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Ein Buch, das zu Herzen geht

Klinikclown Knuddel erinnert an die vielen Kindern und Jugendlichen, die er begleiten durfte, und in seinen Geschichten lässt er ihr Wesen und ihre Persönlichkeit nochmals aufleben. Geschichten über die Liebe und einen Clown im Sterbezimmer.

Die Kronberger Fehde

Die Kronberger Fehde

Ralph Zade

Am 14. Mai 1389 erlitt die Freie Reichsstadt Frankfurt im Kampf gegen die Ritter von Kronberg eine schwere militärische Niederlage, die manche als die schwerste der Geschichte des unabhängigen Frankfurt bezeichnen, wenngleich die Zahl der Gefallenen im Vergleich zu späteren kriegerischen Auseinandersetzungen relativ gering erscheint. In der Schlacht bei Eschborn wurden von den knapp 2.000 Mann, die aus Frankfurt ausgerückt waren, 40 bis 100 getötet und etwa 620 gefangengenommen. Dass die gegnerische Streitmacht – sie bestand nicht nur aus Kronberger Rittern, sondern auch aus mit diesen verbündeten Pfälzern und Hanauern – nicht wesentlich mehr Frankfurter tötete, lag wohl daran, dass diese sich schnell zur Flucht wandten, aber auch daran, dass man für Gefangene Lösegeld verlangen konnte, was einen Anreiz dafür bot, Gegner nicht zu töten, sondern gefangen zu nehmen. Da die in die Flucht geschlagene Streitmacht den Löwenanteil des bewaffneten Schutzes der Stadt darstellte, hätten die gegnerischen Kräfte wohl sogar Frankfurt einnehmen können. Sie griffen es aber nicht an – wohl deshalb, weil die Dunkelheit hereinbrach. Dass es dem zahlenmäßig weit unterlegenen Aufgebot der Kronberger und ihrer Verbündeten – es umfasste wohl gegen 400 Mann – gelingen konnte, das viel stärkere Kontingent der Frankfurter zurückzuschlagen, lag an ihrer überlegenen Kampfkraft, vor allem an den etwa hundert Reitern, die mit ihren Pferden in die Linien der Frankfurter Fußtruppen eindrangen, und an der besseren Ausbildung – unter den Gegnern Frankfurts fanden sich auch Berufssoldaten. Die Frankfurter Streitmacht, die von Mitgliedern der Patrizierfamilien der Stadt angeführt wurde, setzte sich zur Hälfte aus nicht allzu zuverlässigen Söldnern, zur Hälfte aus Mitgliedern von Handwerkerzünften zusammen. Die Größe der Aufgebote der Kontrahenten mag nach heutigen Maßstäben gering erscheinen, nach damaligen war sie das nicht – Frankfurt hatte damals gerade einmal 10.000 Einwohner.

Im Heiligen Römischen Reich war es durchaus üblich, Streitigkeiten per Fehde auszutragen – die Kontrahenten konnten sehr unterschiedliche sein. Reichsstädte wie Frankfurt waren dabei eine Art Staat im Staate mit einer „Außenpolitik“, die darauf abzielte, mit anderen Städten Bündnisse zu schließen, um sich gegen äußere Bedrohungen verteidigen zu können. Frankfurt hatte solche Bündnisse auf begrenzte Zeit insbesondere immer wieder mit den Reichsstädten in der Wetterau geschlossen, nämlich mit Gelnhausen, Wetzlar und Friedberg. Der Konflikt der Frankfurter mit den Kronbergern spiegelte einen im Reich verbreiteten wider – nämlich den zwischen Reichsstädten und Fürsten- und Ritterherrschaften, wobei es sich bei den Rittern häufig um Raubritter handelte. Gerade Frankfurt war für Raubritter interessant, denn es war, vor allem der günstigen Verkehrsverbindungen wegen, schon damals ein wichtiger Handelsplatz – man konnte also Kaufleute auf dem Weg von oder nach Frankfurt überfallen und auf diese Weise reiche Beute machen. Das galt insbesondere zu Messezeiten – schon damals war Frankfurt eine mit entsprechenden Privilegien ausgestattete, wichtige Messestadt.

Frankfurt auf der einen und die Ritter Johann, Walther und Frank von Kronberg sowie Ulrich von Hanau auf der anderen Seite hatten sich gegenseitig die Fehde erklärt, wobei Frankfurt aufgrund der politischen Situation nicht mit der Hilfe anderer Reichsstädte rechnen konnte. Es wurden gegenseitig Überfälle und Sachbeschädigungen begangen. Schließlich zogen Frankfurter Truppen aus, um die Burg Kronberg einzunehmen. Auf Kronberger Gebiet begingen sie eine besonders schwerwiegende Sachbeschädigung, indem sie Kastanienbäume schälten – hierbei handelte es sich um Esskastanien (Maronen) tragende Bäume, die von besonderem Wert waren.

