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Heft 4

Konsonantenverbindungen sind schwer. Wir üben sehr!

Nun kommen Wörter mit neuen Lautbildungen (z. B. sp oder ng) schwierige Konsonantenverbindungen (z. B. Mitlautgruppen am Wortanfang) und ausgewählte rechtschreibliche Besonderheiten (z. B. ck oder tz). Die Wörter werden, in einem Übungswortschatz zusammengefasst, gelesen, geschrieben und mit den Rechtschreibkommentaren nach Prof. Weigt markiert.

Samuel Thomas Soemmerring

Samuel Thomas Soemmerring

Sabine Gruber

Am 7. April 1828 fand in Frankfurt eine Feier mit illustren Gästen statt. Zahlreiche Professoren der Medizin und der Naturwissenschaften und andere Prominente hatten sich versammelt, um einen Wissenschaftler zu ehren, dessen Dissertation sich an diesem Tag zum 50. Male jährte. In seiner Gedächtnisrede auf den zwei Jahre später Verstorbenen berichtete der Theologe und Kirchenhistoriker Ignaz von Döllinger (1799-1890), über die Frankfurter Feier, dass "viele hundert Deutsche, zum Theil auch Ausländer, Aerzte, Gelehrte, Staatsmänner" sich dort vereinigt hätten, "um zur würdigen Begehung eines an sich seltenen, bey einem seltenen Mann doppelt merkwürdigen Ereignisses eine Medaille prägen zu lassen", die auf der einen Seite ein Bild des Geehrten, "auf der andern die Basis des menschlichen Gehirns darstellen, noch spät die Nachkommen belehren sollte, daß die Deutschen so gut wie irgend eine Nation verstehen, hohes Verdienst ehrend anzuerkennen."

Dass der so Geehrte dieses im frühen 19. Jahrhundert äußerst seltene Jubiläum in Frankfurt feiern würde, war bei seiner Geburt eher nicht zu erwarten gewesen, denn der Arzt, Wissenschaflter und Erfinder Samuel Thomas Soemmerring (seit 1808 von Soemmering) war 1755 im weit entfernten Thorn (heute: Toruń) geboren worden. Schon sein Vater war dort als Arzt tätig gewesen, und der Sohn trat 1774 in die Fußstapfen seines Vaters und begann ein Medizinstudium in Göttingen. Schon vier Jahre später beendete er seine Studienzeit mit einer Dissertation über die zwölf Hirnnerven, auf die die eine Seite der für die Frankfurter Feier geprägten Gedenkmünze hinwies. Sie war damals in der Hirnforschung revolutionär. Schon ein Jahr später machte Soemmerring den ersten Schritt in seiner akademischen Karriere als Professor für Anatomie am Collegium Carolinum in Kassel, einer Bildungseinrichtung, die Studenten auf ihre späteren Fachstudien vorbereiten sollte. In Kassel fand Soemmering auch Anschluss an Kreise der Freimaurer und der Rosenkreuzer. Dabei lernte er den Schriftsteller und Wissenschaftler Georg Forster (1754-1794) kennen, mit dem ihn bald eine enge Freundschaft verband. Ob es auch eine Beziehung war, wie gelegentlich behauptet wurde, ist nicht sicher zu belegen.

1784 wurde Soemmerring an die im Vergleich zum Kasseler Carolinum ungleich renommiertere Universität Mainz berufen und wurde dort drei Jahre später zusätzlich Leibarzt des Erzbischofs. Mit bereits 37 Jahren heiratete er die Malerin Margarethe Elisabeth Grunelius (1768-1802). Eines der beiden Kinder, der Sohn Detmar Wilhelm Soemmerring (1793-1871) setzte die Familientradition Medizin zu studieren fort. Weil Margarethe Grunelius aus einer alten Frankfurter Familie stammte, lag es nahe, dass Soemmerring nach dem weitgehenden Ende des Lehrbetriebs an der Universität Mainz infolge der französischen Besetzung der Stadt und der Gründung der Mainzer Republik in die Heimat seiner Frau zog. Am 18. Februar 1793 schrieb er an Christian Gottlob Heyne (1729-1812): "Ich für meine Person wäre bei Allem doch noch immer lieber zu Mainz, ungeachtet dort die Theuerung Überhand nimmt. - Aber meine hiesigen Verwandten und Freunde wollten mir's durchaus nicht gestatten - wie Sie leicht denken können; [...]." Seit 1795 praktizierte Soemmerring in Frankfurt als Arzt und wohnte zunächst am Kleinen Hirschgraben und später am Roßmarkt. Aufgrund seines Renommees als ehemaliger Professor einer angesehenen Universität wurden zahlreiche Mitglieder wohlhabender Frankfurter Familien wie der Brentanos und Gontards seine Patienten. Er stand auch mit Goethe im Austausch über naturwissenschaftliche Fragen. Am 4. August 1797 schrieb Goethe an ihn: "Die Arbeiten, die Sie mir gestern zeigten, haben mich im eigentlichen Sinne geblendet. Die Beobachtung, der Gedanke, die Ausführung, der Geschmack; alles daran zu bewundern. Darf ich hoffen Sie heute um 3 Uhr zu finden? um das gestrige noch einmal und das Versprochene neue zu sehen."

