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Spannende Erzählkunst

Der "Wagen" thematisiert die Schattenseiten der Menschheit. Die erste titelgebende Erzählung fasst Berdt Seites eigene traumatische Fluchterfahrungen in literarische Erzählkunst, bis die Grenzen von Vergangenheit und Zukunft schmelzen. Die andere widmet sich der biblischen Geschichte der Sintflut und interpretiert die Arche-Noah in einer ganz neuen Variante.

Der Bäckerbrunnen

Der Bäckerbrunnen

Sabine Gruber

250 Gulden kostete die Renovierung des Bäckerbrunnens in Frankfurt-Sachsenhausen im Jahr 1794. Sie war auf Grund der Baufälligkeit des alten Ziehbrunens notwendig geworden, aber auch wegen der Verunreinigung durch achtlos durch Passanten hineingeworfenen Abfalls. Bei einem Pumpenbrunnen war das nicht mehr möglich. In seinem Buch über die Frankfurter Brunnen nennt Siegfried Nassauer noch weitere Nachteile der Ziehbrunnen:

„Sie versperrten bei steigendem Verkehr die Plätze und bei Feuersbrünsten konnte das Wasser nicht schnell genug gefördert werden. Bei der Wasserentnahme waren Unglücksfälle nicht selten, öfters fielen Kinder in die Brunnen. Infolge der Verunreinigung des Wassers brachen Krankheiten aus.“

Für die Zahlung der für die Renovierung des Bäckerbrunnens nötigen Summe waren die Nutzer des Brunnens, also die Anwohner ohne eigenen Brunnen, verantwortlich. So bestimmte es die im Jahr 1708 erneuerte Frankfurter Brunnenordnung aus dem Jahr 1658. Gleich unter Punkt I hieß es da:

„Wo ein gemeiner Brunn von neuem gantz auff die Gemein gebaut/ oder an einem solchen vorerbauten Brunnen Grundbäu oder andere merckliche Bäu fürgenommmen/ und gemacht werden/ da gebührt von einem jeden Hauß/ Garten/ Scheur oder Stall/ das zu demselben Brunnen gehörig und verordnet ist/ so ferne es kein eignen Brunnen hat/ seinen gebührenden Antheil/“.

Paradiesgasse in Alt-Sachsenhausen
Paradiesgasse in Alt-Sachsenhausen

Die 250 Gulden waren aber deutlich mehr als die Anwohner und Anwohnerinnen aufbringen konnten. Deshalb musste ihnen entgegen der Brunnenordnung die Stadt unter die Arme greifen und 150 Gulden dazugeben. Der Brunnen konnte also gebaut werden und es lohnte sich nicht nur wegen der moderneren Brunnentechnik, sondern auch wegen dessen künstlerischer Gestaltung. Jedenfalls lobt Wolfgang Klötzer in seinem Buch über „Frankfurts alte Gassen“ die „ungewöhnlich“ schöne Empirevase des Brunnens.

Der neue Brunnen aus rotem Sandstein war einfach, aber geschmackvoll gestaltet worden als hoher, quadratischer Pfeiler mit zwei Quadern darauf und einer auf den Quadern stehenden, im Vergleich zierlich wirkenden Vase im Empire-Stil mit zum Teil vergoldeten Zierelementen. Das Brunnenbecken unten ist wie die Vase relativ klein dimensioniert. Bereits ein knappes Jahrhundert nach dem Ersatz des alten Ziehbrunnens durch einen Pumpenbrunnen, 1887, wurde eine erste Renovierung nötig. Ursprünglich stand der Bäckerbrunnen in der Elisabethengasse am Eingang der Paradiesgasse und wurde im Jahr 1405 erstmals in Zusammenhang mit einem Haus „bei der Affenpforte gegenüber dem Brunnen“ („apud Affenporten ex opposito fontis“, nach Nassauer zitiert) erwähnt. Eine Urkunde aus dem folgenden Jahrhundert, 1533, nennt ein Haus, das „zu Sassinhusen gen dem borne aber by dem Affentor“ (Zitat nach Battonn) lag. Nach Battonn war der Brunnen wesentlich älter als seine urkundlichen Erwähnungen vermuten lassen und war möglicherweise sogar einer der ältesten der Sachsenhäuser Brunnen.

