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Die verlassene Schule bei Tschernobyl - Lost Place

Nic

Am 26. April 1986 kam es im Atomkraftwerk Tschernobyl zu einer der schlimmsten Nuklearkatastrophen. Die freigesetzte Radioaktivität entsprach dem zehnfachen der Atom-Bombe von Hiroshima 1945. Erst drei Tage später wurde die 3 km entfernte Stadt Prypjat evakuiert und alle Bürger mussten ab 14 Uhr "vorübergehend" ihren Wohnort verlassen. Seither ist die Mittelschule der Stadt verwaist.

30 Jahre Leerstand hinterlassen Ihre Spuren. Doch genau die machen den Ort sehenswert. Der Großteil der Mittelschule ist in einem unberührten Verfallszustand. Die Wände verlieren ihre Farbe, die alten Schulbücher erinnern an den einstigen Schulalltag. Das Heft zeigt Klassenräumen, Flure, die Turnhalle und die große Schulaula.

Das Heft bietet in der Mitte ein doppelseitiges Poster.

ISBN: 978-3-86397-121-2

Preis: 3,00 €

Wilhelm Steinhausen

Wilhelm Steinhausen

Ralph Zade

Ein Bürgerhaus im Westend, in der Wolfsgangstraße 152. Die Wohngegend ist eine der teuren in Frankfurt. Billig war das Haus auch im Jahre 1884 schon nicht, dem Jahr, in dem es nach Plänen des Architekten Simon Ravenstein (1844-1932) erbaut wurde, der mit dem Käufer befreundet war. Der Käufer, der das Haus 1885 erwarb, war der bildende Künstler Wilhelm Steinhausen (1846-1924). Und in dem Haus, nach seinem Besitzer Steinhausen-Haus genannt, befindet sich heute eines der verstecktesten Museen Frankfurts. In dem Gebäude kann man Bekanntschaft mit Steinhausen machen, den heute selbst viele Kunstinteressierte außerhalb Frankfurts nicht mehr kennen, was unter anderem damit zu tun hat, dass einer der Schwerpunkte seines Schaffens auf religiöser Kunst lag, was heute nicht mehr im Trend der Zeit liegt. Zu seiner Zeit – man sieht es an dem Anwesen – war Steinhausen ein bekannter Künstler, der gut von seiner Kunst lebte. Seine Druckgrafiken waren verbreitet und selbst wenn sie seinen Namen nicht kannten, hatten Viele über Buchillustrationen Kontakt mit seinem Werk. Das Museum – zurzeit (2022) wird es renoviert und ist deshalb vorübergehend nicht zu besichtigen – bietet einen interessanten Einblick in Leben und Schaffen eines zu seiner Zeit repräsentativen Künstlers bei dem Wohn- und Arbeitsort zusammenfielen. Unter anderem enthält es das einzige erhaltene Maleratelier aus der 2. Hälfte des 19. Jh. im Rhein-Main-Gebiet. Ein Besuch lohnt sich deshalb auch für Kunstinteressierte, denen der Name Steinhausen bisher nicht viel sagt.

Geboren wurde Steinhausen in Sorau (heute Żary) im heute polnischen Teil der Niederlausitz. Er war der jüngste von fünf Söhnen – einer seiner Brüder war der heute vergessene Schriftsteller Heinrich Steinhausen (1836-1917). Sein Vater, der Militärarzt war, starb bald. Steinhausens Mutter Henriette Naphtali war konvertierte Jüdin – das sollte dazu führen, dass während der Nazizeit Werke von Steinhausen aus Museen entfernt wurden. Mit ihr zog er nach Berlin, hier begann er nach seinem Schulabschluss auch mit dem Studium an der Kunstakademie. 1866 wechselte er nach Karlsruhe, wo er u. a. die heute bekannten Maler Hans Thoma (1839-1924) und Wilhelm Trübner (1851-1917) kennenlernte. 1872 erhielt er in Berlin den „Michael Beerschen Preis zweiter Stiftung“, was ihm einen längeren Italienaufenthalt ermöglichte, nach dem er sich zunächst in München niederließ. Dort entstanden u. a. Illustrationen zu den „Chronika eines fahrenden Schülers“ von Clemens Brentano, er hatte damit aber kaum Erfolg.

