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Heft 1

A |E | I | O | U … Hör gut zu!

Dieses Arbeitsheft beginnt mit einem Vorkurs zur “phonologischen Bewusstheit” und übt das Silbenglieder, das Anlauterfassen und das Reimwortfinden.

Dornbusch

Dornbusch

Ralph Zade

Viele Frankfurter Stadtteile haben eine jahrhundertelange Tradition und waren früher eigenständige Orte. Dornbusch, in Frankfurt Mitte-Nord gelegen, ist dagegen ein recht neues Viertel, nicht nur was seine formale Gründung angeht - erst 1946 wurde der neue Stadtteil aus Gebietsteilen von Ginnheim und Eckenheim, zwischen denen er liegt, gebildet -, auch die Bebauung ist nicht älter als aus der Gründerzeit und damit in ihren ältesten Teilen im späten 19. Jahrhundert entstanden. Der Name geht nicht etwa auf den biblischen Dornbusch zurück, sondern darauf, dass sich hier vor der Bebauung Dornbüsche befanden. Diese waren kein Teil einer natürlichen Vegetation, sondern, wie man vermutet, Teil der Frankfurter Landwehr, einer Verteidigungsanlage der Stadt, die im Mittelalter geschaffen wurde und ihre größte Bedeutung in der frühen Neuzeit hatte. Teilweise wird der Stadtteilname mit Artikel verwendet und dann z. B. davon gesprochen, dass man im Dornbusch (nicht in Dornbusch) wohne - ein Sprachgebrauch, der sich auch in der Bezeichnung Funkhaus am Dornbusch wiederfindet.

Die Grenze zwischen der Ginnheimer und der Eckenheimer Gemarkung wurde früher von der Eschersheimer Landstraße gebildet - an Eschersheim grenzt Dornbusch ebenfalls, im Nordwesten. Diese Straße bildet heute, nach der Herauslösung des Stadtteils Dornbusch aus den beiden angrenzenden Stadtteilgemarkungen, die Hauptverkehrsachse durch denselben. Auf ihr fährt oberirdisch auch die U-Bahn (4 Linien), was von den Anwohnern nicht nur positiv gesehen wird, denn in gewisser Weise zerteilt die Trasse das Viertel. Im Süden des Stadtteils wird die Landstraße vom Marbachweg gekreuzt, der nach dem Markbach, der früher die Grenze zwischen dem Frankfurter und dem Hanauer Territorium markierte, benannt ist. Früher hieß dieser Weg Diebsgrundweg, er verläuft auf der Trasse der früheren Hohen Straße, einem Teil der Antsanvia, einer historischen Handelsstraße.

Die Bebauung des Stadtteilgebiets begann in der Amtszeit des Oberbürgermeisters Franz Adickes und ging darauf zurück, dass die im Süden gelegenen Stadtteile Westend und Nordend mit ihren begehrten Wohnlagen nicht mehr genügend Raum boten. Die beiden damals entstandenen Wohngebiete, das Dichterviertel und das Bertramviertel, zählen wie die vorgenannten bis heute zu den teuersten Wohnvierteln Frankfurts. Westlich des Dichterviertels liegt die Wohnhausgruppe Raimundstraße, die 1926-31 im Rahmen des durch Ernst May geleiteten Bauprogramms "Neues Frankfurt" errichtet wurde und ursprünglich Teil eines größer angelegten Baugebiets, der Siedlung Raimundstraße sein sollte, zu deren Realisierung im geplanten Sinn es dann nicht kam.

Heute ist Dornbusch mit rund 18500 Einwohnern eines der am dichtesten besiedelten Wohngebiete der Stadt. Das war nicht immer so - noch nach dem Zweiten Weltkrieg gab es im Norden östlich der Eschersheimer Landstraße größere Freiflächen. Die Sinai-Gärtnerei betrieb hier u. a. eine Fliederzucht, die eine der größten Deutschlands war. Auf einem ehemals dieser Gärtnerei gehörigen Gelände wurde in den 80er Jahren der Sinai-Park angelegt, der räumlich ungefähr in der Mitte des Stadtteils liegt und eine grüne Lunge innerhalb der dichten Bebauung darstellt. Teil desselben ist die Sinaiwildnis, ein weitgehend naturbelassener Parkteil. In den 50er Jahren wurde im Norden in Richtung Eschersheim durch den Bau der nicht ganz unumstrittenen Albert-Schweitzer-Siedlung; die seinerzeit eines der größten Bauprojekte Frankfurts war, Wohnraum geschaffen. Die Siedlung wird durch Grünflächen aufgelockert und umfasst neben zahlreichen kleineren Bauten auch ein 13-stöckiges Hochhaus. Ungefähr aus derselben Zeit stammt die zwischen Marbachweg und Sinaipark gelegene Siedlung Dornbusch West. Damit vereint Dornbusch recht unterschiedliche Baugebiete, von den durch Villen aus Gründerzeit und der Zeit der baulichen Moderne der 20er und 30er Jahre geprägten Vierteln im Süden bis zur 50er Jahre-Architektur, vor allem aber nicht nur im Norden.

