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Sommerschnee

Berndt Seite

Hardcover, 124 S., 2020 erscheint demnächst; Bereits vorbestellbar

ISBN: 978-3-86397-134-2
Preis: 15,00 €

Sommerschnee – das sind die luftig-bauschigen Samenfasern der Pappelfrüchte, die sich im Sommer öffnen und die Welt mit ihrem weißen Flaum überziehen: Schnee in der wärmsten Jahreszeit. Mal melancholisch, mal mandelbitter, aber stets in größter Genauigkeit geht Berndt Seite auch in seinem neuen Lyrikband den Erscheinungsformen der Natur nach und lotet in ihnen die Bedingungen des Lebens aus.

Von der Designerin zur Ausstellungsmacherin – die Frankfurter Zeit von Lilly Reich

Von der Designerin zur Ausstellungsmacherin – die Frankfurter Zeit von Lilly Reich

Sabine Gruber

Scheinbar war ihre kurze Frankfurter Zeit von 1923/24 bis 1926 nur eine Episode in der erfolgreichen beruflichen Laufbahn der Designerin, Innenarchitektin und Ausstellungsmacherin Lilly Reich (auch: Lily Reich). Trotz seiner Kürze war der Aufenthalt in Frankfurt aber ein für ihr weiteres Leben entscheidender Zeitraum, während dessen sie erstmals als Gestalterin von Ausstellungen hervortrat – ihre diesbezügliche Kompetenz stellte sie später immer wieder in den unterschiedlichsten Kontexten sehr erfolgreich unter Beweis.

Lilly Reich wurde 1885 als Kind einer gehobenen Berliner Familie in der damaligen Tempelhofer Vorstadt geboren. Anders als die meisten Mädchen ihrer Zeit hatte sie die Möglichkeit, das Abitur zu machen. Nach dem Abitur absolvierte sie ab 1905 jedoch zunächst eine praktische Ausbildung als Kurbelstickerin. Nach der erfolgreichen Beendigung ihrer Ausbildung zog es sie 1908 nach Wien an die berühmten, erst 1903 gegründeten Wiener Werkstätten. Sie beschäftigte sich dort vor allem mit Textildesign. 1911 kehrte sie in ihre Heimatstadt zurück und gründete dort ein Atelier für Innenraumgestaltung, Dekorationskunst und Mode. Sie entwarf die ersten Möbel und 1912 auch eine vollständige Wohnungseinrichtung für eine Arbeiterwohnung. Im selben Jahr wurde sie Mitglied des Deutschen Werkbunds und nur wenige Jahre später, 1920, als erste Frau in dessen Vorstand berufen.

 

Ernst May, 1926
Ernst May, 1926

1923 begann dann ihre wegweisende Frankfurter Zeit. Sie eröffnete ein Modeatelier in einem neuen städtischen Gebäude in der Fahrgasse, wo sie auch wohnte. Das Frankfurter Messeamt, das die damals bereits bekannte Designerin in die Messestadt geholt hatte, hatte die Räumlichkeiten für sie gemietet. Reichs tragbare und an praktischen Erfordernissen orientierte Modeentwürfe wurden häufig auf Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt, und sie war in ihrem Atelier nicht zuletzt auch als Lehrerin tätig. Bei dem Modeatelier handelte es sich jedoch nicht um das wichtigste Tätigkeitsfeld von Lilly Reich. Vielmehr hatte das Frankfurter Messeamt sie angeworben, damit sie als dort angestellte Kuratorin Ausstellungen im Haus Werkbund auf dem Frankfurter Messegelände gestaltete. Das im expressionistischen Stil gehaltene Haus Werkbund, das von 1921 bis 1947 auf dem Messegelände stand, war seinerzeit ein Prestigeprojekt des 1907 gegründeten Deutschen Werkbunds. Ihre Frankfurter Ausstellungen waren der Auftakt zu zahlreichen weiteren Ausstellungen, die viel beachtet wurden.

