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Zu Gast in Weimar

George Eliot; deutsche Übersetzung: Nadine Erler

Zu den vielen Künstlern, die es nach Weimar zog, gehörte auch die englische Schriftstellerin George Eliot. Im Sommer 1854 verbrachte sie drei Monate im kleinen, doch weltberühmten Städtchen an der Ilm. George Eliots schriftlich festgehaltenen Eindrücke sind äußerst amüsant. Dieser Blick einer Fremden lässt Weimar in anderem Licht erschienen.

Broschüre, 40 Seiten, 2019


Sossenheim

Sossenheim

Ralph Zade

Sossenheim ist einer der Frankfurter Stadtteile, die sich nicht sofort erschließen. Schon die Anfahrt ist relativ beschwerlich – die Verkehrsanbindung Sossenheims, das einen Teil der Nordwestgrenze Frankfurts bildet und heute gut 16000 Einwohner hat, ist im Wesentlichen durch Busse gewährleistet und man braucht vom Hauptbahnhof aus 30 Minuten. Es gibt, anders als in anderen nach Frankfurt eingemeindeten Orten – die Eingliederung Sossenheims in die Stadt erfolgte 1928 – kein historisches Zentrum, denn der Ursprung als Straßendorf hat die Bildung eines solchen verhindert. Die Wohnbebauung der 60er und 70er Jahre, die für den Stadtteil mit prägend ist, ist nicht sonderlich attraktiv und hat dazu beigetragen, dass Sossenheim bei manchen Frankfurtern einen nicht allzu guten Ruf hat.

Warum also hierherkommen? Auch wenn es kein historisches Zentrum gibt, hat Sossenheim eine lange Geschichte, an die einige Reminiszenzen erinnern. Vor allem aber gibt es mit dem Sossenheimer Unterfeld ein Grüngebiet, das in Frankfurt über Sossenheim hinaus als Ausflugsziel populär ist und am Apfelanbau Interessierten Bemerkenswertes bietet. Überdies ist Sossenheim für Liebhaber der Neuen Frankfurter Schule interessant – deren prominentes Mitglied, der Karikaturist Chlodwig Poth (1930-2004) wohnte hier die letzten 14 Jahre seines Lebens und lieferte in der Serie „Last Exit Sossenheim“, die monatlich in der Satire-Zeitschrift Titanic erschien, bissige, aber doch liebevolle Kommentare zu Sossenheimer Verhältnissen, die über Sossenheim hinaus Beachtung fanden, weil der Ortsteil als exemplarisch für deutsche Vorstädte gelten konnte.

Die Geschichte der Besiedlung im Raum Sossenheim geht bis auf die Vorgeschichte und die Römerzeit zurück, wovon archäologische Funde zeugen. Erstmals namentlich erwähnt wurde „Suzoheim“ – der Name leitet sich von „Heim des Suzo“ her – 1218 im Lorscher Codex, auch eine Kapelle, die Nikolauskapelle, wird erwähnt. Aus diesen Zeiten ist allerdings im heutigen Ortsbild nichts mehr zu sehen. Hervorstechendstes Zeugnis der Vergangenheit ist der Turm der katholischen St. Michaelskirche von 1582 – die Kirche selbst, die der an derselben Stelle stehenden Nikolauskapelle nachfolgte, existiert heute nicht mehr, der Bau von 1582 wurde 1829 durch einen klassizistischen Neubau ersetzt, der seinerseits 1966 einer modernen Kirche Platz machen musste. Der moderne Glockenturm derselben steht in einem interessanten Kontrast zu dem alten Turm. Die evangelische Kirche von Sossenheim wurde 1898 errichtet; ihre mittelalterlich anmutenden Formen sind historistisch. Nötig wurde ihr Bau, weil es im Laufe des 19. Jahrhunderts zum Zuzug evangelischer Arbeiter kam – in dieser Zeit wandelte sich der Ort vom Dorf zum Gewerbestandort, vor allem Ziegeleien siedelten sich hier an. Außerdem gibt es am Ortsausgang nach Höchst noch eine kleine Nothelferkapelle aus den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts. Vervollständigt wird die Liste der christlichen Stätten in Sossenheim durch zwei Kreuze aus dem 18. Jahrhundert, von denen eines vor dem Haus Alt-Sossenheim Nr. 68 und das andere im Bereich Montabaurer Straße/Siegener Straße steht. Unter den weltlichen Bauten stechen die beiden historischen Rathäuser hervor, die beide in der Straße Alt-Sossenheim liegen: das Alte Rathaus, ein barocker Fachwerkbau aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts (Nr. 41) und das klassizistische Haus aus den Jahren 1836/37 (Nr. 62), das ursprünglich als Schule gebaut, dann aber 1912-1928 als Rathaus genutzt wurde. Der Sossenheimer Faulbrunnen – seine Steineinfassung trägt die Aufschrift „Sossenheimer Sprudel“ – weckte in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts Hoffnungen auf einen Heilbad-Status für Sossenheim, dies zerschlug sich aber, nachdem sich herausstellte, dass das Wasser stark schweflig schmeckt und auch entsprechend riecht. Sehenswert sind darüber hinaus einige Grabmäler auf dem Sossenheimer Friedhof. Hier liegt auch die Sossenheimerin Juliane Kinkel (1892-1986) begraben, die sich im Zweiten Weltkrieg ohne Rücksicht auf Selbstgefährdung um die humanitäre Unterstützung französischer Zwangsarbeiter verdient machte.