Baulich interessant ist auch der ganz im Süden gelegene Bertramshof, ein Ende der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts als Meierei errichtetes Ensemble aus Hartbrandziegeln, das auch einen Wasserturm umfasst. Der Name rührt wie der der nahegelegenen Bertramswiese, der Bertramstraße und des Bertramviertels von den Frankfurter Patrizier Heinrich von Bertram her, der 1660 den nahegelegenen Kühhornshof erwarb, dessen Reste sich jenseits der Grenze zum heutigen Nordend befinden. Sehenswert sind auch einige Kirchenbauten. Die St. Albert-Kirche wurde 1937-1938 von Martin Weber erbaut und in den 50er Jahren erweitert. Die 1959 eingeweihte evangelische St. Andreas-Kirche ist Teil der Albert-Schweitzer-Siedlung und u. a. durch die von Hermann Göpfert entworfenen Buntglasfenster an der Südwand geprägt. Die Buntglasfenster sind auch in der 1962 eingeweihten, 2003-2005 baulich grundlegend umgestalteten Dornbuschkirche bemerkenswert. Interessant ist für Architekturinteressierte überdies jederzeit ein Spaziergang durch die Villengebiete des Dichterviertels und des Bertramviertels, wo sich vieles Interessante entdecken lässt.

Im Marbachweg 307 wurde am 12.6.1929 Anne Frank geboren, von 1931 bis zur Emigration 1934 wohnte sie mit ihren Eltern in der Ganghoferstraße 34 im Dichterviertel. In der Hansaallee, ebenfalls im Dornbusch, hat die Bildungsstätte Anne Frank ihren Sitz, deren Ziel es ist, Jugendliche für die Teilhabe an einer demokratische Gesellschaft zu stärken. Im Dichterviertel wohnte bis zu seinem Tod auch der bekannte Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki.

Vielfach wird Dornbusch auch mit dem Hessischen Rundfunk verbunden, der seinen Sitz im Funkhaus am Dornbusch hat, einem (1999 baulich ergänzten) Rundbau von 1949, in den der Deutsche Bundestag eingezogen wäre, wenn - wie damals diskutiert - Frankfurt und nicht Bonn Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland geworden wäre. Allerdings befindet sich dieses, wie der Name sagt, nicht im, sondern am Dornbusch und steht - wenn auch ganz knapp - auf der Gemarkung des angrenzenden Stadtteils Nordend.

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Textquellen:

Chronik des Stadtteils Dornbusch bis in die 80er Jahre: abgerufen von >https://frankfurt.de/frankfurt-entdecken-und-erleben/stadtportrait/stadtgeschichte/chroniken-der-stadtteile/chronik-des-stadtteils-dornbusch< am 02.08.2021.

Bericht über Dornbusch in der Frankfurter Neuen Presse: abgerufen von >https://www.fnp.de/frankfurt/extratipp/stadtteilserie-dornbusch-frankfurt-wohnen-2956653.html< am 02.08.2021.

Dornbusch auf frankfurt.de: abgerufen von >https://frankfurt.de/frankfurt-entdecken-und-erleben/stadtportrait/stadtteile/dornbusch< am 02.08.2021.

Seite zu Dornbusch auf frankfurt-interaktiv.de: abgerufen von >https://frankfurt-interaktiv.de/stadtteile/dornbusch< am 02.08.2021.

Website der Bildungsstätte Anne Frank: abgerufen von >https://www.bs-anne-frank.de/< am 02.08.2021.

Seite des HR zum Funkhaus am Dornbusch: abgerufen von >https://www.hr.de/unternehmen/standorte/das-funkhaus-am-dornbusch-in-frankfurt,funkhaus-frankfurt-106.html< am 02.08.2021.


Bildquellen:

Vorschaubild: Dornbuschkirche mit Kirchplatz und Turm nach dem Umbau 2004, 2005, Urheber: Peng via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Marbachweg, 2006, Urheber: Magadan via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Bertramshof, Westseite, 2005, Urheber: Peng via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Rundbau des Funkhauses am Dornbusch, 2005, Urheber: Peng via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

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