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Krabat

Florian Russi | Andreas Werner

Krabat ist die bekannteste Sagenfigur aus der Oberlausitz. Das Müllerhandwerk und das Zaubern hatte er vom "schwarzen Müller" erlernt, von dem man gemunkelte, dass er mit dem Teufel im Pakt stand. Irgendwann musste es zum Machtkampf zwischen Meister und Schüler kommen.

Die Hauptwirkungsstätte Krabats war die Mühle in Schwarzkollm, einem Dorf, das heute zu Hoyerswerda gehört. Die Mühle besteht noch und hat nach umfänglicher Restaurierung nichts von ihrer Romantik und Magie verloren. Seit 2012 finden hier die Krabat-Festspiele statt.

Frankfurt im Bombenkrieg

Frankfurt im Bombenkrieg

Ralph Zade

Wer nach Frankfurt kommt, die Stadt nicht kennt, und touristentypisch zuerst in die Innenstadt fährt, der findet zwischen dem Römerberg und dem Dom die Frankfurter Altstadt vor. Oder zumindest etwas, das so aussieht wie eine Altstadt, denn eine wirkliche Altstadt gibt es in Frankfurt nicht mehr. Fast alles, was heute wie eine Altstadt erscheint, ist rekonstruiert, mal mehr, mal weniger gut. Praktisch alle Frankfurter Baudenkmäler, ausgenommen die Leonhardskirche und das Haus Wertheim, die der Zerstörung entgingen, sind Nachkriegsversionen historischer Vorbilder, oder zumindest in Teilen neu. Die Versehrung, die Frankfurt im Zweiten Weltkrieg erlitten hat, ist für jeden, der genauer hinschaut, deutlich sichtbar. Und sie prägt die Stadt bis in die Gegenwart.

Der Luftkrieg, der dem Zweiten Weltkrieg ein besonderes Gesicht geben sollte, einen Verlauf, der die Zivilbevölkerung viel stärker betraf als die Kriege vorher, begann unmittelbar zu Anfang des durch Deutschland begonnenen Krieges am 1.9.1939 mit der Bombardierung der polnischen Stadt Wieluń durch die deutsche Luftwaffe. Es folgten Angriffe auf Warschau, Rotterdam und auf englische Städte, von denen die Bombardierung von Coventry am prominentesten ins kulturelle Gedächtnis eingegangen ist. Die englischen Luftangriffe auf Deutschland setzten im Mai 1940 ein – erstes Ziel war Mönchengladbach.

Frankfurt erlebte am 4.6.1940 einen ersten Angriff, der das Gallusviertel traf und sieben Todesopfer forderte. Im Verlauf des Jahres 1940 folgten weitere Angriffe, die im Vergleich zu dem, was noch kommen sollte, relativ geringfügig ausfielen. Von Dezember 1940 bis Mai 1941 blieb die Stadt verschont – man nutzte die Zeit für die Errichtung von Luftschutzbunkern, die jedoch nur einen kleinen Teil der Bevölkerung aufnehmen konnten. Vom 12. auf den 13.9.1941 gab es den bis dahin schwersten Angriff, dem acht Menschenleben zum Opfer fielen. Im Oktober gab es einen weiteren Angriff. Am 11.12.1941 erklärte Deutschland – vier Tage nach dem Überfall des verbündeten Japan auf Pearl Harbor – den USA den Krieg.

Im Februar 1942 änderte Großbritannien seine Luftkriegsstrategie. Während man bis dahin Ziele von militärischer Bedeutung bombardiert hatte, setzte man nun auf Angriffe auf die Zivilbevölkerung, um diese zu demoralisieren. Im Jahre 1942 hielten sich die Angriffe auf Frankfurt dennoch in Grenzen. Bis Jahresende kam eine zweistellige Zahl von Menschen ums Leben. Der materielle Schaden war größer, erreichte aber auch noch kein Ausmaß, das als verheerend beschrieben werden könnte. Im Laufe des Jahres 1942 griffen auch die USA in den Luftkrieg gegen Deutschland ein.

Bei den nun geführten Angriffen gegen Wohngebiete und Innenstädte ging man systematisch vor. Die Planung wurde – soweit vorhanden – anhand von Katasterkarten vorgenommen. Als Hauptangriffsziel wurde bevorzugt ein Zielgebiet ausgewählt, in dem viele Häuser mit Holzbestandteilen standen, die man in Brand setzen konnte. Es gab eine Vorhut aus sogenannten Pathfindern, die Leuchtkörper abwarf, um für die folgenden Flugzeuge das Zielgebiet zu markieren. In dieses Zielgebiet warf die erste Bomberwelle Sprengbomben, die die Dächer der Häuser absprengten. In die dadurch freigelegten hölzernen Dachstühle hinein warf die zweite Bomberwelle dann Brandbomben, mit denen die Bebauung großflächig in Brand gesetzt wurde. Ziel dieser Strategie war es letztlich, einen Feuersturm zu entfesseln, bei dem durch die Hitzeentwicklung ein alles mit sich reißender starker Luftstrom erzeugt wird – von einem Inferno zu sprechen, erscheint in diesem Zusammenhang nicht übertrieben.

