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Die Frankfurter Oberpostamtszeitung

Die Frankfurter Oberpostamtszeitung

Sabine Gruber

Nachdem im Jahr 1605 in Straßburg erstmals die „Relation aller Fuernemmen und gedenckwürdigen Historien“ als erste Frühform heutiger Zeitungen gedruckt worden war, entwickelte sich das Zeitungswesen in schnellem Tempo weiter. Wenige Jahre später, 1609, erschien in Wolfenbüttel erstmals der „Aviso. Relation oder Zeitung“ und als dritte frühe Zeitung erschien seit 1615 das „Frankfurter Journal“. In den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten entstanden immer mehr neue Zeitungen und auch die Intervalle ihres Erscheinens verkürzten sich. In Leipzig, wie Frankfurt eine Handels- und Messestadt, erschien mit den „Einkommenden Zeitungen“ von 1650 erstmals eine Tageszeitung. In Frankfurt am Main erhielt das „Frankfurter Journal“ bereits zwei Jahre später Konkurrenz durch die zunächst titellosen „Avisen“ des Postmeisters Johann von den Birghden (1582-1645), aus denen die Frankfurter Oberpostamtszeitung hervorging. Durch seine Verbindungen zur Post erhielt von den Birghden Nachrichten früher als der Herausgeber des „Frankfurter Journals“ und verfügte dadurch über einen erheblichen Wettbewerbsvorteil. Dennoch konnte sich das „Frankfurter Journal“ neben seiner Konkurrenz behaupten. Anders als viele andere frühe Zeitungen hielt sich die Frankfurter Oberpostamtszeitung jahrhundertelang auf dem Markt. Erst im Jahr 1866 wurde ihr Erscheinen eingestellt.

Der erste Herausgeber der Zeitung, Johann von den Birghden, war zunächst, von 1615 bis 1628, unter dem Generalpostmeister Lamoral von Taxis (1557-1624) Postmeister der Kaiserlichen Reichspost, später, von 1631 bis 1635, nach dem Eintritt Schwedens in den 30jährigen Krieg und der Quartiernahme seiner Truppen im neutralen Frankfurt, königlich-schwedischer Postmeister. Nach dem Abzug der Schweden wurde Birghden wegen seiner Zusammenarbeit mit den Gegnern des Kaisers des Verrats angeklagt. Eine Rehabilitation konnte er bis zu seinem Tod nicht erreichen. Wie in den „Studien und Kritiken der deutschen Journalistik“ von 1838 bemerkt, erhielt die Frankfurter Oberpostamtszeitung – trotz der lutherischen Konfession ihres Gründers – durch „die Beziehungen zu dem Hause Thurn und Taxis eine streng katholische und österreichische Färbung, die späterhin nicht so stark aufgetragen werden mochte, als in den Konflikten des siebenjährigen Krieges z. B., wo selbst Friedrich der Große die Oberpostamtszeitung in seinen Staaten verbot, die aber auch in friedlicheren Zeiten nicht so ganz und gar erbleichte, daß man diese Färbung nicht allezeit als die eigenthümliche hätte bezeichnen können, so wenig auch scharf ausgeprägte und rücksichtslose Merkmale in dieser Hinsicht hervortraten.“ Die Ausrichtung der Zeitung nach Österreich zeigte sich auch darin, dass Korrespondenzartikel aus Wien zunächst ganz vorn standen.

Die lange Dauer ihres Erscheinens brachte im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Veränderungen der Zeitung mit sich. Zunächst erschien sie wöchentlich und ohne Titel. 1628 erhielt sie den Titel „Ordentliche Wochentliche Postzeitungen“, der zu Beginn des folgenden Jahrhunderts in „Ordentliche Wochentliche Kayserliche Reichs-Postzeitungen“ verändert wurde. Seit dem 1. Januar 1748 erschien die Zeitung unter dem neuen Titel „Kaiserliche Reichs Ober-Post-Amts-Zeitung“. Eine weitere Umbenennung folgte schon wenige Jahre später: Jetzt wurde der Stadtname Frankfurt mit in den Titel aufgenommen und die Zeitung nannte sich „Frankfurter Ober-Post-Amts-Zeitung“. Im Laufe des 18. Jahrhunderts traten außerdem mehrere Beilagen zur eigentlichen Zeitung hinzu.