Die die Fehde entscheidende Schlacht hatte den bereits beschriebenen Ausgang. Um die Gefangenen wieder auszulösen musste Frankfurt 73.000 Goldgulden zahlen – eine sehr beträchtliche Summe, die auch eine so reiche Stadt wie Frankfurt nicht ohne weiteres aufbringen konnte, sodass Schulden gemacht werden mussten, die die Stadtkasse für Jahrzehnte belasteten. Noch Anfang des 16. Jahrhunderts klagte der Stadtschreiber Melchior Schwarzenberger, dass zu seiner Zeit noch Schulden hätten bezahlt werden müssen, die ihren Ursprung in den Geschehnissen von 1389 hatten. Immerhin konnten durch die Schuldenaufnahme 1394 die letzten Gefangenen zurückkehren.

Trotz der durchaus dramatischen Folgen der Auseinandersetzung kam es schon in den 90er Jahren des 14. Jahrhunderts zu Bündnisverträgen mit den einstigen Gegnern. Hier siegte der Pragmatismus. Die Zeit der Fehden – mit anderen Gegnern – war damit allerdings noch nicht vorbei.

Heute ist die Zeit der Feindschaft zwischen Frankfurt und Kronberg endgültig Geschichte. Kronberg im Taunus ist jetzt eine Kleinstadt im Einzugsbereich von Frankfurt, die ein beliebtes Wohngebiet für wohlhabende Frankfurter darstellt – fast nirgendwo im Frankfurter Umland liegen Wohn- und Grundstückspreise so hoch. Der Ort bietet sich aber auch als Ausflugsziel an. Teile der Burg Kronberg, nämlich die Oberburg und Teile der Mittelburg, existierten schon zum Zeitpunkt der hier geschilderten Ereignisse, auch wenn sie später ergänzt und baulich überformt wurden. Im Ritterzimmer des Burgmuseums findet sich ein – allerdings erst aus dem frühen 16. Jahrhundert stammendes – Gemälde eines anonymen Künstlers, das auf zwei übereinander angeordneten und von einem Spruchband getrennten Bildfeldern als detailreiches Wimmelbild die Schlacht bei Kronberg (d. h. die Schlacht bei Eschborn) darstellt. Anhand der Fahnen lassen sich die Truppen der Streitbeteiligten zuordnen. Ähnliche Bilder gibt es im Historischen Museum Frankfurt und auf Schloss Assenheim. Das älteste ist aber das in Kronberg – es soll einen heute verlorenen Wandteppich zum Vorbild gehabt haben.

 

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Textquellen:

Roemer-Büchner, Benedict: Niederlage der Bürger von Frankfurt vor Cronenberg 1389 in: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst, Neue Folge, Erster Band, Frankfurt, 1860, S. 132-160.

Seite der Stadt Eschborn zur Schlacht bei Eschborn: abgerufen von >https://www.eschborn.de/stadt-kultur-und-tourismusinformationen/museum/die-ritter-von-eschborn-und-ihre-turmburg< am 28.05.2023.

Webseite der Historischen Gesellschaft Eschborn zur Schlacht von Kronberg/Eschborn: abgerufen von >http://www.historische-eschborn.de/berichte/HG/Schlacht_von_Kronberg/schlacht_von_kronberg.html< am 28.05.2023.

Beitrag in der FNP: abgerufen von >https://www.fnp.de/lokales/hochtaunus/kronberg-ort79545/triumph-harten-kerle-10449447.html< am 28.05.2023.

Bücher, Karl: Die Bevölkerung von Frankfurt am Main im XIV. und XV. Jahrhundert, social-statistische Studien, Tübingen, 1886 abgerufen von >https://archive.org/details/diebevlkerungv01bcuoft/mode/1up< am 28.05.2023.

 

Bildquellen:

Vorschaubild: Museumsnacht frankfurt main 2018 020, Schlacht bei Kronberg, Ausschnitt Historisches Museum Frankfurt am Main, Urheber: Klaus Graf via Wikimedia Commons CC0.

Schlacht bei Kronberg 1389; Urheber: unbekannt via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Burg-Kronberg-JR-E-65-2010-04-18, 2010, Urheber: Johannes Robalotoff via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0 de.

 

 

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