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Jürgen Klose
Kennst du Friedrich Schiller?

Ein kreativer Querkopf mit allerlei Flausen scheint Schiller wohl gewesen zu sein, wenn man ihn mal ganz ohne Pathos betrachtet.

Bornheim

Bornheim

Ralph Zade

Die Eingemeindung von Bornheim im Jahre 1877 war für Frankfurt ein gutes Geschäft. Dadurch fiel nämlich auch das Bornheimer Vermögen an die Stadt Frankfurt und das war nicht klein; es betrug eine Million Gulden. Bornheim war der erste Ort im Umland, den Frankfurt sich einverleibte. Zum Frankfurter Gebiet im weiteren Sinn hatte Bornheim allerdings schon länger gehört.

Die Geschichte Bornheims geht weit in die Vergangenheit zurück. Besiedlung gab es auf dem Territorium schon in römischer Zeit, in der Gegend um den Günthersburgpark wurden die Überreste von zwei römischen Villen gefunden. Ein Ort namens „Burnheim“ (der Name ist eventuell von „Heim des Bruno“ abgeleitet; Sicherheit besteht diesbezüglich aber nicht) wurde im Jahre 1192 erstmals urkundlich erwähnt, entstanden sein soll die Siedlung in der Frankenzeit im 6. Jh. Im Mittelalter gehörte Bornheim mit zahlreichen weiteren Dörfern zur Grafschaft Bornheimerberg. Die territoriale Zugehörigkeit Bornheims war lange zwischen Hanau und Frankfurt umstritten; 1481 kam Bornheim – anders als andere Teile von Bornheimerberg – endgültig zu Frankfurt; 1484 wurde es Reichslehen der Stadt Frankfurt. In der Folge teilte Bornheim weitgehend das Schicksal Frankfurts.

Die heutigen Grenzen von Bornheim als Frankfurter Stadtteil sind mit den historischen Grenzen des Dorfes Bornheim nicht ganz identisch und die gefühlten Grenzen gehen teils über die administrativen hinaus. Die 2013 erfolgte Zuordnung eines Stadtbezirks, der vorher zum Stadtteil Nordend-Ost gehörte, änderte daran nichts. So würden z.B. viele Bornheimer den Günthersburgpark als Teil von Bornheim ansehen, tatsächlich liegt er aber heutzutage außerhalb der Stadtteilgrenzen, auch wenn er unmittelbar an diese anschließt. Gleiches gilt für den Ostpark. Und die Berger Straße, die Haupteinkaufsstraße von Bornheim, liegt teilweise im Nordend. Immerhin scheinen auch die Frankfurter Verkehrsbetriebe einen erweiterten Begriff von Bornheim zu haben: Die U-Bahn-Haltestelle „Bornheim Mitte“ an der Berger Straße befindet sich an einer Stelle, die nach der amtlichen Stadtteilgrenze ganz am Rande von Bornheim liegt.

Bornheim ist seit jeher einer der beliebtesten Frankfurter Stadtteile, was sich leider mittlerweile auch in den Wohnungspreisen niederschlägt. Warum ist das „Lustige Dorf“ – diesen Beinamen soll Bornheim schon seit dem Mittelalter tragen – so beliebt? Vor allem liegt es daran, dass in Bornheim immer etwas los ist. Das war auch historisch gesehen schon so. Tanzlokale und Apfelweinkneipen machten den Ort zu einem beliebten Ausflugsziel. Es gab auch Prostitution. Heute ist Bornheim für seine vielfältige Gastronomie bekannt und natürlich für die Berger Straße, auch „Bernemer Zeil“ genannt, die nach der „richtigen“ Zeil die umsatzstärkste Einkaufsstraße Frankfurts ist. Das ist aber noch nicht alles: Die „Bernemer Kerb“ im August, die es seit über 400 Jahren gibt, ist eines der beliebtesten Volksfeste und der große Festzug ein Ereignis. Am Kerbmittwoch Mitte August wird die Berger Straße zu einer Freilicht-Apfelweinkneipe. Und auch an anderen Mittwochen wird in Bornheim gefeiert: Der Pfingstmittwoch nach dem Wäldchestag und der Lerchenherbstmittwoch (als es in Bornheim noch Weinbau gab, fielen im Herbst die Lerchen ein, wurden gejagt und gegessen) sind ebenfalls Anlass zu Festivitäten. Zweimal im Jahr findet außerdem die Dippemess statt, auch sie ein Volksfest. Und auch die Karnevalisten sind in Bornheim besonders stark vertreten. Mittwochs und Samstags gibt es in der Fußgängerzone in der Berger Straße überdies einen Wochenmarkt.

