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Sommerschnee

Berndt Seite

Hardcover, 124 S., 2020 erscheint demnächst; Bereits vorbestellbar

ISBN: 978-3-86397-134-2
Preis: 15,00 €

Sommerschnee – das sind die luftig-bauschigen Samenfasern der Pappelfrüchte, die sich im Sommer öffnen und die Welt mit ihrem weißen Flaum überziehen: Schnee in der wärmsten Jahreszeit. Mal melancholisch, mal mandelbitter, aber stets in größter Genauigkeit geht Berndt Seite auch in seinem neuen Lyrikband den Erscheinungsformen der Natur nach und lotet in ihnen die Bedingungen des Lebens aus.

Fechenheim

Fechenheim

Ralph Zade

Eine halbe Stunde dauert es, vom Frankfurter Hauptbahnhof nach Fechenheim zu gelangen, eine halbe Stunde in der Straßenbahn Nummer 11, deren Haltestelle sich wenige Schritte vor dem Bahnhofsgebäude befindet. Ein großes Stück der Strecke verläuft, nachdem man Bahnhofsviertel und Altstadt passiert hat, über die Hanauer Landstraße, die Hauptverkehrsachse im Osten Frankfurts, die erst durchs Ostend, dann mehrere Kilometer durch Fechenheim führt. An den Rändern der Straße sieht man vor allem Industrie und Gewerbe, und damit bereits einen wichtigen Bestandteil der Identität des Ortsteils. Kurz vor der Endstation kommt man dann zur Haltestelle Alt-Fechenheim, die, wie der Name sagt, im alten Ortskern liegt, und schließlich zum Ende der Linie an der Schießhüttenstraße, wo sich Grün zeigt. Industrie, ein alter Ortskern, Grün – damit hat man die drei Haupteinflüsse, die Fechenheim prägen, und wenn man sein Wappen betrachtet, das einen Fisch vor Wellen und ein Fischernetz zeigt, zwei weitere: den Main und den Ursprung als Fischerdorf. Die Lage am Main ist es auch, die 1928 zur Eingemeindung Fechenheims nach Frankfurt geführt hat, denn die Erweiterung des Osthafens, die sich auf Fechenheim erstreckte, war der wesentliche Grund derselben.

Die Geschichte von Fechenheim ist lang. Erstmals nachweisbar ist der Name „Vechenheim“ im Jahre 977. Er kommt wohl von „Fach“ – der Begriff geht auf den Fischfang mit Reusen zurück. In den folgenden Jahrhunderten gehörte die Örtlichkeit verschiedenen Grundbesitzern, bevor sie in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zur Grafschaft Hanau bzw. Hanau-Münzenberg kam. Von der Hanauer Zeit ist in Fechenheim allerdings nicht mehr allzu viel zu sehen. Unter den Bauten in der Altstadt, um den Linneplatz herum, der deren Zentrum bildet, finden sich immerhin ansehnliche Fachwerkhäuser, die dem Platz, einem Treffpunkt der Fechenheimer, Atmosphäre verleihen. Der Name „Linneplatz“ erinnert an eine früher hier vorhandene Leinweberei. Zwar wurde der Platz 1928 offiziell in „Burglehen“ umbenannt, um daran zu erinnern, dass Fechenheim in einem Lehensverhältnis zu Frankfurt stand, aber dieser Name wurde von der Bevölkerung nicht angenommen. Auf dem Linneplatz finden auch Fechenheimer Feste statt, im Winter der Weihnachtsmarkt und im Sommer das Fischerfest. Das markanteste Bauwerk aus der Zeit der Zugehörigkeit zu Hanau neben den Fachwerkhäusern und eines der Wahrzeichen von Fechenheim ist die 1771/72 erbaute Melanchtonkirche, die allerdings auch spätere Bauteile hat – 1901 bis 1904 wurde die Kirche renoviert, 1928-30 ein Glockenturm errichtet. Die Buntglasfenster stammen sogar erst aus den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Dennoch bleibt das Erscheinungsbild der Kirche ein barockes. Eine katholische Kirche gab es in Fechenheim erst spät: 1896 wurde die Herz-Jesu-Kirche geweiht, ein historistischer Bau, der seine Entstehung der Tatsache verdankt, dass viele der zugezogenen Industriearbeiter katholisch waren. Nur wenig später, 1902, wurde das Fechenheimer Rathaus erbaut, ebenfalls historistisch, das heute wie die beiden Kirchen als Wahrzeichen Fechenheims gilt.

Die Entwicklung der Industrie begann nach dem Anschluss Fechenheims an die Eisenbahn von Frankfurt nach Hanau, der 1848 erfolgte Der Bahnhof hieß – und heißt heute noch – „Frankfurt Mainkur“ und nicht „Fechenheim“, weil er damals zwischen Fechenheim und Enkheim lag – die Siedlungsgebiete wichen von den heutigen ab. Das heutige Empfangsgebäude wurde in den Jahren 1913 bis 1918 erbaut. Es ist geplant, den Bahnhof stillzulegen, wenn die geplante Nordmainische S-Bahn fertig ist, in deren Rahmen es einen Bahnhof Frankfurt-Fechenheim geben soll. Vorerst (Stand 2023) wird er aber weiter betrieben. Auch die Hanauer Landstraße war ein wichtiger Verkehrsanschluss, und so entstand Industrie an ihren Rändern. Eine wesentliche Rolle für die Industrieansiedlung in Fechenheim spielten die Cassella-Farbwerke. Eine 1870 gegründete Teerfarbenfabrik wurde zu deren Nukleus. Das Cassella-Gebäude trägt noch heute diesen Namen, obwohl es die Firma unter diesem Namen nicht mehr gibt.