Während ihrer Frankfurter Zeit lernte Lilly Reich Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) kennen. Als es 1925 um die Neubesetzung der Stelle des Frankfurter Stadtbaurats ging, setzte sie sich dafür ein, die Stelle mit Mies van der Rohe zu besetzen. Ihr Einsatz für ihren Freund war jedoch nicht erfolgreich und neuer Stadtbaurat wurde Ernst May (1886-1970). Da Reichs Arbeit in Frankfurt zunehmend nicht mehr ihren Vorstellungen entsprach, beschloss sie 1926 nach Berlin zurückzukehren. Zuvor machte jedoch noch ihre Ausstellung „Von der Faser zum Gewebe“ in der Messestadt, aber auch weit darüber hinaus, Furore.

Ludwig Mies van der Rohe, 1934
Ludwig Mies van der Rohe, 1934

In Berlin arbeitete Reich für Mies van der Rohe und gestaltete 1927 die Innenausstattung eines der Wohnblöcke in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung. Damit nahm ihrer beider Arbeits- und Lebensgemeinschaft ihren Anfang. Immer wieder und sehr erfolgreich gestaltete sie im Auftrag von van der Rohe Ausstellungen. Bei der Weltausstellung 1929 in Barcelona übernahm sie die künstlerische Leitung der deutschen Präsentation. Im folgenden Jahr ging sie mit van der Rohe, der zum Direktor des Bauhauses berufen worden war, nach Dessau. 1932 wurde sie Leiterin der Höheren Fachschule für Dekorationskunst am Bauhaus. Als Mitarbeiterin des Bauhauses beteiligte sich Lilly Reich 1931 mit dem Entwurf zweier Wohnungen eines Boarding-Hauses an der Deutschen Bau-Ausstellung. Besonders bemerkenswert ist dabei ihr Entwurf für eine kleine Küche, die komplett mit Kochbereich, Spüle, Regalen und ausklappbarem Tisch in einem verschließbaren Schrank untergebracht war. Noch für die heutige Zeit wäre dieser Entwurf innovativ. 1932 wurde das Bauhaus vom neuen Stadtrat, der mehrheitlich aus Nationalsozialisten bestand, geschlossen. Reich und van der Rohe kehrten nach Berlin zurück. Während der Zeit des Nationalsozialismus musste sich Reich mit kleinen Aufträgen finanziell über Wasser halten. 1939 besuchte sie den nach Amerika emigrierten van der Rohe, kehrte aber wieder nach Deutschland zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt sie einen Lehrauftrag an der Berliner Hochschule für Bildende Künste und begann an ihre früheren Erfolge anzuknüpfen. Ihr früher Tod 1947 verhinderte ihre Wirksamkeit in der Nachkriegszeit.

 

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Textquellen:

Bauer, Ingeborg  Der Goldene Schnitt, Teil II, Kunst und Architektur.

Das Bauhaus, seine Vorläufer, seine Strömungen, Norderstedt, 2020.

Hock, Sabine: Reich, Lilly in: Frankfurter Personenlexikon abgerufen von >https://frankfurter-personenlexikon.de/node/10276< am 23.09.2025.

Mies van der Rohe, European works, London, New York, 1986.

>https://museumderdinge.de/ueber-uns/deutscher-werkbund/akteurinnen-des-deutschen-werkbunds/lilly-reich/< abgerufen am 23.09.2025.

>https://bauhauskooperation.de/wissen/das-bauhaus/koepfe/biografien/biografie-detail/person-1009< abgerufen am 23.09.2025.

>https://www.moma.org/artists/8059< (dort auch eine Abbildung der oben erwähnten Schrankküche) abgerufen am 23.09.2025.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Lilly_Reich< abgerufen am 23.09.2025.

>https://www.goethe.de/ins/es/de/spr/unt/ver/kun/lilly-reich.html< abgerufen am 23.09.2025.

 

Bildquellen:

Vorschaubild: Lillyreich04, Urheber: design TOP 100 via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Ernst-May-1926, Urheber: Otto Schwerin via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Hugo Erfurth - Portrait Ludwig Mies van der Rohe, 1934, Urheber: Hugo Erfurth via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

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