Es gibt in Bornheim auch einiges zu sehen. Neben gründerzeitlichen Häusern sind das u.a. drei Kirchen. Die Johanniskirche, die an der Stelle steht, wo sich früher die Dorfkirche befand, ist ein Barockbau von 1778/79. Wie so vieles in Frankfurt wurde auch sie bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg beschädigt, dann aber – wenn auch nicht unter vollständiger Wiederherrichtung des Zerstörten (den Bomben waren vor allem die Fenster und das Deckengemälde zum Opfer gefallen) – bereits 1948 wieder in Betrieb genommen. Die letzte Renovierung des durch den Stadtbaumeister Johann Andreas Liebhardt (1713-1788) errichteten Baus erfolgte 2014. Der Kirchturm ist eines der Wahrzeichen Bornheims. Die St. Josefs-Kirche ist eine katholische Kirche, die 1877 geweiht und in den 30er Jahren deutlich erweitert wurde, sodass die ursprüngliche Kirche heute nur noch als Altarraum und Seitenkapelle genutzt wird. Die Heilig-Kreuz-Kirche, ebenfalls katholisch und heute ein Zentrum für christliche Meditation und Spiritualität, wurde 1928/29 von dem Kirchenbaumeister Martin Weber (1890-1941) entworfen und 1929 geweiht. Eine vierte Bornheimer Kirche, die evangelische Heilandskirche, wurde 2005 abgerissen. Neben den Sakralbauten gibt es als weitere Sehenswürdigkeiten v. a. das alte Rathaus – ein barockes Fachwerkhaus von 1770 – und das Bernemer Museumslädchen in der Turmstraße, das kleine aber feine Ausstellungen veranstaltet. Wer sich für moderne Architektur interessiert, sollte sich außerdem die von dem bekannten Frankfurter Architekten Ernst May 1925-30 erbaute Siedlung Bornheimer Hang ansehen, in der sich auch die Heilig-Kreuz-Kirche befindet. Der namensgebende Bornheimer Hang, unterhalb der Siedlung gelegen, ist eine Parkanlage, die teilweise schon zu Seckbach und zum Ostend gehört.

Schließlich ist Bornheim auch ein Stadtteil für Sportliche: Am Bornheimer Hang gibt es ein Panoramabad. Ebenfalls am Bornheimer Hang gelegen ist die Eisporthalle. Der in Bornheim ansässige Fußballverein FSV Frankfurt spielt derzeit (2017/18) in der Regionalliga, hat aber auch schon bessere Zeiten gesehen – vor dem Zweiten Weltkrieg und in den 50er Jahren war er ein Spitzenklub und die 2006 aufgelöste Frauenfußballmannschaft errang drei deutsche Meisterschaften und fünf Pokalsiege. Ein weiterer Fußballverein ist die Sportgemeinschaft Bornheim Grün-Weiss. Die Turngemeinde Bornheim hat knapp 30000 Mitglieder – Bornheim hat nur gut 27000 Einwohner, d. h. die meisten Vereinsmitglieder sind Auswärtige –; sie ist damit der größte Sportverein Hessens.

 

 

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Textquellen: 

Ochs, Bernhard E.: Die schönsten Streifzüge durch Frankfurt. Bornheim. Frankfurter Societäts-Druckerei, Frankfurt 2011.

Nordmeyer, Helmut: Ein Rundgang durch das alte Frankfurt-Bornheim. Wartberg Verlag, Gudensberg, 2001.

Bornheim auf Frankfurt.de: >https://frankfurt.de/frankfurt-entdecken-und-erleben/stadtportrait/stadtteile/bornheimhttp://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=2835&_ffmpar[_id_inhalt]=12694< abgerufen am 30.11.2021.

Website zur oberen Berger Straße: http://www.bornheim-frankfurt.de/

Website des Bürgervereins und Förderkreises historisches Bornheim e.V. >https://historisches-bornheim.clubdesk.com/< abgerufen am 30.11.2021.

Website der Bernemer Kerwe Gesellschaft 1932 e.V. zur Bernemer Kerb: >http://www.bernemerkerb.de/< abgerufen am 30.11.2021.

Alexander Kraft: Das Trend-Viertel. Frankfurter Rundschau, 15.8.2011: abgerufen von: >http://www.fr.de/frankfurt/dossier/stadtteil-portraets/frankfurt-bornheim-das-trend-viertel-a-1229646< am 30.11.2021.

 

 Bildquellen:

Vorschaubild:

Altes Rathaus an der oberen Berger Straße, 2007, Urheber: Dontworry via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Berger Straße, Bornheim, Frankfurt, 2005, Urheber: Melkom via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Ansicht der Alten St.-Josefs-Kirche aus dem Pfarrhof, 2009, Urheber: Urmelbeauftragter via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

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