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so heißt die erste Ausgabe unserer neuen Zeitschrift

FLECHTWERK - Lebebendige Nachbarschaft und Integration

Die Deutschen sind ofener geworden und haben gleichzeitig mehr Sinn für Heimat, Familie und Nachbarschaft entwickelt. Es müssen neue Wege gesucht werden, um Ausgrenzung und Anonymität zu verhindern.

Der Sandplacken im Taunus

Der Sandplacken im Taunus

Sabine Gruber

Rund um Frankfurt gibt es zahlreiche Ausflugsziele. Eines davon ist der 669 Meter hoch zwischen Oberursel und Schmitten gelegene Sandplacken, der wichtigste Pass des Hochtaunus, der vor allem als Ausgangspunkt für Wanderungen, zum Beispiel zum Großen Feldberg oder zum Fuchstanz, beliebt ist. Seinen Namen hat der Sandplacken – wie Friedrich Scharf 1853 in seinem Aufsatz „Der Taunus und die Alpen“ feststellte – von „nicht unbedeutende[n] Strecken von rothem Sande, viele Schuh hoch bedeckt“, also von Sandablagerungen an dieser Stelle.

Der nahe am römischen Grenzwall, dem obergermanischen Limes, gelegene Pass ist aber nicht nur geologisch interessant, sondern auch von historischem Interesse. Die Gegend war bereits in der Antike bewohnt, wie die Funde des keltischen Heidetränk-Oppidums in der Nähe von Oberursel beweisen. Diese Siedlung von der Größe einer Stadt entwickelte sich gegen Ende des 2. Jahrhunderts vor Christus und wurde einige Jahrzehnte später wieder aufgegeben. Ein Wanderweg auf den Spuren der Kelten erschließt das Terrain. In der Römerzeit ist um die Mitte des 2. Jahrhunderts nach Christus zur Sicherung des Passes auf 678 Meter Höhe und drei Kilometer nordwestlich des Großen Feldbergs das Kleinkastell Altes Jagdhaus errichtet worden. Es wurde 1893 ausgegraben und nach einem im 16. Jahrhundert innerhalb der römischen Befestigungsanlagen errichteten Jagdhaus benannt, von dem heute nur noch die Grundmauern zu sehen sind. Die gesamte Anlage wurde 2009 restauriert. Auch der Name der Straße, die heute über den Sandplacken verläuft, verweist auf historische Hintergründe. Sie wurde in den Jahren 1871 bis 1877 errichtet und hieß zunächst im Volksmund, später ganz offiziell „Kanonenstraße“, weil sie so stark befestigt wurde, dass sie auch für Militärkonvois befahrbar gewesen wäre. Nach dem deutsch-französischen Krieg fürchtete man wohl, an strategisch wichtigen Orten würden derartig ausgebaute Straßen benötigt. Von größeren Truppentransporten auf dieser Straße ist jedoch nichts bekannt.

Wichtiger als die militärische Nutzung des Passes war die touristische, was nicht zuletzt am 8. Februar 1889 im Rahmen einer Sitzung über die „Erweiterung und bessere Ausrüstung des Staatseisenbahnnetzes“ das Preußische Abgeordnetenhaus beschäftigte. Der Abgeordnete Christian Wirth (1826–1895), der für die Deutsche Freisinnige Partei den Wahlkreis Wiesbaden 6 (Oberlahnkreis, Usingen) im Preußischen Landtag vertrat, stimmte gegen den diesbezüglichen Gesetzesentwurf, nicht weil er, wie er sagte, „im großen und ganzen etwas Erhebliches dagegen einzuwenden hätte, sondern nur deshalb, weil ich in demselben eine Lücke finde, indem ich unter den darin zur Ausführung vorgeschlagenen Sekundärbahnen eine vermisse, deren Bau mir besonders dringlich zu sein scheint.“ Bei dieser, aus seiner Sicht besonders dringlichen Verbindung handelte es sich, wie er weiter ausführte, um eine Bahnlinie, die unter anderem über den Sandplacken führen sollte. Seiner Ansicht nach war der Sandplacken ein touristisch wichtiger Ort, denn von dort aus könne „die Höhe des Feldberges durch Anlage einer kurzen Zweigbahn leicht erreicht werden; würde eine solche angelegt, so würden dadurch viele Tausende, ja ich kann sagen Hunderttausende von Gebirgsreisenden auch zur Benutzung der Hauptbahn veranlaßt werden. Außerdem sind in den Orten Schmitten sowie Ober- und Nieder-Reifenberg schon seit längerer Zeit Luftkurstationen angelegt; dieselben haben sich schon sehr befestigt und würden durch den Bau einer Eisenbahn in jener Gegend bedeutend erweitert werden können.“

