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Zu Gast in Weimar

George Eliot; deutsche Übersetzung: Nadine Erler

Zu den vielen Künstlern, die es nach Weimar zog, gehörte auch die englische Schriftstellerin George Eliot. Im Sommer 1854 verbrachte sie drei Monate im kleinen, doch weltberühmten Städtchen an der Ilm. George Eliots schriftlich festgehaltenen Eindrücke sind äußerst amüsant. Dieser Blick einer Fremden lässt Weimar in anderem Licht erschienen.

Broschüre, 40 Seiten, 2019


Gravenbruch

Gravenbruch

Sabine Gruber

Der Stadtführer "Frankfurt am Main und seine Umgebung. Ein Führer für Fremde" von 1853 empfahl seinen Leserinnen und Lesern als Ziel für Wanderungen aus Frankfurt in die Gegend jenseits des Mains unter anderem einen Weg in den Gravenbruch, "1 St. südöstl. im Walde gelegen. Den Hainerweg hinauf (s. o.) am Ende desselben l. auf die Häuserstammer Chaussee, östl. auf derselben weiter, dann r. in den Wald." So einfach gelangt man wegen der zahlreichen heute dort verlaufenden Straßen nicht mehr dorthin, aber der seit 1957 zu Neu-Isenburg gehörende und östlich der Stadt gelegene Gravenbruch ist - nicht zuletzt wegen des dort 1960 errichteten Autokinos - immer noch ein Ausflugsziel, wenn auch der Hinweg heute meistens mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln stattfindet. Wie in früheren Zeiten ist dieser Stadtteil von Neu-Isenburg von einem größeren Waldgebiet umgeben. Die ermüdeten und hungrigen Frankfurter Ausflügler und Ausflüglerinnen vergangener Zeiten kehrten am Ziel ihrer Wanderung gern in der Gaststätte des Gravenbrucher Forsthauses ein.

Der Name "Gravenbruch" ist vielleicht von grauem Bruch (Trachyt) abgeleitet, einer in der Neu-Isenburger Gegend häufig vorkommenden Gesteinsart, über die Jakob Nöggerath 1823 in seinem Werk über "Das Gebirge in Rheinland-Westphalen nach mineralogischem und chemischem Bezuge" schrieb: "Ostwärts zwischen Neu-Isenburg und Sprendlingen erscheint Trapp-Sandstein und Trapp-Porphyr; [...]. Er hat eine weißlichgraue Farbe, und einen unebnen Bruch; seine Bruchfläche ist rauh, nur bisweilen splitterig; er enthält kleine zellenförmige Drusenräumchen [...]." Die Ableitung des Namens von "grau" ist jedoch nicht ganz eindeutig, denn die Ortsbezeichnungen wechselten im Verlauf der Jahrhunderte und entwickelten sich von dem Ende des 13. Jahrhunderts bezeugten Creyenbruch über Gräfenbuch im 19. Jahrhundert zum heutigen Ortsnamen. Infrage kommt daneben auch die Ableitung vom mittelhochdeutschen bruoch, neuhochdeutsch: Moor, Sumpf, denn die Gegend ist sehr sumpfig.

