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Christoph Werner

Schloss am Strom
Roman


Schinkel kämpft in seinen Fieberträumen um die Vollendung seines Bildes "Schloss am Strom". Er durchlebt auf seinem Krankenbett noch einmal sein erfülltes und von krankmachendem Pflichtgefühl gezeichnetes Leben und die Tragik des Architekten und Künstlers, der sich zum Diener des Königs machen ließ

Der Main

Der Main

Ralph Zade

Frankfurt am Main ist untrennbar mit dem Main verbunden. Das fängt beim Namen an. Der Zusatz „am Main“ unterscheidet „Frankfurt a. M.“, wie es häufig geschrieben wird, von anderen Frankfurts, vor allem von dem an der Oder. Aber auch der Name „Frankfurt“ selbst hat mit dem Fluss zu tun, nämlich mit einer Furt, die ehemals die Franken nutzten, um über den Main zu kommen. Nicht nur das Vorhandensein dieser Furt war verkehrstechnisch bedeutsam und trug zum Entstehen einer Siedlung gerade an diesem Ort bei, sondern auch der Fluss selbst. Er reicht vom Zusammenfluss zweier Quellflüsse bei Kulmbach in Oberfranken bis zur Mündung in den Rhein bei Mainz und ist über 500 km lang. In einer Zeit ohne viele Straßen war er eine wichtige Verkehrsverbindung, die für das Entstehen eines Handelsplatzes, zu dem Frankfurt sich dann entwickelte, günstig war.

Die verkehrstechnische Bedeutung des Flusses ist heute geringer als früher, obwohl immer noch Schiffe auf ihm fahren, nicht nur Ausflugsschiffe, sondern auch Frachtschiffe, die man vorbeifahren sehen kann, wenn man auf einer der Uferpromenaden spazieren geht. Nicht umsonst hat Frankfurt mehrere Häfen, von denen der wichtigste der Osthafen ist. Und zum Überqueren braucht man keine Furt mehr, es gibt in Frankfurter Stadtgebiet etwa 20 Brücken. Die für Besucher interessantesten davon sind die Alte Brücke – an ihrer Stelle stand wohl schon im 11. Jh. eine Brücke – und der Eiserne Steg, der eines der Wahrzeichen Frankfurts ist, eine Fußgängerbrücke. Eine Fußgängerbrücke ist auch der Holbeinsteg – der Name ist der Nähe zum Städel geschuldet, das einige Holbein-Werke besitzt. Dazu kommen die Flößerbrücke, die Friedensbrücke, die Ignatz-Bubis-Brücke (früher Obermainbrücke), die Deutschherrenbrücke, die Untermainbrücke und viele andere mehr.

Wenn man auf einer dieser Brücken steht, hat man nicht nur einen schönen Blick auf den Main, sondern auch auf die Uferpromenaden am Fluss. Und es sind diese Promenaden, die es über längere Strecken an beiden Ufern gibt, die die beste Möglichkeit für eine Main-Erfahrung bieten, wenn man sich nicht mit einem Ausflugsschiff gleich auf den Fluss selbst begeben will. Die bekannteste und interessanteste und außerdem auch eine der am zentralsten gelegenen dieser Promenaden ist das am Schaumainkai entlang laufende Wegstück am südlichen Flussufer, nicht nur, weil hier – am Museumsufer – Museen wie Perlen an einer Schnur aufgereiht sind, sondern auch weil man von hier aus einen guten Blick auf die Skyline am anderen Ufer hat. Das Museumsufer, das gern auch für Veranstaltungen und Feste genutzt wird, bildet mit seinen 1,5 km aber nur einen kleinen Teil der Promenadenstrecke am südlichen Mainufer. Es bietet sich an, darüber hinaus zu wandern: Nach Westen kann man bis Niederrad laufen – das Niederräder Mainufer hat einen deutlich anderen Charakter als das Ufer in den Innenstadtbereichen, mit viel Grün, und man kann hier z. B. Wasservögel beobachten. Viel Grün gibt es auch im Osten, am Deutschherrnufer, Richtung Offenbach (wohin man weiterlaufen kann, wenn man genügend Ausdauer mitbringt). So grün sah es hier nicht immer aus – erst im Rahmen der Umgestaltung des Mainufers in eine Grünanlage mussten für Fußgänger unattraktive Nutzungen weichen. Einen langen Spaziergang – oder auch mehrere – wert ist aber nicht nur das Südufer des Mains, sondern auch die Promenade am Nordufer – sie reicht vom Westhafen-Tower im Westen bis zum Hafenpark gegenüber der Europäischen Zentralbank im Osten. Auch hier gibt es Grün – altes Grün im Nizza-Park und neues Grün an der Weseler Werft und der Ruhrort-Werft, wo man Industriebrachen in Parkanlagen verwandelt hat. Die Umgestaltung des Mainufers in eine attraktive Flanierzone ist in den letzten Jahren sehr vorangekommen – und sie trägt wesentlich zur Attraktivität der Stadt bei. Am Mainufer flanieren kann man übrigens auch in Höchst – historisch ein eigenständiger Ort, heute ein Stadtteil von Frankfurt.