Das Affentor: in dessen Nähe soll sich der Bäckerbrunnen befunden haben.
Das Affentor: in dessen Nähe soll sich der Bäckerbrunnen befunden haben.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Häuser rund um den Bäckerbrunnen zerstört und auch der Brunnen selbst wurde beschädigt. Er wurde von seinem Standort entfernt und – wie auch andere Frankfurter Brunnen – von Georg Krämer restauriert. Während des 470. Sachsenhäuser Brunnenfestes im August 1960 wurde der Brunnen, der inzwischen in der Großen Rittergasse einen neuen Standort in der Nähe seines ursprünglichen Ortes erhalten hatte, neu eingeweiht. Während die öffentlichen Brunnen im Frankfurter Stadtgebiet über einen längeren Zeitraum ihre ursprüngliche Funktion verloren hatten und vor allem als Zeugnisse der Bau- und Technikgeschichte wahrgenommen worden waren, kommt ihnen in Zeiten immer heißerer Sommer eine neue Funktion zu. Als Trinkwasserbrunnen dienen sie der Erfrischung von Passantinnen und Passanten mit kostenlosem Trinkwasser. Inzwischen hat die Stadt Frankfurt sieben ihrer zahlreichen historischen Brunnen als Trinkwasserbrunnen ausgestattet. Sie sind an das Trinkwassernetz angeschlossen und werden regelmäßig überprüft. Einer dieser Brunnen ist der Bäckerbrunnen. Anders als in seiner Entstehungszeit kann sich jetzt jede/r mit Wasser aus dem Brunnen versorgen, ohne dafür zahlen zu müssen.

Adresse:

Große Rittergasse 118

60594 Frankfurt am Main

 

Textquellen:

Die Baudenkmäler in Frankfurt am Main. Hg. vom dem Architekten und Ingenieur-Verein und dem Verein für Geschichte und Alterthumskunde. Unter Mitwirkung von Fachgenossen bearbeitet von Carl Wolff und Rudolf Jung. 2. Bd. Weltliche Bauten. Frankfurt a. M. 1898 

Hitzewelle. An diesen Brunnen in Frankfurt gibt es kostenlos Trinkwasser abgerufen von
>https://frankfurt.t-online.de/region/frankfurt-am-main/id_100029904/hitzewelle-in-frankfurt-diese-sieben-kostenlosen-trinkwasserbrunnen-gibt-es.html< am 08.05.2026

Klötzer, Wolfgang; Frankfurts alte Gassen. Frankfurt a. M. 1979

Lohne, Hans: Mit offenen Augen durch Frankfurt. Ein Handbuch der Brunnen, Denkmäler, Gedenkstätten und der Kunst am Bau. Frankfurt a. M. 1969

Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main, von Johann Georg Batton. Aus dessen Nachlasse herausgegeben von dem Vereine für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt a. M. durch den zeitigen Director desselben Dr. jur. L. H. Euler. Fünftes Heft, die Beschreibung des Schlusses der Altstadt und des Anfangs der Neustadt enthaltend. Frankfurt a. M. 1869

Ordnung/ Wie es mit den Brunnen hie zu Frankfurt/ in der alten und neuen Stadt soll gehalten werden. Gedruckt im Jahr M.DC.LVIII.[1658] Und renoviert im Jahr M.DCC.VIII. [1708]

Nassauer, Siegfried; Was die Frankfurter Brunnen erzählen. Eine illustrierte Chronik. Frankfurt a. M. 1921..

>https://www.kunst-im-oeffentlichen-raum-frankfurt.de/de/page28.html< abgerufen am 08.05.2026 

 

Bildquellen:

Vorschaubild: Frankfurt-Bäckerbrunnen, Urheber: © Asio otus via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Ladislav Benesch - Vodnjak, 1885 via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Frankfurt a Main, Paradiesgasse, 2025, Urheber: Dr. Thomas Liptak via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Frankfurt Affentor 1798, Urheber: unbekannt via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

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