Die Wurzeln des Forsthauses im Gravenbruch gehen auf das Jahr 1586 zurück, als Sebastian von Heusenstamm dort einen befestigten Hof anlegen ließ. Seit dem 17. Jahrhundert waren die Grafen von Schönborn, die im nahegelegenen Heusenstamm ein Schloss besaßen (heute Sitz der Stadtverwaltung Heusenstamm), Besitzer des Hofes. Zusammen mit dem Ort Heusenstamm hatten sie das damals "Greyenbruch" genannte Gebiet für 27800 Gulden erworben. Der Gravenbrucher Wald wurde deshalb auch als "Schönborner Wald" bezeichnet. Im 18. Jahrhundert nahmen Graf Anselm Franz und Maria Theresia von Schönborn zahlreiche Aus- und Umbauten an den ursprünglichen Hofgebäuden vor und das Gebäudeensemble wurde um ein kleines Jagdschloss erweitert. Im Zweiten Weltkrieg wurden der Schönbornsche Hof und der Wald stark zerstört. Überbleibsel des Hofes befinden sich heute innerhalb Gebäudekomplexes des Kempinski Hotels Gravenbruch und im angrenzenden Park. Die urige Torschänke des Hotels, eines von mehreren Restaurants auf dem Gelände, erinnert - sicher nicht zufällig - in ihrer Atmosphäre an den alten Ausflugsort der Frankfurter.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde seit 1960 in der Nähe des ehemaligen Forsthauses und der Autobahn die "Wohnstadt Gravenbruch" mit Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäusern für 7000 Menschen errichtet. Die verkehrsgünstige, aber gleichwohl vor Durchgangsverkehr geschützte Lage sollte den dort Wohnenden einen schnellen Weg zur Arbeit, aber auch ins Grüne ermöglichen. Das Wohngebiet gruppiert sich um die Straße Am Forsthaus Gravenbruch, die somit an das verschwundene ehemalige Ausflugsziel erinnert. In der Nähe der Wohnsiedlung befinden sich zahlreiche Sportanlagen. Die Wappen am ursprünglich im Jahr 1730 errichteten "Dreiherrenstein" in der Grünanlage am Dreiherrensteinplatz der Siedlung, der hier dank des Engagements eines Heimatforschers und des Vereins für Geschichte, Heimatpflege und Kultur neben zwei anderen Grenzsteinen in der Nähe seines ursprünglichen Platzes aufgestellt wurde, erinnern daran, dass am Gravenbruch einst mehrere Territorien aneinanderstießen. Hier trafen sich die Ländereien der Grafen Schönborn, der Fürsten Isenburg und des Deutschritter-Ordens. Die Errichtung des Dreiherrensteins fiel in die Regierungszeit der bereits erwähnten Maria Theresia von Schönborn, die als Witwe Vormund ihres noch minderjährigen Sohnes wurde.

Adresse Kempinski-Hotel

Kempinski Hotel Frankfurt Gravenbruch

Graf zu Ysenburg und Buedingen Platz 1

63263 Frankfurt a. M.


Adresse Autokino:

DRIVE IN Autokino Frankfurt Gravenbruch

Außenliegend Autokino

63263 Neu-Isenburg

www.autokinogravenbruch.de


*****

Textquellen

Frankfurt am Main und seine Umgebung: Ein Führer für Fremde, Frankfurt am Main, 1853.

Frankfurt-Lexikon: Mit einem Stadtplan herausgegeben von Waldemar Kramer. Sechste, neubearbeitete Ausgabe, Frankfurt a. M., 1973, Hamburg, 2004.

Martens, Iris: Der Ein- und Zweifamilienhausbau der 50er/60er Jahre: Eine Potenzialanalyse für den heutigen Wohnungsmarkt in der Randzone von Frankfurt am Main.

Nöggerath,Jakob (Hg.): Das Gebirge in Rheinland-Westphalen nach mineralogischem und chemischem Bezuge, 2. Bd., Bonn, 1823.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Gravenbruch< abgerufen am 02.05.2021.

>http://www.gravenbruch.net/pages/geschichte.php< abgerufen am 02.05.2021.

>https://neu-isenburg.de/leben-und-wohnen/stadt-und-geschichte/stadtteile/gravenbruch/< abgerufen am 02.05.2021.

>https://www.offenbach.de/kultur-und-tourismus/stadtgeschichte/geschichte-offenbach/18-jahrhundert/dreiherrneiche.php< abgerufen am 2.5.2021.

>https://www.kempinski.com/de/frankfurt/hotel-gravenbruch< abgerufen am 2.5.2021.

>https://www.steine-in-der-dreieich.de/SBGR.html< abgerufen am 2.5.2021.

>https://www.stadtpost.de/stadtpost-neu-isenburg/heimatforscher-markiert-historischen-ort-gravenbruch-id10795.html< abgerufen am 02.05.2021.


Bildquellen:

Vorschaubild: Forsthaus Gravenbruch, 2018, Urheber: Alexanderjungmann via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Johann Jakob Nöggerath, a German mineralogist and geologist, 1835, Urheber: Christian Hohe via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Katholische Kirche in Neu-Isenburg/Gravenbruch, 2019, Urheber: FriekeM via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

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