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Paulus Luther

Sein Leben von ihm selbst aufgeschrieben. Ein wahrhaftiger Roman

Christoph Werner

Ein lesenswerter und informativer historischer Roman, der das Leben Paul Luthers - jüngster Sohn Martin Luthers und seines Zeichens fürstlicher Leibarzt und Alchimist - erzählt.

Die Gärtnersiedlung „Teller“ (auch: Tellersiedlung)

Die Gärtnersiedlung „Teller“ (auch: Tellersiedlung)

Sabine Gruber

Die Trabantensiedlungen rund um Frankfurt, die Ernst May (1886-1970) in Zusammenarbeit mit anderen Architekten seit 1925, dem Jahr seiner Berufung zum Stadtbaurat, entwickelte, sollten bezahlbaren und trotzdem komfortablen Wohnraum für möglichst viele (Neu-)Frankfurterinnen und Frankfurter schaffen und richteten sich an unterschiedliche soziale Schichten. Während in der Siedlung Römerstadt, die ursprünglich für Arbeiterfamilien konzipiert worden war, vor allem Angestellte und Beamte neuen Wohnraum fanden, freuten sich an anderer Stelle, wie etwa in der Fechenheimer Siedlung Rütschlehen, Arbeiterinnen und Arbeiter über Wohnungen in der Nähe von Wiesen und Wald. So weit, so wenig überraschend.

Ungewöhnlich ist jedoch, dass im Rahmen des Projekts „Neues Frankfurt“ im Stadtteil Oberrad auch eine moderne Siedlung mit Häusern und Gewerbeflächen für Gärtnerfamilien gebaut wurde. Die im Vergleich zu anderen Siedlungen, die im Rahmen des „Neuen Frankfurt“ entstanden, relativ kleine Siedlung mit zwanzig Wohnungen in zehn Doppelhäusern, wurde in den Jahren 1926 und 1927 auf dem sogenannten „Teller“, einer dreizehn Hektar großen quadratischen, früher bewaldeten Fläche errichtet. Den Wohnungen zugeordnet sind ebenfalls auf dem Areal errichtete Gärtnerbetriebe, sodass in dem neuen Viertel Wohnen und Arbeiten leicht miteinander verbunden werden konnte und kann. Bauherr war die Gärtnersiedlungsgenossenschaft „Teller“. Zunächst wurden die Häuser an die Bewohnerinnen und Bewohner verpachtet, später wurden sie nach und nach verkauft, was unter anderem zu Grundstücksteilungen und -zusammenlegungen und auch zu Veränderungen der ursprünglichen Bausubstanz führte.

Die mit den für das Neue Frankfurt typischen Flachdächern ausgestatteten Wohnhäuser liegen entlang der Straße „Im Teller“, die die Siedlung durchquert, die Gärtnerbetriebe liegen dahinter. Passend zur quadratischen Fläche, auf der die Gebäude errichtet wurden, weisen die schlicht gestalteten Wohnhäuser ebenfalls kubische Formen auf. Den Norden der Siedlung, die im südöstlichen Bereich des Stadtwalds liegt, begrenzt der Burgenlandweg, den Süden begrenzt der Tellerweg. Der überraschende Ortsname „Teller“, der scheinbar gut zu einer Siedlung für Gärtnerfamilien passt, in der auch Dinge produziert werden, die irgendwann auf dem Teller landen, rührt aber von einer Bezeichnung für etwas ganz Anderes als Küchenutensilien her. Anton Horne hat die Herkunft der Ortsbezeichnung in seinem Aufsatz über „Die Flurnamen ‚Im Teller‘ und ‚Am Gasthaus‘, der 1909 in der Zeitschrift „Alt-Frankfurt“ erschien, erklärt. „Teller“ entstand, wie auch durch die Oberräder Flurbücher bestätigt wird, zunächst aus einer Verschleifung von „d’Eller“ (also: die Eller) zu „Deller“, was dann fälschlicherweise zu „Teller“ verschlimmbessert wurde. „D’Eller“ meinte eine Grauerle und davon abgeleitet auch eine mit Grauerlen bewachsene Fläche. Die Verschleifung „im Deller“ findet sich erstmals im Stamm- und Lagerbuch von 1703.

Dass die Gärtnersiedlung in Oberrad errichtet wurde, war kein Zufall, denn dieser Stadtteil, der früher ein selbstständiger Ort war, war seit jeher die Heimat zahlreicher Gärtnerbetriebe und anderer landwirtschaftlicher Unternehmen. Die Stadt Frankfurt beziehungsweise – nach der Eingemeindung – die Frankfurter Kernstadt wurde aus dem „Gärtnerdorf“ Oberrad vor allem mit frischem Obst und Gemüse versorgt und nicht zuletzt auch mit den Kräutern, die für die Zubereitung der berühmten Grünen Soße notwendig waren. Da lag es nahe, dass die Gärtnergenossenschaft genau hier die innovative Tellersiedlung bauen ließ. Die Entwürfe der Siedlung stammen von Ernst May und von dem Liechtensteiner Architekten Franz Roeckle (1879-1953), der sich nach seiner Zeit als Vertreter des Neuen Bauens nationalsozialistischen Vorstellungen anschloss. Zu den ersten Bewohnern der neuen Siedlung gehörten gleich im Jahr 1926 die damaligen Inhaber der Gärtnerei Schecker, einer Familie, die bereits in vierter Generation einen Gärtnereibetrieb führt. In der Tellersiedlung führte der Enkel des Erstbewohners an gleicher Stelle lange neben der Gärtnerei einen gern besuchten Hofladen, der leider im Jahr 2022 aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden musste.

 

Adresse:

Im Teller

60599 Frankfurt

 

*****

Textquellen: 

So lebt es sich im Denkmal in: Frankfurter Neue Presse, 30.06.2020. 

>https://ernst-may-gesellschaft.de/gartensiedlungen/gaertnersiedlung-teller< abgerufen am 16.03.2026.

>http://www.forum-neues-frankfurt.de/wp-content/uploads/2019/05/Zum-Neuen-Frankfurt-auf-Schienen.pdf< abgerufen am 16.03.2026.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Tellersiedlung< abgerufen am 16.03.2026.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Roeckle_(Architekt)< abgerufen am 16.03.2026.

>https://architectuul.com/architecture/garden-estate-teller< abgerufen am 16.03.2026.

>https://historisches-museum-frankfurt.de/sites/default/files/uploads/raumplan_wie_wohnen_die_leute_hmf.pdf< abgerufen am 16.03.2026.

>https://www.schecker.com/die-gartnerei/< abgerufen am 16.03.2026.

>https://www.schecker.com/scheckers-hofladen/< abgerufen am 16.03.2026.

>https://frankfurt-interaktiv.de/stadtteile/oberrad< abgerufen am 16.03.2026.

 

Bildquellen:

Vorschaubild: TellerSiedlung1, Urheber: Gaki64 via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

TellerSiedlung2, Urheber: Gaki64 via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

 

 

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