Die Tätigkeit als Arzt, auch wenn er sie mit wissenschaftlicher Arbeit verbinden konnte, reichte Soemmerring auf Dauer nicht aus, und er nahm deshalb einen Ruf an die Münchner Akademie der Wissenschaften an, wo er von 1805 bis 1820 tätig war. Er machte dort eine steile Karriere. Bereits 1808 wurde er aufgrund seiner Verdienste in den Adelsstand erhoben. In München war er nicht nur als Naturwissenschaftler, sondern auch als Erfinder tätig. Unter anderem entwickelte er den Prototypen eines elektrischen Telegraphen, der heute im Deutschen Museum in München zu sehen ist. Seit 1820 verbrachte er in Frankfurt noch ein Jahrzehnt als - trotz seiner angeschlagenen Gesundheit - vielfältig engagierter Pensionär. So wirkte er 1824 an der Gründung des Frankfurter Physikalischen Vereins mit.

An Soemmerring erinnert im heutigen Frankfurt die vom Bornwiesenweg zum Oeden Weg verlaufende Soemmerringstraße im noblen Frankfurter Stadtteil Nordend Ost und sein Grab auf dem Frankfurter Hauptfriedhof (Gewann D an der Mauer 178). Soemmerrings umfangreicher schriftlicher Nachlass befindet sich in der Frankfurter Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg.

 

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Textquellen:

Frankfurt-Lexikon: Mit einem Stadtplan herausgegeben von Waldemar Kramer, Sechste, neubearbeitete Ausgabe, Frankfurt a. M., 1973.

Gedächtnißrede auf Samuel Thomas von Soemmerring, gehalten in der öffentlichen Sitzung der königlichen Akademie der Wissenschaften am 25. August 1830 von Dr. I. Döllinger, München, 1830.

Zitat aus dem Brief an Heyne in: Georg Forster's Briefwechsel mit S. Th. Sömmerring, Hrsg. v. Hermann Hettner, Braunschweig, 1877. 

Goehtezitat entnommen aus: Goethe: Begegnungen und Gespräche, Bd. IV. Hrsg. v. Renate Grumach, Berlin/New York, 1980.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Samuel_Thomas_von_Soemmerring< abgerufen am 30.05.2022.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Collegium_Carolinum_(Kassel)< abgerufen am 30.05.2022.

>https://www.frankfurter-hauptfriedhof.de< abgerufen am 30.05.2022.

>http://sammlungen.uni-frankfurt.de/objekt/208/stammbuch-des-samuel-thomas-von-soemmerring/< abgerufen am 30.05.2022.

>https://www.sub.uni-goettingen.de/wir-ueber-uns/ausstellungen/bisherige-ausstellungen/samuel-thomas-soemmerring/< abgerufen am 30.05.2022.

 

Bildquellen:

Vorschaubild: Gemälde des Samuel Thomas von Soemmerring, 19. Jh., Urheber: Karl Thelott via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Ignaz Joseph Döllinger, ca. 1860, Urheber: Jean-Marc Nattier via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Kassel Ottoneum 19203, 2007, Urheber:  Rüdiger Wölk via Wikimedia Commons CC BY-SA 2.5.

Sömmerring's electric telegraph, 1809, Urheber: article written by Samuel Thomas von Soemmerring, platz signed "Chr. Koeck del. 1809.M. Aug." (lower left; artist Christian Koeck, 1758-1818) and "J.S. Walwert sculps." (lower right; engraver Jakob Samuel Walwert) via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

 

 

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