Dass der Main in der Frankfurter Geschichte stets eine wichtige Rolle spielte, merkt man auch an den bildlichen Darstellungen, die es von Frankfurt über die Jahrhunderte gegeben hat – sehr häufig zeigen sie einen Blick vom Mainufer aus, meist vom Südufer, was sich anbot, weil man so die Silhouette der Altstadt am Nordufer zeigen konnte, mit markanten Bauten wie dem Saalhof und dem Kaiserdom als Blickfang. Die Grenze der Stadt bildete der Main allerdings schon im Mittelalter nicht. Das südlich des Mains gelegene Sachsenhausen gehörte von Beginn an zu Frankfurt und war im Gegensatz zu den meisten Frankfurter Stadtteilen außerhalb des Stadtzentrums nie ein eigenständiger Ort.

Auch die gelegentlich auftauchende Frage, ob Frankfurt zu Norddeutschland oder zu Süddeutschland gehört, lässt sich nach Ansicht mancher anhand des Mains lösen: Wenn man – wie z. B. in Bayern weithin üblich – die Mainlinie als Trennlinie zwischen Deutschlands Norden und Deutschlands Süden ansieht, ist jemand, der im Frankfurter Universitätsklinikum geboren ist, das am Theodor-Stern-Kai am Südufer des Mains liegt, Süddeutscher, wer im Bürgerhospital, dem geburtenstärksten Krankenhaus in Hessen, das im Nordend liegt, das Licht der Welt erblickt hat, dagegen Norddeutscher. Man könnte diese Frage freilich auch damit beantworten, dass Frankfurt, so wie das Rhein-Main-Gebiet und der Main als Fluss in der Mitte Deutschlands liegt. Womit wir wieder bei der verkehrstechnisch günstigen Lage von Stadt und Fluss wären.

 

 

*****
Textquellen:

Stadt am Fluß – Frankfurt und der Main, Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst (AFGK), Bd. 70, Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 2004.

Webseiten der Internetpräsenz frankfurt.de zu Uferpromenaden (abgerufen am 08.06.2022)

>https://frankfurt.de/themen/umwelt-und-gruen/orte/parks/parks-von-a-bis-z/das-noerdliche-mainufer

>https://frankfurt.de/themen/umwelt-und-gruen/orte/parks/parks-von-a-bis-z/das-suedlicher-mainufer<

>https://frankfurt.de/themen/umwelt-und-gruen/orte/parks/parks-von-a-bis-z/deutschherrnufer<

>https://frankfurt.de/themen/umwelt-und-gruen/orte/parks/parks-von-a-bis-z/niderraeder-mainufer<

>https://frankfurt.de/themen/umwelt-und-gruen/orte/parks/parks-von-a-bis-z/hoechster-mainufer<

Webseite zu Brücken über den Main: >https://frankfurt-mainufer.de/frankfurt-bruecken<

 

Bilder: von Carolin Eberhardt, 2021.

 

 

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