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Quatsch Didel Datsch

Kinderreime

von Norbert Neugebauer (Autor), Werner Kiepfer (Autor), Petra Lefin (Illustrator)

Kinder wollen unterhalten sein. Sie lieben Geschichten und Spaß, Rhythmus und Reim.
Das Spiel mit den Worten, die einen ähnlichen Klang aufweisen, fasziniert sie. Der Gleichklang und Rhythmus von Versen lassen sie die (Mutter-)Sprache spielerisch erfassen. Dadurch lassen sie sich schnell auswendig lernen, immer wieder nachsprechen und fördern so das Sprachvermögen. - Mit den liebevollen Zeichnungen von Petra Lefin bietet das Heft Unterhaltung für die ganze Familie.

Das Haus Lichtenstein

Das Haus Lichtenstein

Sabine Gruber

Zu den Häusern der Frankfurter Altstadt, die auf eine besonders lange Geschichte zurückblicken konnten, gehörte das Haus Lichtenstein am Römerberg Nr. 11. Es wurde als so herausragend empfunden, dass die Frankfurter und Frankfurterinnen es zeitweise sogar als ‚Kleinen Römer‘ bezeichneten, im Gegensatz zum nebenan gelegenen ‚Großen Römer‘, dem Frankfurter Rathaus. Erbaut wurde das repräsentative Gebäude bereits im 14. Jahrhundert und 1326 erstmals in zwei verschiedenen Schriftzeugnissen urkundlich erwähnt. Es handelte sich um ein dreistöckiges Steingebäude im Stil der Spätgotik, mit Spitzbögen und drei Dacherkern, dem später noch ein einfacher gehaltenes Hofgebäude hinzugefügt worden war, das sich bis zur Kerbengasse erstreckte. Die Patrizierfamilie, die das Haus Lichtenstein bewohnte, nannte sich nach ihrem Haus „Schurge von Lichtenstein“.

Im Mittelalter wurde das Haus Lichtenstein zu Zeiten der Frankfurter Messe auch als Unterkunft für auswärtige Kaufleute genutzt. Dafür stand die stattliche Zahl von 48 Gästebetten zur Verfügung. Ende des 17. Jahrhunderts wechselte das Haus seine Besitzer und wurde nun von der aus den Niederlanden nach Frankfurt eingewanderten Tuchhändlerfamilie Leerse bewohnt, behielt jedoch seinen ursprünglichen Namen – auch noch als die Mitglieder der Familie Sarasin als nächste Bewohner dort einzogen. Erst seitdem das Haus in den Besitz der Familie Manskopf gelangt war, wurde es auch als „Manskopf“ bezeichnet.

Der Kern des Hauses blieb zwar gotisch, durch einen barocken Umbau erhielt es jedoch ein verändertes Äußeres, das sich vor allem an der Fassade bemerkbar machte. Johann Georg Leerse ließ dem Haus 1725 durch Louis Remy de la Fosse (1659-1726), Baumeister am Darmstädter Hof, ein deutlich eleganteres Äußeres im repräsentativen Stil der Zeit verpassen. Vor allem wurden die Fenster verändert und erhielten in den oberen Geschossen reichgegliederte Umfassungen, und dem Haus wurde ein Zwerchhaus aufgesetzt. Auf dem Giebel durfte ein mit dem Namen des Bauherrn Johann Georg Leerse versehenes Wappen nicht fehlen. Die Innenräume wurden mit prachtvollen Stuckdecken versehen. Vor dem Umbau des Hauses befand sich an seiner Hofseite noch ein Treppenturm. Hundert Jahre nach der Umgestaltung des Hauses Lichtenstein durch Louis Remy de la Fosse hatte sich der Architekturgeschmack stark verändert und die barocke Gestalt des Hauses wurde jetzt als pompös und unpassend empfunden. Dem wollte man durch eine Umgestaltung, vor allem der Fassade, im nüchternen Stil des Empire begegnen. 1822 wurde sie entworfen, jedoch nie ausgeführt, worüber man sich in Frankfurt zu späteren, wieder mehr auf Repräsentation bedachten Zeiten freute. 1839 wurden im Erdgeschoss noch für damalige Verhältnisse moderne Geschäftsräume eingebaut. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg kaufte die Stadt Frankfurt das Haus Lichtenstein und renovierte es umfassend. Auf Wunsch der Stadt wurde das Gebäude jungen Frankfurter Künstlern zur Verfügung gestellt.

Berühmt war das Haus jedoch nicht nur für seine Architektur, sondern für eine damit verknüpfte und für die Adelskreise der Zeit ungewöhnliche Liebesgeschichte. Im März 1793 lernte die junge Herzogin Luise von Mecklenburg-Strelitz (1776-1810) bei einem Ball im Haus Lichtenstein ihren späteren Ehemann Kronprinz Wilhelm von Preußen (später König Friedrich Wilhelm III., 1770-1840) kennen. Auch die Verlobung der beiden wurde später in Frankfurt, im Hotel „Weißer Schwan“, gefeiert.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus Lichtenstein zwar schwer beschädigt, seine besonders stabilen Außenmauern blieben aber bestehen und es war fest vorgesehen, es nach dem Krieg wiederherzustellen. 1946 wurde es dann allerdings durch einen Sturm so schwer beschädigt, dass sich diese Pläne zerschlugen.

 

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Textquellen

Die Baudenkmäler in Frankfurt am Main, Zweiter Band: Weltliche Bauten: Mit 20 Tafeln und 386 Textabbildungen, Frankfurt a. M., 1898.

Die bauliche Entwicklung der Stadt Frankfurt a. M. Fest-Vortrag, gehalten bei Gelegenheit des Gedenktages des 25jährigen Bestehens des Frankfurter Architekten- und Ingenieurvereins am 9. Jannuar 1902 von Oskar Sommer.

Dehio;Gall: Südliches Hessen, München/ Berlin, 1950.

Frankfurt-Lexikon: Mit einem Stadtplan herausgegeben von Waldemar Kramer, Sechste, neubearbeitete Ausgabe, Frankfurt a. M., 1973.

Klötzer, Wolfgang: Frankfurts Alte Gassen, Frankfurt a. M., 1979.

Kriegk, Georg Ludwig: Geschichte der Stadt Frankfurt am Main in ausgewählten Darstellungen, Nach Urkunden und Acten, Frankfurt a. M., 1871.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_Lichtenstein< abgerufen am 16.06.2024.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Remy_de_la_Fosse< abgerufen am 16.06.2024.

 

Bildquellen:

Vorschaubild: Frankfurt Am Main-Lichtenstein-1910, Urheber: Mylius via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Haus Lichtenstein im 17. Jahrhundert, Aquarell von C. T. Reiffenstein, 1873 via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Friedrich Wilhelm III. und Luise von Preußen, Gemälde um 1800, Urheber: Friedrich Georg Weitsch via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

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