Frankfurt-Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
Frankfurt-Lese
Unser Leseangebot

Kurt Franz & Claudia Maria Pecher
Kennst du die Brüder Grimm?

Der Froschkönig", „Schneewittchen" oder „Rapunzel" sind Erwachsenen und Kindern auf der ganzen Welt bekannt. Wer aber weiß mehr über das Brüderpaar zu erzählen als dessen Märchen? Und wer weiß schon, dass die Grimms auch viele schaurige, schöne Sagen sammelten, eine umfangreiche deutsche Grammatik veröffentlichten oder an einem allumfassenden Deutschen Wörterbuch arbeiteten?


Der Wasserpark

Der Wasserpark

Ralph Zade

Frankfurt ist eine Stadt der Parks, von denen eine ganze Reihe historischen Ursprungs ist. Viele davon waren ursprünglich Privatparks wohlhabender Frankfurter, was man teilweise bis heute am Namen erkennt – so etwa beim Bethmannpark, beim Brentanopark oder beim Rothschildpark. Historische Wurzeln hat auch der Wasserpark im Nordend an der Grenze zu Bornheim. Er stammt aus dem 19. Jahrhundert, nämlich aus dessen 70er Jahren, und ist damit jünger als die ehemaligen Privatparks. Auf seine Weise spiegelt auch er seine Entstehungsumstände wider – bis hin zum Namen, der unmittelbar mit den Ursprüngen des Parks verbunden ist. Der Gründungsanlass bestand in diesem Fall nicht in einem Erholungs- oder Repräsentationsbedürfnis einzelner wohlhabender Bürger, sondern ist mit einem öffentlichen Interesse verknüpft: der Frankfurter Wasserversorgung. Noch heute hat der Park hierfür seine Bedeutung: In ihm befindet sich – unterirdisch – der 1880 um eine vierte Kammer erweiterte Hochbehälter, aus dem das Wasser aus der 1873 eröffneten Fernwasserleitung aus dem Vogelsberg in das städtische Trinkwassernetz überführt wird. Die Fernwasserleitung war durch das Wachstum, das die Stadt in jenen Jahren erfuhr, nötig geworden.

Die unterirdische Anlage ist aus Gründen der Sicherheit und Hygiene für die Öffentlichkeit gesperrt. Dennoch kann man im Wasserpark Vieles über die Frankfurter Wasserversorgung lernen, denn es gibt hier einen Wasserlehrpfad der für die Wasserverteilung in Frankfurt zuständigen Mainova AG, der in neun Stationen, die sich an einem 600 m langen Holzsteg befinden, wesentliches Wissen zu diesem Thema vermittelt. Der Pfad beginnt mit einer Station zum Wasserkreislauf, der die Grundlage von allem bildet, was Wasser betrifft. An der zweiten Station kann man durch Knopfdruck eine Quelle zum Sprudeln bringen und einiges über die Quellen erfahren, aus denen das in Frankfurt verbrauchte Wasser stammt. Ein Fünftel des Wassers kommt aus dem Frankfurter Stadtgebiet, die Hälfte aus dem Hessischen Ried und 30 % aus dem Spessart und vom Vogelsberg. Gegenstand der dritten Station ist der Wassertransport; der hierfür nötige Aufwand kann sinnlich erfahren werden, indem man mittels einer Handpumpe Wasser in ein Becken pumpt. An der vierten Station geht es um Wasseranreicherung und Grundwasserneubildung, an der fünften um die Filtration in der Natur und in der Wasseraufbereitung – unterschiedliche Teilchen sinken in voneinander abweichender Geschwindigkeit zu Boden. Station 6 behandelt die Trinkwassernutzung, den Wassergeschmack und die Wasserhärte. Die Folgestation – die siebte – befasst sich mit der Wassernutzung für die Gewinnung erneuerbarer Energie. Mit einer Pumpe kann man Wasser in Rinnen befördern, das dann ein Wasserrad in Drehung versetzt, das wiederum einen Generator antreibt. In Station 8 wird gezeigt, wie die Abwasserreinigung funktioniert. Und die abschließende Station 9 befasst sich damit, wie das Wasser verwendet wird. Jeder erwachsene Frankfurter verbraucht etwa 150 Liter Trinkwasser am Tag, davon aber nur maximal ein Hundertstel zum Trinken – das meiste wird für Dusche und Toilettenspülung benötigt. Das mag Vielen noch klar sein – weniger im allgemeinen Bewusstsein verankert ist der versteckte Wasserverbrauch. Wie viel Wasser verbraucht etwa die Herstellung eines Liters Milch oder gar eines Computers? Manch einer wird überrascht sein. Der Wasserlehrpfad, der an dieser Stelle endet, bietet nicht nur zu diesem Punkt die Möglichkeit, sich Zusammenhänge klarzumachen, die wichtig und aufschlussreich sind, die man aber normalerweise nicht sofort präsent hat. Die Mitmachstationen vermögen dabei auch Kinder zu interessieren. Sie sind allerdings von November bis März außer Betrieb, sodass man im Sommerhalbjahr kommen sollte.

