„Selbigen Abend als das Treffen sich geendet, ward das Städtlein Hoechst von den Ligistischen wieder eingenommen und alle Braunschweigische, so da betreten, niedergemacht. Das Schloß war mit einer ziemlichen Guarnison besetzt, deren Befehlshaber sich revolvieret, wann sie kein Quartier haben koenten, wolten sie Feuer in das Pulver stecken, und sich also mit dem Schloß in die Luft sprengen: Darauf ihnen zwar Quartier versprochen, und mit weissen Staeben abzuziehen veraccordiert worden. Weil sie aber zuvor so heftig daselbst tyrannisieret und die armen Weibs=Personen und Kinder unverschuldter Weise niedergehauen, auch einen alten Pfaffen castrieret, hat General Tilly, aus Antrieb des obersten Leutenants Einetten, sie alle niederhauen lassen.“
So beschrieb Johann Philipp Abelin im 1662 in Frankfurt erschienenen ersten Band des „Theatrum Europaeum“ (S. 633) einen der Schlussakte der Schlacht bei Höchst, die 40 Jahre vorher, am 20.6.1622, stattgefunden hatte. Höchst war damals noch kein Teil von Frankfurt, sondern Mainzer Territorium und damit katholisch. Die ligistischen Truppen, die der katholischen Liga also, gewannen diese Schlacht gegen die protestantischen Verbände unter der Führung Christians von Braunschweig-Wolfenbüttel und eroberten Höchst für die Katholiken zurück. Wie aber war es zu dieser Schlacht gekommen?
Knapp zwei Monate vorher, am 27.4.1622 hatte Tilly, der bekannte katholische Heerführer, bei Mingolsheim in der Nähe von Karlsruhe eine Niederlage gegen ein von Ernst von Mansfeld geführtes Heer des sogenannten Winterkönigs von Böhmen, Pfalzgraf Friedrich V., erlitten (die Annahme der böhmischen Krone durch Friedrich hatte eine wesentliche Rolle beim Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges gespielt). Infolgedessen zog er sich mit seinen Truppen zurück. Um diese Situation auszunutzen und sein Heer mit dem Mansfelds und dem von Georg Friedrich von Baden-Durlach zu vereinigen, was eine Übermacht gegenüber den Katholiken gebracht hätte, zog der (nach seiner Geburtsstadt so benannte) „tolle Halberstädter“, der auch als „wilder Herzog“ bezeichnet wurde, und gerade einmal 23 Jahre alt war, nach Süden. Am 15.6. erreichte er mit seinem Heer von 12.000 Mann Infanterie, 5.000 Mann Kavallerie und drei Geschützen Mainzer Gebiet. Eine Mainüberquerung in Frankfurt, wo es eine Brücke gab, war nicht möglich, weil Frankfurt, damals eine freie Reichsstadt, neutral bleiben wollte, und sich deshalb weigerte, Zutritt zu gewähren. Um den Main überqueren und dafür eine Brücke bauen zu können, eroberte eine Vorhut von Christians Truppen deshalb gegen schweren Widerstand die Stadt Höchst. Die Gewalt, die den Einwohnern dann angetan wurde, klingt in der oben zitierten Textpassage an – sie war allerdings beiden Kriegsparteien gemeinsam, die andere rächte sich nach der Rückeroberung durch „Niederhauen“ der Besatzer, ein modernes Kriegsrecht gab es noch nicht. Das Material – vor allem Holz – für den dann folgenden Brückenbau wurde teilweise in Frankfurt gekauft. Nach der Mainüberquerung organisierten sich die Truppen in Sossenheim, heute ein Stadtteil von Frankfurt, damals ein unabhängiges Dorf.
