Frankfurt-Lese

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Matt Lamb Kirche Bergern

Klaus von der Weiden, Susanne Wellhöfer

Es klingt fast wie ein Märchen, da kommt ein großer amerikanischer Künstler in ein kleines thüringisches Dorf und gestaltet dort die bisher unbedeutende Dorfkirche mit seinen Werken aus. Und doch ist es so geschehen in Bergern unweit der Kleinstadt Bad Berka. Die kleine Broschüre erzählt von der Kirche, dem Künstler und dem Werk, und wie es zu dieser unglaublichen Begenheit kam.

Günther von Schwarzburg-Blankenburg

Günther von Schwarzburg-Blankenburg

Sabine Gruber

Wer den Frankfurter Dom durch die Turmhalle betritt, geradeaus durch das Langhaus weitergeht und einen Teil des Hauptchors durchquert, stößt rechterhand neben dem kleinen Eingang zur Wahlkapelle, in der seit 1438 die Wahl der deutschen Könige stattfand, auf eine auffällige, hochmittelalterliche Grabplatte mit farbiger Fassung, die einen Ritter in prächtiger Rüstung zeigt. Sie verweist auf das einzige Grab eines deutschen Königs in der Stadt, in der diese jahrhundertelang gewählt wurden, und zeigt Günther XXI. von Schwarzburg-Blankenburg, der in Frankfurt gewählt wurde und dort wenige Monate später auch starb. Die Frankfurter hatten zunächst ein schwieriges Verhältnis zu dem später in ihrem Dom begrabenen König, ja, sie erkannten zunächst nicht einmal seine Wahl an und ließen ihn und sein Gefolge nicht in die Stadt einziehen. Wie kam es zu dieser problematischen, für das Mittelalter aber nicht ungewöhnlichen Situation?

Günther von Schwarzburg-Blankenburg, der 1304 auf der thüringischen Blankenburg (auch als Burg Greifenstein bezeichnet) geboren wurde, die ihm den zweiten Teil seines Namens gab, diente jahrelang dem wittelsbachischen Kaiser Ludwig IV. (Ludwig, dem Bayern) als Militär und Diplomat. Als es nach dessen Tod im Jahr 1347 nicht gelang, einen neuen König aus dem Hause Wittelsbach gegen den bereits im Juli 1346 in Rhens gewählten luxemburgischen Gegenkönig und späteren Kaiser Karl IV. durchzusetzen, kamen die Wittelsbacher auf die Idee, ihren treuen Anhänger zur Wahl zu stellen. Tatsächlich gelang dies und Günther von Schwarzburg-Blankenburg wurde am 30. Januar 1349, nicht in der Wahlkapelle, sondern im Dominikanerkloster von den Unterstützern der Wittelsbacher im Wahlkollegium – dem Erzbischof von Mainz als Ranghöchstem, dem Markgrafen von Brandenburg, dem Herzog von Sachsen-Lauenburg und den Pfalzgrafen – gewählt. Laut dem "Frankfurter Sagenbuch" von Karl Enslin hatte Günther "nach so hoher Würde nie gestrebt" und sie anfangs "aus Bescheidenheit und Friedensliebe" abgelehnt. Die Kurfürsten hätten ihm aber so lange zugeredet, dass er es "der Wohlfahrt des Reichs wegen" getan habe. Weil die Frankfurter sich bereits zuvor auf die Seite Karls IV. gestellt hatten, verweigerten sie Günther zunächst den üblichen feierlichen Einzug in die Stadt (das Dominikanerkloster lag damals an der Stadtmauer). Enslin schreibt dazu, die Frankfurter seien der Meinung gewesen, es "sei ein altes gutes Herkommen, daß bei streitiger Wahl zweier Kaiser sie keinem den Einzug zu gewähren brauchten, er habe denn sechs Wochen und drei Tage seinen Gegner vor der Stadt erwartet, um das Schwert über den Sieg entscheiden zu lassen." Nach einer Woche Wartezeit entschieden die Frankfurter sich jedoch anders und Günther durfte einziehen und wurde nun doch feierlich in sein Amt eingeführt. Er war aus seiner Sicht der legitime deutsche König, weil er im Gegensatz zu seinem Gegenkönig in Frankfurt gewählt worden war.