Blick von Westen mit Eingang des Hochbehälter
Blick von Westen mit Eingang des Hochbehälter

Etwas lernen kann man auch im Bienengarten, der vom Frankfurter Imkerverein betreut wird und in dem von April bis September Führungen angeboten werden. Den hier erzeugten Honig kann man samstagnachmittags hier normalerweise auch erwerben und dabei einem Imker über die Schulter schauen.

Der Wasserpark, in den man anders als in viele andere Frankfurter Parks keine Tiere mitnehmen darf und der in der Regel mit Sonnenuntergang geschlossen wird, hat aber noch mehr zu bieten. Da sind zunächst ein schöner alter Baumbestand und eine Parkanlage, die durch teilweise gepflasterte Wege erschlossen wird. Im Park findet man außerdem einige aus dem für Frankfurt charakteristischen roten Sandstein geschaffene historische Bauten. Neben den Eingangsportalen zum Hochbehälter und einem kleinen Zentralbau mit Kuppel sind dies vor allem Pumpenhäuser. Entsprechend der Bauzeit ist hier der Baustil des Historismus dominierend – die Gestaltung im Stil der Neorenaissance ist an Formen des Aschaffenburger Schlosses angelehnt.

Historisch interessant ist auch das unmittelbare Umfeld des Parks. An der Friedberger Landstraße wurde 1936 die Kurhessen-Kaserne errichtet, die dann nach dem Zweiten Weltkrieg von den Amerikanern genutzt wurde. 2003 zogen diese ab und es wurden hier Ein- und Mehrfamilienhäuser errichtet.

Dass der Wasserpark heute eine grüne Oase der Ruhe ist, ist übrigens auch einem Glücksfall zu verdanken. Bei einem Bombenangriff vom 4.10.1943 hätten eigentlich auch die Wasserversorgungsanlagen im Park getroffen werden sollen. Der Park blieb dann aber unversehrt und so kann man sich bis heute auf seinem knapp 3,7 Hektar großen Gelände vom Großstadttrubel erholen. Der Park trägt damit, neben vielen anderen Dingen, dazu bei, dass das Nordend und das angrenzende Bornheim zu den beliebtesten Stadtteilen in Frankfurt zählen.

 

*****

Textquellen:

Der Wasserpark auf frankfurt.de abgerufen von >https://frankfurt.de/frankfurt-entdecken-und-erleben/stadtportrait/versteckte-orte/orte-der-industriegeschichte/wasserpark< am 28.01.2024.

Der Wasserpark auf frankfurt-tipp.de abgerufen von >https://www.frankfurt-tipp.de/freizeit/s/freizeit/der-wasserpark-eine-kleine-oase-mit-geschichte.html< am 28.01.2024.

Webseite zum Wasserlehrpfad abgerufen von >https://www.erlebnisraum-frankfurt.de/stadtleben/gruenes-frankfurt/der-mainova-wasserlehrpfad/< am 28.01.2024.

Webseite der Mainova AG zum Wasserlehrpfad abgerufen von >https://www.mainova.de/de/ihre-mainova/ueber-uns/engagement/wasserlehrpfad< am 28.01.2024.

 

Bildquellen:

Vorschaubild: Wasserpark Frankfurt am Main Eingang zum Hochbehälter, 2009, Urheber: Eva K. via Wikimedia Commons GFDL 1.2.

 

 

 

 

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Grüneburgpark
von Sabine Gruber
MEHR
Der Graubnerpark
von Sabine Gruber
MEHR

Der Wasserpark

Dortelweiler Str. 105
60389 Frankfurt am Main

Detailansicht / Route planen

Werbung
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen