhundert vorhandenen Ställen (Stiegen), in denen die Schweine gehalten wurden, die seit dem späten Mittelalter in diese Gegend des Frankfurter Stadtwaldes getrieben wurden, damit sie mit den dort reichlich vorhandenen Eicheln gemästet werden konnten. Viele Frankfurter sprachen allerdings nicht hochdeutsch von der „Schweinstiege“, sondern lieber vom „Säusteg“ wie Georg Wilhelm Pfeiffer in einem Gedicht in Frankfurter Mundart: „Der Säusteeg un e schöner Ort, | Wie des zesamme stimmt? | Ei, wie nor so gemän e Wort | In unser Waldung kimmt? | Zwar sage: Schweinsteig Manche als | Recht vornehm un verzwickt. | Des hot der odder gar kaan Salz | Un laut der ganz verrickt. […]“. Die Schweinstiege war im 19. Jahrhundert nicht nur das Ziel von Wanderungen, sondern auch Schauplatz von Feiern aller Art. Beispielsweise veranstaltete das Städtische Gymnasium Frankfurt am 2. September 1886 zur Erinnerung an den Sieg in der Schlacht von Sedan im deutsch-französischen Krieg 1871 ein Schulfest: „Das Sedanfest wurde durch einen gemeinsamen Auszug des ganzen Gymnasiums in den Frankfurter Wald nach der Oberen Schweinstiege gefeiert. Ein Sängerchor, der sich im Laufe des Sommers bildete und durch die eifrigen Bemühungen unseres Gesanglehrers Herrn Schmidt und die rege Teilnahme der Schüler, besonders der Primaner, es bereits zu sehr erfreulichen Leistungen gebracht hat, trug von der Festhalle mehrere patriotische Lieder vor. Herr Dr. Wirth hielt die Festrede. Dann verteilten sich die Klassen im Walde zu Turnspielen. Wegen der übergroßen Hitze wurden die Schüler gegen Mittag von Station Forsthaus durch Extrazug zurückbefördert.“

Die Geschichte des nach den Ställen benannten späteren Restaurantgebäudes reicht bis in das späte 16. Jahrhundert zurück. Ein Gebäude an diesem Ort wurde im Jahr 1592 erstmals urkundlich erwähnt. Das Forsthaus, aus dem das spätere Restaurant hervorging, entstand im späten 18. Jahrhundert. Es wurde zunächst als Forsthaus mit zusätzlichem Ausschank betrieben und entwickelte sich dann mehr und mehr zu einem Restaurant. Auch heute noch kann man in dem traditionellen Wirtshaus Oberschweinstiege, das 2014 renoviert und neu eingerichtet wurde, in den Gasträumen, im Wintergarten oder auf der Terrasse mit Blick auf den Luderbach Frankfurter und deutsche Küche genießen und in verschiedenen Räumen Veranstaltungen planen. Der hier verbreiterte Luderbach, der in einem Bogen um die Oberschweinstiege herumfließt, mündet ein Stück weiter in Richtung Südosten in den Anfang der dreißiger Jahre als Regenwasser-Rückhaltebecken angelegten Jacobiweiher. der nach seinem Initiator, dem damaligen Leiter des Frankfurter Forstamts Hans Bernhard Jacobi (1886-1940), benannt wurde. Einheimische nennen den kleinen See mitunter auch scherzhaft „Vierwaldstättersee“. Bemerkenswert ist die reiche Flora und Fauna am Jacobiweiher. So sind der See und seine Umgebung von zahlreichen Wasservögeln bevölkert und manchmal kann man dort sogar die seltenen Eisvögel beobachten. Auch der junge Theodor Adorno kam oft mit seinen Eltern an das Wirtshaus und den See und erinnerte sich Jahrzehnte später an die eigenartige Faszination, die die Begriffe „Schweinstiege“ und „Luderbach“ damals auf ihn ausübten.

Anders als in früheren Zeiten, als man von der Stadt aus zur Oberschweinstiege wandern, reiten oder, wenn man es etwas bequemer haben wollte, eine Kutsche benutzen musste, kann man heute mit der S-Bahn-Linie 14 von der Stadt aus direkt zur Oberschweinstiege fahren, nach der auch die entsprechende Haltestelle benannt ist.

Nicht nur menschliche, sondern auch tierische Besucher sind immer wieder in großer Zahl an der Oberschweinstiege unterwegs. So wandern jedes Jahr im Februar zehntausend Kröten zwischen der Isenburger Schneise und der Oberschweinstiege und menschliche Helfer sammeln die Tiere ein, sobald sie sich der Straße nähern, und setzen sie an einer ungefährlichen Stelle wieder aus.

Adresse

Wirtshaus Oberschweinstiege

Oberschweinstiegschneise 65

60598 Frankfurt am Main


*****
Textquellen

Architekten und Ingenieur-Verein (Hg.): Frankfurt und seine Bauten: Die Baudenkmäler in Frankfurt am Main, Frankfurt a. M., 1886.

Frankfurt-Lexikon: Mit einem Stadtplan herausgegeben von Waldemar Kramer, Sechste, neubearbeitete Ausgabe, Frankfurt a. M., 1973.

Horkheimer, Max; Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufklärung, Gunnar Hindrichs (Hg ): Berlin/Boston, 2017.

Landshuter Zeitung nebst Beiblat: Einunddreißigster Jahrgang,1879, Nr. 60,13. März, S. 397.

Pfeiffer, Georg Wilhelm: Frankfurt und Sachsenhausen: Den Freunden des Scherzes in heimischer Mundart dargebracht, Zweite Sammlung, Frankfurt a. M., 1857.

Programm des städtischen Gymnasiums Frankfurt a. M., Ostern 1887.

> https://oberschweinstiege-frankfurt.de/ < abgerufen am 31.05.2020.

> https://de.wikipedia.org/wiki/Frankfurter_Stadtwald < abgerufen am 31.05.2020.

> https://de.wikipedia.org/wiki/Jacobiweiher < abgerufen am 31.05.2020.

> https://www.nabu-frankfurt.de/unsere-schwerpunkte/amphibienschutz/kr%C3%B6tenwanderung-oberschweinstiege/ < abgerufen am 31.05.2020.

Bildquellen:

Vorschaubild: Frühling im Stadtwald Frankfurt 3, 2017, Urheber: GloriaVonGlanz via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Gemarkungstafel Unterschweinstiege im Unterwald, 2005, Urheber: Peng via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Frankfurt Oberforsthaus, 1904, Urheber: Flibbertigibbet via Wikimedia Commons gemeinfrei.

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