Im Mai 1349 unterlagen die Truppen Günthers von Schwarzburg-Blankenburg in Eltville denen Karls IV., der jetzt außerdem die meisten Anhänger der Wittelsbacher dazu gebracht hatte, ihn zu unterstützen. Günther sah sich gezwungen, am 26. Mai 1349 im Vertrag von Eltville auf den Thron zu verzichten. Bereits im folgenden Monat starb er im Frankfurter Johanniterkloster. Dass ihn, wie behauptet wurde, seine Gegner vergiftet hatten, ließ sich nicht beweisen. Die Gerüchte um eine Vergiftung des nur so kurz amtierenden Königs gibt ein in Friedrich Naucks "Bilderschau im Kaisersaal zu Frankfurt am Main" gedrucktes Gedicht wieder. Die letzten Zeilen darin lauten:

"Magister Freydank in Frankfurt am Main
Arzneikunst Gelehrter, der rührt' es ihm ein,
Credenzt ihm den Becher, zum eignen Verderben.
Kurz drauf mußte Günther am Giftbecher sterben."

Während Günther nach seiner Wahl auf seinen feierlichen Einzug in die Stadt hatte warten müssen, stand bei seinem Tod außer Frage, dass er ein feierliches Begräbnis im Dom erhalten sollte. Karl Enslin schreibt über die Trauerfeier: "Mit aller Pracht ward sein Leichnam in der Domkirche vor dem Hochaltar beigesetzt: zwanzig Reichsgrafen trugen den Sarg; in dem feierlichen Leichenzuge waren alle anwesenden Großen des Reichs; auch Karl erzeigte die letzte Ehre dem, den er ja nun nicht mehr zu fürchten hatte." Bis 1743 befand sich die Grabplatte Günthers von Schwarzburg-Blankenburg an dem besonders prominenten Ort, direkt vor dem Hauptalter. Später rückte sie an die Seite des Chorbereichs, wo sie immer noch zu den auffälligsten Grabdenkmälern des Doms gehört.

Jahrhunderte nach dessen Tod setzte der Mannheimer "Kapellmeister für das Theater" Ignaz Holzbauer (1711-1783), der für den pfälzischen (und seit Ende 1777 auch bayerischen) Kurfürsten Karl Theodor (1724-1799) tätig war, dem unglücklichen König mit seiner am 5. Januar 1777 am Mannheimer Hoftheater uraufgeführten Oper "Günther von Schwarzburg" ein musikalisches Denkmal. Darin wird die Vergiftungs-These wieder aufgegriffen und das Schicksal des historischen Königs wird in einen neuen patriotischen Kontext gestellt. In Frankfurt am Main erinnern neben dem Grabmal im Dom auch zwei Straßennamen an den kurzzeitigen deutschen König: die Schwarzburgstraße im Stadtteil Nordend und die Güntherstraße im Niederrad.

 

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Textquellen

Enslin, Karl: Frankfurter Sagenbuch. Sagen und sagenhafte Geschichten aus Frankfurt am Main, Frankfurt a. M., 1856.

Frankfurt-Lexikon: Mit einem Stadtplan herausgegeben von Waldemar Kramer, Sechste, neubearbeitete Ausgabe, Frankfurt a. M., 1973.

Friedrich Nauck: Bilderschau im Kaisersaal zu Frankfurt am Main. Leipzig 1855

Opitz, Gottfried, "Günther" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 263 abgerufen von >https://www.deutsche-biographie.de/pnd118698885.html#ndbcontent< abgerufen am 23.09.2022.

Pietschmann, Klaus: Herrschaftssymbol und Propaganda: Höfische Musik in der frühen Neuzeit in: Musik - Macht - Staat. Kulturelle, soziale und politische Wandlungsprozesse in der Moderne, Wasserloos, Yvonne; Mecking, Sabine (Hg), Göttingen, 2012, S. 39-56.

„Schwarzburg, Günther von“ in: Hessische Biografie abgerufen von >https://www.lagis-hessen.de/pnd/118698885<  am 23.09.2022.

>https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnther_XXI._(Schwarzburg-Blankenburg)< abgerufen am 23.09.2022.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Greifenstein_(Bad_Blankenburg)< abgerufen am 23.09.2022.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Kaiserdom_St._Bartholom%C3%A4us< abgerufen am 23.09.2022.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Theodor_(Pfalz_und_Bayern)< abgerufen am 23.09.2022.

 

Bildquellen:

Vorschaubild: Guenther von schwarzburg, Nachzeichnung des Grabsteins, Urheber unbekannt; hochgeladen 2019 von: CSvBibra via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Frankfurt_2018-10-07a: Wahlkapelle der römisch-deutschen Könige und Kaiser im Frankfurter Dom, 2018, Urheber: Maulaff via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

 

 

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