Derweil näherten sich die Truppen Tillys, die Anfang Mai in der Schlacht bei Wimpfen das Heer Georg Friedrichs von Baden-Durlach geschlagen hatten. Ihr Ziel war es, die Vereinigung der Heere Christian von Braunschweigs und Ernst von Mansfelds zu verhindern. An dem schwer befestigten Frankfurt und dem Dorf Rödelheim (heute ebenfalls ein Stadtteil von Frankfurt) vorbei zogen die Katholiken – das Heer Tillys wurde durch das des spanischen Heerführers Gonzalo Fernández de Córdoba verstärkt – in Richtung Main. Mit 16.000 Infanteristen und 13.000 Reitern war das katholische Heer dem evangelischen zahlenmäßig überlegen, vor allem aber verfügte es über deutlich mehr Geschütze.
Die überlegene Artillerie war es dann auch, die einen wesentlichen Beitrag zum Ausgang der Schlacht lieferte. Zwei der drei Geschütze der Protestanten waren bald zerstört. Ein Kavallerieangriff, den sie begannen, um dies wettzumachen, wurde blockiert. Schließlich waren Christians Truppen genötigt, den Rückzug über die Brücke anzutreten, der teilweise in Panik erfolgte. Am Ende kamen mehr Protestanten durch Ertrinken ums Leben als durch Feindeinwirkung. Christian von Braunschweig selbst konnte mit einem Teil seiner Truppen entkommen. Wichtig war dabei auch, dass die Kriegskasse gerettet wurde – das Geld sollte der Bezahlung der Truppen Ernst von Mansfelds dienen. 2000 Mann Verlusten auf protestantischer Seite standen nur 100 bei den Katholiken gegenüber.
Besonders verheerend war die Schlacht für das völlig zerstörte Sossenheim – nicht nur der Ort war zerstört, sondern auch die umliegenden Felder, was dazu führte, dass die Einwohnerzahl des Dorfes stark absank.
Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel verlor im weiteren Verlauf des Jahres 1622 den linken Arm, vier Jahre später starb er im Alter von 26 Jahren nach einer ungeklärten Krankheit – vielfach wird ein Zusammenhang mit dem Armverlust vermutet. Aber auch Tilly erlebte das Ende des Dreißigjährigen Krieges nicht. 1632 starb er an den Folgen einer schweren Oberschenkelverletzung durch eine Arkebusenkugel.
Für Höchst war der Krieg noch nicht vorbei. 1631 wurde es nochmals von protestantischen Truppen besetzt, diesmal unter Gustav Adolf von Schweden. Eine weitere Besetzung, unter Bernhard von Weimar, führte zur Zerstörung des Höchster Schlosses. Am Ende des Krieges, 1648, gab es in der Stadt nur noch 52 Haushaltungen. Einen Aufschwung erlebte die Stadt dann erst wieder im 18. Jahrhundert. Frankfurt dagegen gelang es, während des gesamten Dreißigjährigen Krieges neutral zu bleiben und damit einer Zerstörung zu entgehen.
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Textquellen:
Abelin, Johann Philipp: Theatrum Europaeum, Band 1, Frankfurt am Main 1662, Seite 630–633.
Pfenninger, Markus: 1622 – Die Schlacht bei Höchst. Tredition, Hamburg, 2022.
Webseite über die Einbeziehung Sossenheims in die Geschehnisse abgerufen von >http://www.hugvs.de/wp-content/uploads/2019/05/Schlaglichter_Schlacht_von_H%C3%B6chst.pdf< am 16.03.2026.
Beitrag in der FAZ zur Schlacht von Höchst abgerufen von >https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/dreissigjaehriger-krieg-tore-auf-fuer-den-schwedenkoenig-17865058.html< am 16.03.2026.
Bildquellen:
Vorschaubild: Hoechst am Main 1625 Daniel Meisner via Wikimedia Commons Gemeinfrei.
Schlacht bei Höchst Merian 1622 via Wikimedia Commons gemeinfrei.
Tilly Rüstung, Urheber: unbekannt via Wikmedia Commons public domain.
Meyer5 Frankfurt Sodener Bahn, 1893, Urheber: unbekannt via Wikimedia Commons Gemeinfrei.
Christianbraunschweig, 1850, Urheber: unbekannt via Wikimedia Commons Gemeinfrei.