Südlich der Sossenheimer Bebauung erstreckt sich auf einem bis zur Nidda reichenden Terrain das Sossenheimer Unterfeld. Das Gebiet wird für den Ackerbau, vor allem aber auch für den Obstanbau – Äpfel, Birnen, Zwetschgen – genutzt. Es gibt hier auch das größte Speierling-Vorkommen in Frankfurt – der Saft der Mehlbeeren dieser Bäume wird in kleinen Mengen Apfelwein zugesetzt, der dadurch entstehende herbe Ebbelwoi wird ebenfalls als Speierling bezeichnet, in Sossenheimer Kneipen kann man ihn probieren. Wer sich näher mit dem Obstanbau befassen will, hat auf dem Sossenheimer Obstpfad, einem Lehrpfad, der auf 4,5 Kilometern an 16 Informationsstellen vorbeiführt, die Gelegenheit dazu. Im westlichen Bereich des Unterfeldes hat man zwei Jahre nach dem Tod des bereits genannten Chlodwig Poth zu dessen Ehren die Chlodwig-Poth-Anlage eingerichtet – hier sind auch einige Bilder von ihm reproduziert, die Teil der Werke komischer Kunst sind, die an verschiedenen Stellen des Frankfurter Grüngürtels aufgestellt sind. An einem nach dem Pächter Johann Holler, der hier nach dem Zweiten Weltkrieg eine Nutria-Farm betrieb, „Holler“ genannten Nidda-Altarm hat die Nutria-Population an der Nidda ihren Ursprung. Die mittlerweile beträchtliche Anzahl dieser Biberratten, die sich am Ufer tummeln, geht auf Vorfahren zurück, denen der Ausbruch aus dieser Farm gelang – da die Tiere kaum natürliche Feinde haben, waren die Bedingungen für die weitere Vermehrung günstig. Am Niddaufer wurde in den 50er Jahren zunächst illegal die Siedlung Im Mittleren Sand errichtet, die offiziell Sossenheim III heißt. Die Diskussionen um deren Abriss, der 1997 vor allem mit dem Argument der Verhinderung von Zersiedlung gefordert wurde, sind mittlerweile verstummt. Bei aller Zwiespältigkeit des Standorts bietet die naturnahe Lage bei gleichzeitiger Stadtnähe für deren Bewohner ein attraktives Umfeld.

Sossenheim hat viele Facetten – Historisches und Modernes, problematische Wohngebiete, in denen Maßnahmen zur Verbesserung der sozialen Verhältnisse getroffen werden, neben Baudenkmälern, Grün neben Städtischem. Auch wenn der Stadtteil nicht der erste ist, den man als Frankfurt-Tourist besuchen wird, lohnt sich eine Stippvisite durchaus.

 

*****

Textquellen: 

 

Poth, Chlodwig: Last Exit Sossenheim, Knesebeck, München 1993.

Sossenheim auf frankfurt.de: abgerufen von >https://frankfurt.de/frankfurt-entdecken-und-erleben/stadtportrait/stadtteile/sossenheim< am 03.03.2022

Sossenheim auf frankfurt-interaktiv.de: abgerufen von >https://frankfurt-interaktiv.de/stadtteile/sossenheim< am 03.03.2022.

Website zur Stadtentwicklung in Bezug auf Verbesserungen im Hinblick auf die Sozialstruktur: abgerufen von >https://nachhaltige-stadtentwicklung-hessen.de/kurzprofile/sozstadt-frankfurt-am-main-sossenheim.html< am 03.03.2022.

Zeittafel des Heimat- und Geschichtsvereins Sossenheim: abgerufen von >http://www.hugvs.de/wp-content/uploads/2020/10/16.10.2020-Zeittafel-Sossenheim.pdf< am 03.03.2022.

FR-Bericht über Sossenheim: abgerufen von >https://www.fr.de/rhein-main/angebaute-quartier-11596783.html< am 03.03.2022.

Bericht der Senioren-Zeitschrift anlässlich des 800-jährigen Ortsjubliäums: abgerufen von >https://senioren-zeitschrift-frankfurt.de/wp-content/uploads/2018/03/2_2018_56_57_58_59.pdf< am 03.03.2022.

Webseite der St. Michaels-Kirche zur Kirchengeschichte: abgerufen von >https://st-michael-sossenheim.de/geschichte/geschichte-der-gemeinde< am 03.03.2022.

Seite auf frankfurt.de zu Nidda-Altarmen u. a. in Sossenheim: abgerufen von >https://frankfurt.de/themen/umwelt-und-gruen/orte/stadtgewaesser/nidda/altarme-nidda-iii-griesheim-sossenheim-und-nied< am 03.03.2022.

Seite auf frankfurt.de zm Sossenheimer Obstpfad: abgerufen von >https://frankfurt.de/themen/umwelt-und-gruen/orte/gruenguertel/wege/sossenheimer-obstpfad< am 03.03.2022.

FR-Bericht über die Siedlung Sossenheim III: abgerufen von >https://www.fr.de/rhein-main/siedlung-freier-natur-11558222.html< am 03.03.2022.

 

Bildquellen:

Vorschaubild: Frankfurt-Sossenheim_(Sossenheim_III)_Nidda-Ufer, 2019, Urheber: JLange01 via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Chlodwig Poth 2013, Urheber: MoSchle via Wikimedia Commons CC BY 3.0.

Frankfurt-Sossenheim,_evangelische_Kirche, 2010, Urheber: Karsten11 via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Speierling im Sossenheimer Unterfeld, 2012, Urheber: Frank Behnsen via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

 

 

 

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