Seit dem Beginn des Jahres 1801 änderte sich das Format von Quart in Groß-Folio und die Zeitung wurde von Karl Theodor von Dalberg (1744-1817) mit dem konkurrierenden „Frankfurter Journal“ unter dem Titel „Zeitung des Großherzogthums Frankfurt“ zu einer Einheitszeitung zusammengefasst, während andere Zeitungen verboten wurden. Zusätzlich zu der deutschen Auflage erschien eine in französischer Sprache. Das Ende des unter Dalberg errichteten Großherzogtums Frankfurt bedeutete auch das Ende dieser Einheitszeitung und die Frankfurter Postzeitung erschien wieder unabhängig und unter ihrem früheren Namen. Seit 1825 erschien die Oberpostamtszeitung in Klein-Folio.

Das Ende der Frankfurter Oberpostamtszeitung kam mit dem Einmarsch preußischer Truppen in Frankfurt nach ihrem Sieg über Österreich, auf dessen Seite die Freie Stadt Frankfurt sich gestellt hatte, im Deutschen Krieg. Die Zeitung wurde am 17. Juli 1866 verboten. Das „Frankfurter Journal“ bestand dagegen noch bis 1903 weiter. Der Schriftsteller und Theaterleiter Franz von Dingelstedt (1814-1881) berichtete in seinen autobiographischen Aufzeichnungen aus seiner Sicht über das Ende der Oberpostamtszeitung und das Fortbestehen des Frankfurter Journals: „Unter den fröhlichen Conviven jener Nacht [im Hof einer Frankfurter Brauerei] war auch Dr. Eduard Sattler, der Redacteur der schwarz-gelb [also österreichisch] gefärbten Ober-Postamts-Zeitung – ein biederer, höchst freundlicher Mann trotzdem, und der zu seinem Glück den Julitag im Jahre 1866 nicht mehr erlebte, welcher dem Oesterreicherthum in der freien Reichsstadt am Main und seiner Zeitung ein Ende machte. Im Gegensatz zu dieser, mit österreichischen Mitteln und im österreichischen Interesse gehaltenen Zeitung – und nicht nur zu dieser allein, denn auch die ganze übrige Frankfurter Tagespresse theilte vorwiegend die nämliche Gesinnung – leitete Vogel [der Redakteur des Frankfurter Journals] sein Blatt im deutsch-nationalen, gemäßigt liberalen Geist; und das war kein geringer Dienst, den er der damals noch so hoffnungslosen Sache leistete. Denn das ‚Frankfurter Journal‘ war bis zum Jahre 1866 eine Macht, namentlich im südlichen Deutschland; und als nach der Katastrophe des Kriegsjahres, mit dem Einzug der Preußen, die ‚Frankfurter Ober-Postamts-Zeitung‘ ganz unterdrückt, die anderen Frankfurter Blätter sämmtlich zeitweilig suspendiert wurden, war das ‚Frankfurter Journal‘das einzige, welches ungestört weiter erscheinen durfte, wenn auch unter Schwierigkeiten, denen zu begegnen viel Tact und Gewandtheit erforderlich.“

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Textquellen

Frankfurt-Lexikon: Mit einem Stadtplan herausgegeben von Waldemar Kramer, sechste, neubearbeitete Ausgabe, Frankfurt a. M., 1973.

Dingelstedt, Franz von: Blätter aus seinem Nachlaß: Mit Randbemerkungen von Julius Rodenberg, 1. Bd., Berlin, 1891.

Meidinger, Heinrich: Frankfurts gemeinnützige Anstalten: Eine historisch-statistische Darstellung der milden Stiftungen, Stipendien, Wittwen u. Waisen-, Hülfs- und Sparkassen, Vereine, Schulen etc. nebst einem geschichtlichen Ueberblick der in dieser Stadt erschienenen periodischen Schriften und Lokalblätter, von der ältesten bis auf die gegenwärtige Zeit, Frankfurt a. M., 1845.

Studien und Kritiken der deutschen Journalistik, erstes Heft, Hanau, 1838.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Frankfurter_Postzeitung< abgerufen am 31.12.2020.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Zeitung< abgerufen am 31.12.2020.

>https://de.wikisource.org/wiki/Hessen/Zeitungen< abgerufen am 31.12.2020.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_von_den_Birghden< abgerufen am 31.12.2020.

>https://www.ub.uni-frankfurt.de/wertvoll/ffmztg3.html< abgerufen am 31.12.2020.

>https://brema.suub.uni-bremen.de/zeitungen17/periodical/titleinfo/934741< abgerufen am 31.12.2020.


Bildquellen:

Vorschaubild: Titel der Franckfurter Kayserl. Reichs-Ober-Post-Amts-Zeitung vom 4. August 1770, hochgeladen von: Mormau via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Johann von den Birghden, 1693, self-scanned: Sebastian Funke via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Franz von Dingelstedt um 1840, Urheber: August Weger (1823-1892) via Wikimedia Commons Gemeinfrei.



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