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Gerhard Klein
Berlin-Skizzen

Die deutsche Hauptstadt in achtzehn Bildern. Die liebevoll gestalteten Zeichnungen geben einen einzigartigen Blick auf die Metropole an der Spree. Neben bekannten Bauwerken wie Reichstag und Gedächtniskirche hat Architekt Gerhard Klein auch sehenswertes wie den Eingang des Berliner Zoos oder das Bode Museum in Bild eingefangen. Den Zeichnungen ist ein informativer Text zur Sehenswürdigkeit beigeordnet.

Das Junior-Haus

Das Junior-Haus

Sabine Gruber

Der 1872 angelegte Kaiserplatz liegt an einer prominenten Stelle des gründerzeitlichen Frankfurt zwischen der Kirchnerstraße, der ihn überquerenden Kaiserstraße, der Bethmannstraße und der Friedensstraße. Ursprünglich verband er als Verkehrsachse die Altstadt mit dem Taunusbahnhof und den benachbarten Bahnhöfen und später, seit 1888, mit dem damals eröffneten Hauptbahnhof. Seiner prominenten Lage entspricht auch die Bebauung des Platzes. Kommt man von der Altstadt oder der Zeil, liegt links das prächtige Hotel Frankfurter Hof, das kurz nach der Anlage des Platzes errichtet wurde, im Zentrum steht der ebenfalls aus der Gründerzeit stehende Kaiserbrunnen, rechts ragt ein Stück zurückgesetzt der Commerzbank-Tower aus den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts empor und am oberen Ende des Platzes zwischen der Friedensstraße und der Kaiserstraße ist das Junior-Haus aus dem Jahr 1951 ein Blickfang, insbesondere abends, wenn das transparente Treppenhaus beleuchtet ist.

Das Junior-Haus war eines der ersten Hochhäuser im später an Hochhäusern so reichen Frankfurt. Während es heute mit seinen auf neun Stockwerke verteilten 35 Metern Höhe gegenüber den benachbarten Hochhäusern eher klein wirkt, war es zur Zeit seiner Erbauung eines der höchsten Frankfurter Gebäude und nur ein wenig niedriger als das einige Jahre später errichtete zwölfstöckige Postfernmeldehochhaus. Seinen Namen hat das repräsentative Gebäude mit dem Mercedesstern auf dem Dach nicht von seinem Architekten Wilhelm Berentzen (1898-1984) und auch nicht von seinem für lange Zeit prominentesten Mieter, der Firma Mercedes, die im Parterre einen show-room betrieb, sondern von seinem Bauherrn Kurt Junior (1896-1960), dem Sohn Jacob Carl Juniors (1859-1946). Jacob Carl Junior hatte 1890 - neben mehreren anderen Gebäuden - das ebenfalls repräsentative Gründerzeithaus gekauft, das vorher auf demselben dreieckigen Grundstück zwischen der Kaiserstraße und der Friedensstraße gestanden hatte und im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war. Noch heute gehört das Gebäude der nach dem Käufer des ursprünglichen Gebäudes benannten J. C. Junior'schen Liegenschaftsverwaltung.

Das Junior-Haus wurde in der damals noch relativ neuen Stahlskelett-Bauweise errichtet. Fotos aus seiner Erbauungszeit zeigen das große Stahlgerüst, das die Grundlage des Gebäudes bildet. Auffälligstes Merkmal des Büro- und Geschäftshauses ist der die beiden rechteckigen Gebäudeflügel auf der rechten und linken Seite in der Mitte zum Platz hin verbindende verglaste Treppenturm. Der Treppenturm wird nicht nur durch seine mittige Lage betont, sondern auch dadurch, dass er etwas höher ist als die beiden Seitenflügel. Die Treppe im Turm ist durch dessen vollständige Verglasung von außen als sich hochschraubende Spirale sichtbar. Diese Spirale wird auf der Außenseite durch goldfarbige Metallelemente betont. Von innen wirkt der Treppenturm mit seinem weißen Geländer sehr hell, und der dynamische Eindruck ist noch stärker als in der Außenansicht. Vor dem Treppenturm ragt ein zweistöckiger halbrunder Glaspavillon hervor, dessen Untergeschoss bis vor einigen Jahren von der Firma Mercedes genutzt wurde. Heute befindet sich dort eine Bankniederlassung. Die beiden rechteckigen Seitenflügel, auf der linken Seite zur Friedensstraße und auf der rechten Seite zur Kaiserstraße hin, sind mit Platten aus Muschelkalk verkleidet.

Die heute leeren, mit Muschelkalk verkleideten Seitenflächen der beiden Bürotrakte an der Friedens- und Kaiserstraße rechts und links des Treppenturms waren früher– passend zum beginnenden "Wirtschaftswunder" der 50er Jahre – mit Werbebotschaften beschriftet und auch der Mercedesstern auf dem Dach war, wie Aufnahmen aus den ersten Jahren nach der Erbauung zeigen, noch nicht vorhanden. Stattdessen warben auf dem Dach große Schriftzüge für damals beliebte Putz- und Waschmittel: für PERSIL in der Mitte auf dem Treppenturm, für IMI links und für ATA rechts. Heute steht das Juniorhaus, das ein wichtiges Beispiel der Architektur nach dem Zweiten Weltkrieg ist, als "Kulturdenkmal aus geschichtlichen Gründen" unter Denkmalschutz.

 

Adresse:

Friedensstraße 11

60311 Frankfurt am Main

 

*****

 

Textquellen

Frankfurt-Lexikon: Mit einem Stadtplan herausgegeben von Waldemar Kramer, Sechste, neubearbeitete Ausgabe, Frankfurt a. M., 1973.

Seib, Adrian: Frankfurt am Main, Stuttgart, 2020.

Meyer zu Knolle, Sigrid: Die gebändigte Vertikale: Materialien zum frühen Hochhausbau in Frankfurt, Diss. phil. Marburg, 1998 abgerufen von >https://d-nb.info/972807284/34< am 06.03.2023.

Rodenstein, Marianne: Von der „Hochhausseuche“ zur „Skyline als Markenzeichen“ — die steile Karriere der Hochhäuser in Frankfurt am Main in: Dies. (Hrsg.): Hochhäuser in Deutschland: Zukunft oder Ruin der Städte? Wiesbaden, 2000, S. 15-70.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Junior-Haus< abgerufen am 06.03.2023.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Kaiserplatz_(Frankfurt_am_Main)< abgerufen am 06.03.2023.

>https://www.juniorsche.de/objekte/kaiserstrasse-19-21-juniorhaus< abgerufen am 06.03.2023.

>https://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/156608/< abgerufen am 06.03.2023.

>https://www.journal-frankfurt.de/journal_news/Kultur-9/Ende-einer-AEra-Juniorhaus-wird-Bank-14990.html< abgerufen am 06.03.2023.

 

Bildquellen:

Vorschaubild: Frankfurt Junior-Haus 2011-3, Urheber: Andreas Praefcke via Wikimedia Commons CC BY 3.0.

StahlgeruestDesJuniorhausFrankfurt, 1951, Urheber: Harald-Reportagen via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Scan 029 - 1952 Junior-Haus Frankfurt, 1952, Urheber: anonym via Wikimedia Commons CC0.

Frankfurt am Main - Junior-Haus - Treppenhaus (Treppe 4991), 2015, Urheber: T meltzer via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

 

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