1850 hatte Fechenheim noch 1.500 Einwohner, 1900 bereits 6.400, danach wuchs der Stadtteil weiter, heute leben hier mehr als 17.000 Menschen. Die Arbeitsmöglichkeiten zogen auch viele Bürger mit Migrationshintergrund an und so ist der Stadtteil heute einer der multikulturellsten in Frankfurt. Als die Industriearbeitsplätze dann zurückgingen, kam es verstärkt zu Arbeitslosigkeit und sozialen Problemen. So ist Fechenheim heute vor allem im nördlichen Teil auch von wenig wohlhabenden Wohngebieten geprägt, was freilich auch die Nebenwirkung hat, dass Wohnraum in Fechenheim für Frankfurter Verhältnisse günstig ist.

Nicht denkbar wäre Fechenheim ohne den Main. Als Fischerdorf nicht, aber auch als Industriestandort nicht – der Main und der Osthafen spielten bei der Industrialisierung eine wichtige Rolle. Heute allerdings ist der Main vor allem ein Ort, an dem man sich an der Uferpromenade entspannen kann. Der Mainbogen bildet nicht nur die Grenze zwischen Frankfurt und Offenbach, sondern auf seiner Frankfurter Seite verläuft auch der Frankfurter Grüngürtel. Am Ufer gibt es eine Anlegestelle für Ausflugsschiffe. Auf dem Arthur-von-Weinberg-Steg kann man als Fußgänger bequem in den Offenbacher Stadtteil Bürgel überwechseln, die Carl-Ulrich-Brücke ist auch für Autos passierbar und führt in die Offenbacher Kernstadt.

Entspannen kann man auch im Fechenheimer Wald, der ebenfalls Teil des Grüngürtels ist. Er bietet unter anderen ein Refugium für Vögel. Der hier gelegene Fechenheimer Weiher ist durch eine Kiesausbaggerung entstanden. In die Schlagzeilen geraten ist der Fechenheimer Wald mit seinem Mischwaldbestand seit 2021, weil ein Teilstück davon zugunsten der Verlängerung der Autobahn A 66 gerodet werden soll – ein Vorhaben, das Aktivisten mit dem Verweis darauf, dass hier der Heldbock (eine seltene Käferart) vorkommt, zu verhindern suchen. Im Januar 2023 verwarf der Hessische Verwaltungsgerichtshof einen gegen die Rodung gerichteten Eilantrag. Auf diese Weise ist Fechenheim nun auch überregional bekannt geworden.

 

 

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Textquellen:

Fechenheim im Landesgeschichtlichen Informationssystem Hessen abgerufen von >https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11731< am 24.04.2023.

Fechenheim auf frankfurt-tourismus.de abgerufen von >https://www.frankfurt-tourismus.de/Best-of-Frankfurt/Eis-Eis-Baby/Fechenheim< am 24.04.2023.

Fechenheim auf frankfurt.de abgerufen von>https://frankfurt.de/frankfurt-entdecken-und-erleben/stadtportrait/stadtteile/fechenheim< am 24.04.2023.

 

Bericht über Fechenheim in der FNP abgerufen von >https://www.fnp.de/frankfurt/fechenheim-dorf-stadt-10463331.html< am 24.04.2023.

Seite des Frankfurter Stadtplanungsamts zu Fechenheim abgerufen von >https://www.stadtplanungsamt-frankfurt.de/fechenheim_aktiver_kernbereich_9973.html< am 24.04.2023.

Fechenheim auf frankfurt-interaktiv.de abgerufen von >https://frankfurt-interaktiv.de/stadtteile/fechenheim< am 24.04.2023.

Chronik von Fechenheim auf frankfurt.de abgerufen von >https://frankfurt.de/frankfurt-entdecken-und-erleben/stadtportrait/stadtgeschichte/chroniken-der-stadtteile/chronik-von-fechenheim< am 24.04.2023.

Der Fechenheimer Wald auf frankfurt.de abgerufen von >https://frankfurt.de/themen/umwelt-und-gruen/orte/wald/waelder/fechenheimer-wald< am 24.04.2023.

Bericht in der Frankfurter Rundschau über Demonstration im Fechenheimer Wald abgerufen von https://www.fr.de/frankfurt/demo-fuer-fechenheimer-wald-wenn-wir-den-wald-zerstoeren-zerstoeren-wir-uns-92042666.html< am 24.04.2023.

 

Bildquellen:

Vorschaubild: Fechenheim vom Turm der Melanchthonkirche, 2006, Urheber: Steloh via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

 

 

 

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