Der Erfolg stellte sich erst ein, als er den bereits genannten Architekten Simon Ravenstein kennenlernte und auf dessen Betreiben hin nach Frankfurt ging. Ravenstein war mit dem Bau von Villen im Westend befasst und bot Steinhausen an, als Dekorationsmaler für die neu entstehenden Bauten tätig zu werden – ein Angebot, das dieser 1876 annahm. Er sollte bis zu seinem Tod 1924 Frankfurter bleiben. In Frankfurt zog er zunächst in einer Wohnung in der Mainzer Landstraße mit Hans Thoma zusammen, den er seit 1867 kannte. Thoma, der heute wesentlich bekannter ist als Steinhausen, war vorübergehend ebenfalls für Ravenstein als Dekorationsmaler tätig. Von 1886-1899 lebte er in der Wolfsgangstraße 150, also neben Steinhausen, in einem Haus, das ebenfalls Simon Ravenstein erbaut hatte. 1880 heiratete Steinhausen Ida Wöhler, mit der er vier Töchter und zwei Söhne hatte – das bekannteste seiner Kinder war die Malerin Marie Paquet-Steinhausen (der Name Paquet geht auf ihre Heirat mit dem Schriftsteller Alfons Paquet (1881-1944) zurück).

Wanddekorationen waren – neben zahlreichen Aufträgen für Porträtbilder – in der Folgezeit ein wichtiges Betätigungsfeld Steinhausens und zwar sowohl in Frankfurt selbst als auch auswärts. Von den Frankfurter Beispielen heute noch erhalten ist v. a. die Ausmalung in der Aula des Kaiser-Friedrich-Gymnasiums (heute: Heinrich von Gagern-Gymnasium) – hier stellte er 1904-1906 das humanistische Bildungsideal (also das der Antike) und das christliche Bildungsideal gegenüber. Nicht erhalten sind dagegen 21 großformatige Wandgemälde in der St. Lukas-Kirche, die Steinhausen von 1912 bis 1918 geschaffen hatte, und die den Innenraum der Kirche prägten, sodass sie im Volksmund „Frankfurter Bilderkersch“ hießen. Da sowohl die Stifterin Rose Livingston als auch Steinhausen nach der NS-Rassenideologie als Juden eingestuft wurden, wurden die Bilder im Zweiten Weltkrieg nicht aus der Kirche entfernt, um sie zu schützen, was dazu führte, dass sie bei der Zerstörung 1944 verloren gingen. Dieser Fall war besonders tragisch, es fielen aber noch zahlreiche andere von Steinhausen gestaltete Wandbilder in Frankfurt dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer.

Über Porträtbilder und Wandmalereien hinaus war Steinhausen auch auf dem Feld der Landschaftsmalerei tätig. Hierfür unternahm er Reisen, u. a. in den Hunsrück, um Studien zu machen. Ebenfalls im Hunsrück erwarb er nahe Boppard 1910 das Schloss Schöneck.

Vielleicht am kennzeichnendsten für das Werk Steinhausens sind seine zahlreichen religiösen Werke, die in der Nachfolge der Nazarener stehen. Hierunter ist auch eine Vielzahl an Druckgrafiken und Buchillustrationen. Steinhausen illustrierte u. a. Gesangbücher. Er kann als einer der prominentesten Vertreter der protestantischen Kunst im Deutschland seiner Epoche gelten. Aufgrund des hierauf bezogenen Werkteils wurde ihm 1906 von der Universität Halle ein Ehrendoktortitel in Theologie verliehen.

1920 wurde Steinhausen infolge eines Schlaganfalls zum Pflegefall. 1924 starb er. Sein Grab befindet sich auf dem Frankfurter Hauptfriedhof – der Grabstein basiert auf einem Entwurf von ihm selbst. Die Druckgrafiken Steinhausens sind im Kunsthandel heute noch (oder wieder) erschwinglich.

 

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Textquellen:

Webseite der Steinhausen-Stiftung abgerufen von  >http://www.steinhausen-stiftung.de/< am 16.01.2023.

Grafiken von Steinhausen im Städel abgerufen von >https://sammlung.staedelmuseum.de/de/suche?scope=all&q=person(183:creator)< am 16.01.2023.

Webseite zu Steinhausen und Schloss Schöneck abgerufen von >http://schloss-schoeneck.de/wilhelm-steinhausen/< am 16.01.2023.

Weyel, Birgit: Steinhausen, Wilhelm: Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe) abgerufen von >https://frankfurter-personenlexikon.de/node/1319< am 16.01.2023.

FAZ-Beitrag zur Renovierung des Steinhausen-Hauses abgerufen von >https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/steinhausen-haus-in-frankfurt-kuenstlermuseum-wird-renoviert-17799062.html< am 16.01.2023.

Picard, Tobias: Ravenstein, Simon. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe) abgerufen von >https://frankfurter-personenlexikon.de/node/841< am 16.01.2023.

 

Bildquellen:

Vorschaubild: Wilhelm Steinhausen (Selbstbildnis 1910) via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Wolfsgangstraße 152 (rechts) – Dachaufbau: Sternwarte, 2008, Urheber: Emmaus via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Selbstbildnis vor einem Birkenwald, 1899, Urheber: Hans Thoma via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Aufbruch vom Abendmahl, Urheber: Wilhelm Steinhausen via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Wilhelm Steinhausen Selbstbildnis des Malers mit seiner Frau, 1892/93 via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

 

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