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Weihnachten bei Familie Luther

Christoph Werner

Luthers jüngster Sohn erzählt vom Christfest

Paul Luther, der jüngste Spross der Lutherfamilie, gewährt dem Leser Einblick in sein Leben und das seiner Familie.
Er berichtet von seiner Kindheit in Wittenberg und der Krankheit seines Vaters, von seiner Verwicklung, die ihm als Leibarzt widerfuhren, und von den Intrigen am Gothaer Hof. Reichlich illustriert öffnen sie dem Leser die Tür zur Weihnachtsstube der Familie Luther.

Der Selzer Brunnen in Karben

Der Selzer Brunnen in Karben

Sabine Gruber

Im 19. und 20. Jahrhundert entstanden rund um Frankfurt zahlreiche, zum Teil weltbekannte Kurbäder wie Bad Nauheim, Bad Homburg und Bad Vilbel. Auch Frankfurt selbst hätte in dieser Hinsicht durchaus konkurrieren können, zog es aber vor, seine Heilquellen weitgehend den Frankfurtern und Frankfurterinnen zu überlassen und keine große Werbung über die Stadtgrenzen hinaus dafür zu machen. In Frankfurt selbst gab es zum Beispiel den Grindbrunnen in der als „Nizza“ bezeichneten Parkanlage. Weitere Quellen fanden und finden sich in den heute eingemeindeten Stadtteilen – wie der Selzer Brunnen in Nied. Das Wasser des an der Straße Vorm Wald gelegenen, in Stein gefassten und in 38 Metern Tiefe entspringenden Brunnens enthält wie der Name nahelegt, neben Schwefel verschiedene Salze, die vor allem bei zu viel Magensäure hilfreich sein sollen.

Einen in früherer Zeit deutlich bekannteren Brunnen, dessen Wasser dem des Frankfurter Selzer Brunnens von seiner Zusammensetzung her ähnlich ist, gab und gibt es, neben weiteren Brunnen, im 15 Kilometer nördlich von Frankfurt gelegenen Karben. Ähnlich wie die Wässer aus Niederselters und Selters an der Lahn wurde das alkalische Wasser des Karbener Brunnens schon im 19. Jahrhundert in länglichen Tonkrügen und Flaschen in alle Regionen Deutschlands und darüber hinaus versandt. Noch heute finden sich in Antiquitätengeschäften aus dieser Zeit erhaltene Krüge. Nicht zuletzt besuchten auch Frankfurterinnen und Frankfurter in früherer Zeit nicht nur den Selzer Brunnen in Nied, sondern auch den gleichnamigen Brunnen in Karben, was sie mit einem Ausflug in die idyllische Umgebung und mit einem Besuch des an der Quelle gelegenen Restaurants verbinden konnten.

In Meyers Reisebuch Wien aus dem Jahr 1873 findet sich eine umfangreiche Anzeige, die ausführlich über die Lage des Karbener Brunnens und die Beschaffenheit seines Wassers informiert. Der Brunnen sei „eine der wasser- und gasreichsten Quellen Deutschlands“, er sei „seit Jahrhunderten bekannt und gebraucht“, das Wasser sei reich an Kohlensäure und es könne „stets in frischer Füllung (mit der Jahreszahl der Füllung gesiegelt) das 100/1 Krüge 10 Fl., das 100/2 Krüge zu 8 Fl. ohne Emballage, in jedem beliebigen Quantum bezogen werden“. Eine Anzeige aus der Festzeitung für das zehnte Verbandsschießen des Badischen Schützenvereins aus dem Jahr 1888 empfiehlt das Wasser als besonders geeignet für die Mischung mit Wein und verweist auf die vielen Preise, die es „in London, Sidney, Paris, Frankfurt und Offenbach a. M.“ erhalten habe. Der Bäder-Almanach aus dem Jahr 1886 konzentriert sich auf die pharmazeutischen Wirkungen des Wassers, das „erfolgreich gegen verschiedene Arten von Katarrhen, Blasenleiden etc. gebraucht“ werden könne.

Der Gebrauch des Karbener Selzerbrunnens reicht weit in die Vergangenheit zurück. Schon die Römer nutzten sein Wasser und erstmals urkundlich erwähnt wurde der Brunnen bereits im Jahr 1331. Im Jahr 1722 wurde der Brunnen in Stein gefasst und 1878 wurde darüber ein Brunnenhaus aus Fachwerk errichtet. Mit seinem heutigen Namen Selzerbrunnen wurde der Brunnen erst seit dem 19. Jahrhundert bezeichnet. Das denkmalgeschützte Brunnengebäude und der Brunnen selbst, die heute zum Gelände der Kelterei Rapp’s gehören, sowie eine Ausstellung zur langen Geschichte des Brunnens können in der Karbener Brunnenstraße besichtigt werden. Abgefüllt wird am ursprünglichen Ort des Brunnens jedoch kein Brunnenwasser mehr. Inzwischen wird das Wasser des Selzer Brunnens nach Bad Vilbel weitergeleitet und dort von den Hassia Mineralquellen abgefüllt. Wie Frankfurt erhielt auch Karben trotz seines berühmten Brunnens und anderer Quellen nie die Bezeichnung „Bad“.

 

Adresse

Brunnenstraße 1

61184 Karben

 

*****

Textquellen

Kratzsch, Johann Friedrich: Neuestes und gründlichstes Alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der Deutschen Bundesstaaten, Zweiter Abtheilung, zweiter Band, Naumburg, 1845.

Weiss,Otto: Soolbad Nauheim: Führer für Kurgäste, Mit einer medicinischen Abhandlung von Dr. Groedel, Bade-Arzt zu Bad-Nauheim, 3. Aufl. Friedberg/Bad Nauheim, 1885.

Bäder-Almanach: Mittheilungen der Bäder, Luftkurorte und Heilanstalten in Deutschland, ÖsteArreich, Schweiz und der angrenzenden Gebiete für Aerzte und Heilbedürftige, Dritte Ausgabe, Frankfurt a. M./ Berlin, 1886.

Brockhaus’ Konversations-Lexikon, Vierzehnte vollständig neu bearbeitete Auflage, Vierzehnter Band, Rüdesheim – Soccus, Leipzig u. a., 1895.

Meyers Reisebücher: Wien, Führer durch die Kaiserstadt und auf den besuchtesten Routen durch Österreich-Ungarn unter besonderer Berücksichtigung der Welt-Ausstellung, Hildburghausen, 1873.

Offizielle Festzeitung für das zehnte Verbandsschießen des Badischen Schützenvereins, des Mittelrheinischen und des Pfälzischen Schützenbundes zu Ludwigshafen am Rhein vom 1. bis 8. Juli 1888.

Verborgene Kostbarkeiten in Frankfurter Stadtteilen und Vororten, Frankfurt a. M. 1991.

>https://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/5950/< abgerufen am 08.10.2023.

>https://www.rapps.de/rapps_kelterei/geschichte< abgerufen am 08.10.2023.

 

Bildquellen:

Vorschaubild: Selzerbrunnen, Groß Karben, 2015, Urheber: Prolingheuer via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Gaststätte am Selzerbrunnen, Groß Karben, 2015, Urheber: Prolingheuer via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

 

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