Tatsächlich hatte der Abgeordnete Recht, als er vermutete, dass eine bessere Verkehrsinfrastruktur dem Hochtaunus einen touristischen Aufschwung bescheren würde. Die von ihm gewünschte Bahnverbindung kam zwar nicht zu Stande. Aber nachdem eine Straßenbahnlinie von Frankfurt in Richtung Hohemark eingerichtet worden war, die über den Sandplacken führte, und seit den späten 20er Jahren auch eine Buslinie dorthin fuhr, nahmen die Besuche von Wanderern, Ausflüglern und Touristen zu, die nicht nur Tagesausflüge in den Taunus machen, sondern hier auch übernachten und Urlaub machen wollten. Im frühen 20. Jahrhundert, noch vor dem ersten Weltkrieg, wurde in idyllischer Waldlage zunächst ein Restaurant errichtet, das später zum Hotel erweitert wurde. Das Hotel warb damit, dass man hier im Grünen die Sommerferien verbringen könne und dass auch Wintersport möglich sei. Tatsächlich konnte man noch in den 70er/80er Jahren des 20. Jahrhunderts häufig Schnee erwarten, wenn man im Winter einen Ausflug auf den Sandplacken machte. 1931 eröffnete außerdem das Café-Restaurant Tannenheim.

Seit dem 21. Jahrhundert ist der Tourismus in der Region allerdings rückläufig und sowohl das Restaurant Tannenheim als auch das mehrfach umgebaute und erweiterte Hotel waren zeitweise geschlossen. Es fanden sich aber für beides neue Pächter, die eine Wiedereröffnung wagten. Im Hotel Restaurant Sandplacken kann man seit einigen Jahren Küche aus Siebenbürgen genießen. Die erhöhte und zentrale Lage nahe Frankfurt machte den Sandplacken auch interessant für die Übermittlung von Nachrichten. Das nutzten die Amerikaner, als sie nach dem Zweiten Weltkrieg in der Nähe des Sandplackens eine Radarstation errichteten.

 

 

Adresse Heidetränk-Oppidum

Hohemarkstraße

61440 Oberursel

 

 

*****

Textquellen:

Frankfurt-Lexikon: Mit einem Stadtplan herausgegeben von Waldemar Kramer, Sechste, neubearbeitete Ausgabe, Frankfurt a. M., 1973.

Scharff, Friedrich: Der Taunus und die Alpen in: Jahrbücher des Vereins für Naturkunde im Herzogthum Nassau, Heft 9, Abtheilung 2, 1853, S. 21ff.

Stenographische Berichte über die Verhandlungen der durch die allerhöchste Verordnung vom 28. Dezember einberufenen beiden Häuser des Landtages, Haus der Abgeordneten, Erster Band, Berlin, 1889.

Velte, Olaf: Abschied vom Sandplacken in: Frankfurter Rundschau, 14.1.2019: abgerufen von >https://www.fr.de/rhein-main/abschied-sandplacken-11413320.html< am 01.05.2023.

Velte, Olaf: Neustart am Sandplacken in: Frankfurter Rundschau, 17.7.2020: abgerufen von >https://www.fr.de/rhein-main/hochtaunus/neustart-sandplacken-13836464.html<  am 01.05.2023.

Velte, Olaf: Siebenbürgen auf der Passhöhe in: Frankfurter Rundschau, 29.10.2014: abgerufen von >https://www.fr.de/rhein-main/hochtaunus/siebenbuergen-passhoehe-11185491.html<  am 01.05.2023.

>https://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A4sse_im_Taunus< abgerufen am 01.05.2023.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Heidetr%C3%A4nk-Oppidum< abgerufen am 01.05.2023.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Kleinkastell_Altes_Jagdhaus< abgerufen am 01.05.2023.

>http://sandplacken.com< abgerufen am 01.05.2023.

>https://taunus.info/angebote/kultur-und-geschichte/kelten-und-roemer/keltensiedlung-heidetraenk-oppidum/2903/< abgerufen am 01.05.2023.

>https://parlamente.hessen.de/abgeordnete/101355650x-wirth-christian< abgerufen am 01.05.2023.

 

Bildquellen:

Vorschaubild: Übersichtskarte Taunus, 2017, Urheber: Thomas Römer via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

 

 

 

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