Der erste wirklich schwerwiegende Angriff auf Frankfurt war der vom 4.10.1943. Daran waren 400 Flugzeuge beteiligt. Nachdem zunächst die Kupferwerke in Heddernheim bombardiert worden waren, folgte ein Angriff auf die Frankfurter Altstadt, die durch ihre zahlreichen Fachwerkhäuser viele Holzbestandteile aufwies, was sie zum idealen Ziel im Sinne der beschriebenen Vorgehensweise machte. Der Angriff traf aber nicht den Altstadtkern, sondern vor allem den Ostteil der Stadt, richtete dort schweren Schaden an und kostete über 500 Menschen das Leben, ließ die wichtigsten historischen Baudenkmäler dabei jedoch unversehrt. Auch zu einem Feuersturm kam es nicht. Die schweren Angriffe folgten nun in kürzeren Abständen – am 25.11. und 20.12.1943, am 29.1., am 4.2. und am 11.2.1944. Auch die amerikanische Luftwaffe war nun immer stärker beteiligt. Inzwischen hatte ein beachtlicher Teil der Frankfurter Bevölkerung die Stadt verlassen, um auf dem Land Zuflucht zu suchen.

Den Todesstoß gaben dem Alten Frankfurt die beiden britischen Luftangriffe am 18.3. und 22.3.1944, die praktisch die gesamte Frankfurter Altstadt zerstörten. Den beiden, jeweils mit über 800 Flugzeugen geflogenen Angriffen fielen unter anderem zum Opfer, d. h. wurden zerstört oder schwer beschädigt: die Paulskirche, das Karmeliterkloster, das Fischerfeldviertel, die Fahrgasse, das Haus Fürsteneck, das Hospital zum Heiligen Geist, die Deutsch-reformierte Kirche und die Französisch-reformierte Kirche (beide nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut), das Dominikanerkloster, der Bartholomäusdom, die Liebfrauenkirche, die Katharinenkirche, die Peterskirche, die Weißfrauenkirche, das Schopenhauerhaus und, an Goethes Todestag, dem 22.3., der Große Hirschgraben und das Goethehaus, dazu sämtliche Fachwerkhäuser der Innenstadt, über 1.000, mit Ausnahme des eingangs genannten Hauses Wertheim. Die Aufzählung ist bei weitem nicht vollständig. Immerhin boten mittelalterliche Keller unter den Häusern, die man miteinander verbunden hatte, der Bevölkerung Schutz, sodass die Anzahl der Todesopfer begrenzt werden konnte – beim ersten Angriff starben etwa 420 Menschen, beim zweiten etwa 1.000. Beim ersten Angriff wurden über 50.000 Menschen obdachlos, beim zweiten 120.000.

Bis zum Kriegsende gab es noch eine ganze Reihe weiterer Bombenangriffe – im Verhältnis zu den Märzangriffen 1944 fielen sie kaum ins Gewicht. Insgesamt starben infolge des Luftkriegs in Frankfurt 5.559 Menschen, darunter auch mehrere hundert Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Die Anzahl der Luftkriegstoten war damit in Frankfurt sehr viel niedriger als in anderen deutschen Städten, wie etwa Hamburg oder Dresden. Etwa die Hälfte des Wohnraums in der Stadt wurde zerstört, nicht nur in der Innenstadt, sondern auch in mehreren Vororten.

Wie auch immer man die Angriffe moralisch bewerten mag – begonnen hatten den Krieg, und auch den Luftkrieg, die Nazis – so waren sie doch letztlich sinnlos, denn das Ziel, die Demoralisierung der Bevölkerung, wurde im Großen und Ganzen verfehlt.

 

 

*****

Textquellen:

Hils-Brockhoff, Evelyn; Picard, Tobias: Frankfurt im Bombenkrieg: März 1944, Gudenberg, 2004.

Friedrich, Jörg: Der Brand, Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945, Rheda-Wiedenbrück/Gütersloh, 2003.

Overy, Richard: Der Bombenkrieg: Europa 1939 bis 1945, Berlin, 2014.

Bericht aus „Die Welt“ zu Frankfurt im Bombenkrieg: abgerufen von >https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article190613659/Bombenkrieg-1944-Frankfurt-wirkt-wie-ein-vergroessertes-Pompeji.html< am 30.04.2023.

Seite auf skyline.de zum Bombenkrieg: abgerufen von >https://www.skylineatlas.de/luftangriffe-auf-frankfurt-am-main/< am 30.04.2023.

Seite zum Luftkrieg auf der Webpräsenz des Deutschen Historischen Museums: abgerufen von >https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/kriegsverlauf/luftangriffe.html< am 30.04.2023.

 

Bildquellen:

Vorschaubild: Luftbild der Altstadt vom März 1945, vorn der Kaiserdom St. Bartholomäus, Urheber: unbekannt; aus der Privatsammlung Mylius via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

St. Leonhardskirche, 2021, Urheber: Carolin Eberhardt.

Luftbild der Altstadt vor der Zerstörung, ca. 1942, Urheber: unbekannt; Bildarchiv Foto Marburg & Kieler Luftbildarchiv via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

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