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Bedeutung und Anwendung von Heil- und Gewürzpflanzen

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Georg Philipp Telemann in Frankfurt

Georg Philipp Telemann in Frankfurt

Sabine Gruber

Georg Philipp Telemann (1681-1767), geboren in Magdeburg und gestorben in Hamburg, einer Stadt, der er durch jahrelange Arbeit verbunden war, komponierte dennoch bis 1761 in jedem dritten Jahr einen Kantatenjahrgang für die Frankfurter Barfüßerkirche, weil er seiner Familie das Bürgerrecht der Handelsstadt erhalten wollte. Was verband den berühmten Komponisten des Barock mit der Stadt am Main, deren Bürgerrecht ihm so wichtig war, dass er noch aus Hamburg in regelmäßigen Abständen Kantaten dorthin schickte?

Nach einer Schulzeit in Magdeburg und Hildesheim, während der bereits sein herausragendes musikalisches Talent erkannt wurde, und einem von seiner Familie gewünschten Jurastudium in Leipzig, währenddessen er auch als Musiker tätig war (unter anderem übernahm er 1702 die Leitung Oper am Brühl), sowie mehreren kurzen Aufenthalten an Höfen, kam Telemann 1712 nach Frankfurt am Main. Eine Laufbahn als Jurist kam für ihn nicht infrage, sondern er wurde dort städtischer Musikdirektor und Kapellmeister an der Barfüßerkirche und der Katharinenkirche (bis 1718) und erarbeitete sich in seinen Positionen großes Ansehen in der Musikwelt. Die Ende des 18. Jahrhunderts abgerissene Barfüßerkirche war damals die städtische Hauptkirche Frankfurts. Nach ihrem Abriss wurde sie durch den Neubau der Paulskirche ersetzt. Telemann war für die musikalische Gestaltung der Gottesdienste an den beiden Kirchen verantwortlich.

Neben seiner hauptberuflichen Arbeit gab Telemann Konzerte für die Patriziergesellschaft Frauenstein und erwies sich auch auf gesellschaftlichem Parkett stets als gewandt und geschickt. Die auf das Mittelalter zurückgehende Gesellschaft ist eine Vereinigung Frankfurter Familien, die auch mit mehreren Mitgliedern im Rat der Stadt vertreten war. Telemanns vielfältige Aktivitäten für die Gesellschaft waren, wie im Jahrgang 1874 der "Mittheilungen des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde" berichtet, auch Thema bei einer Sitzung des Geschichtsvereins am 4. September 1873: "Er vereinigte die Stelle eines Kapellmeisters der Barfüsserkirche mit der eines Dieners, Zinshebers und Hausverwalters der Gesellschaft Frauenstein, und hielt daneben in deren Besitzthum 'zum Braunfels' auch noch ein Tabakscollegium, welches ihm am meisten eingetragen zu haben scheint." Auch das Collegium musicum der Gesellschaft Frauenstein leitete Telemann. Die Konzerte des Kollegiums, die nicht öffentlich waren, fanden erst einmal die Woche, später alle vierzehn Tage an Donnerstagen statt.

Nachdem er 1714 das Frankfurter Bürgerrecht erworben hatte und durch seine Heirat mit der jungen Maria Catharina Textor (1697-1775) fand er endgültig Zugang zur einheimischen Frankfurter Gesellschaft, die trotz ihrer Weltoffenheit Neubürger oft erst einmal kritisch betrachtete. Die ersten sechs der neun Kinder des Paares kamen in Frankfurt zur Welt.

Telemann komponierte in Frankfurt Kantaten und Oratorien für die Barfüßerkirche, aber auch Opern, Kammermusik und Gelegenheitswerke. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Aufführung seiner "Brockes-Passion" (nach dem Dichter Barthold Heinrich Brockes [1680-1747] benannt) am 2. April 1716 in der Barfüßerkirche zuteil. Irmgard Scheitler schreibt darüber in ihrem Werk über "Deutschsprachige Oratorienlibretti. Von den Anfängen bis 1730": "Telemann begründete mit seiner Brockes-Passion die Frankfurter konzertante Kirchenmusik. Die Aufführung eines poetischen Oratoriums in einer Hauptkirche war ein Durchbruch."

1721 konnte Telemann dann die begehrte Position als Musikdirektor der Hamburger Hauptkirchen und Kantor am Johanneum antreten und verließ Frankfurt nach sieben Jahren. Stärker als Frankfurt galt Hamburg damals als ein Zentrum des Musiklebens. Durch die Kantatenjahrgänge, die er auch in den folgenden Jahren regelmäßig aus Hamburg nach Frankfurt schickte, beeinflusste Telemann dort weiterhin das Musikleben. Telemanns Ehe mit Maria Catharina geriet Anfang der 30er Jahre in eine Krise, nachdem sie eine hohe Summe im Glücksspiel verloren hatte und ihr wohl auch Ehebruch vorgeworfen wurde. Sie verließ Hamburg und kehrte enttäuscht und finanziell angeschlagen in ihre Frankfurter Heimat zurück.

Die Frankfurter Universitätsbibliothek besitzt heute eine besonders umfangreiche Sammlung von Telemanns Kantaten. An den Aufenthalt des berühmten Komponisten in der Stadt erinnert außerdem eine Straße im Frankfurter Westend, die vom Grüneburgweg zur Staufenstraße verläuft. 1992 wurde die Frankfurter Telemann-Gesellschaft gegründet.

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Textquellen

Fischer, Roman: Telemann, Georg Philipp in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), abgerufen von >http://frankfurter-personenlexikon.de/node/1445< am 30.06.2020.

Frankfurt-Lexikon: Mit einem Stadtplan herausgegeben von Waldemar Kramer, sechste, neubearbeitete Ausgabe, Frankfurt a. M., 1973.

Scheitler, Irmgard: Deutschsprachige Opernlibretti: Von den Anfängen bis 1730, Paderborn u. a., 2005.

Maria Stalljohann-Schemme: Stadt und Stadtbild in der frühen Neuzeit. Frankfurt am Main als kulturelles Zentrum im publizistischen Diskurs. Berlin/Boston 2017

Mitteilungen an die Mitglieder des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde in Frankfurt a. M., fünfter Band enthaltend Nr. 1-4, erschienen März 1874, Juli 1875, Mai 1877 und Mai 1879, Frankfurt a. M. o. J.

>http://telemann.info/index.php/telemann-und-frankfurt< abgerufen am 30.06.2020.

>https://www.uni-marburg.de/musik-in-hessen/themen/frankfurt/telemann< abgerufen am 30.06. 2020.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Philipp_Telemann< abgerufen am 30.06.2020.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Barf%C3%BC%C3%9Ferkloster_(Frankfurt_am_Main)< abgerufen am 30.06.2020.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Zum_Frauenstein< abgerufen am 30.06.2020.


Bildquellen:

Vorschaubild: Georg Philipp Telemann, koloriertes Aquatintablatt von Valentin Daniel Preisler nach einem verschollenen Gemälde von Ludwig Michael Schneider (1750) via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Georg Philipp Telemann, Lithograph by Johann Andreas Hatzfeld after the engraving by Lichtensteger, c. 1825 via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Der Innenraum der Barfüßerkirche, 1653, Urheber: unbekannt via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Farbbild der Fassaden der Häuser Frauenstein (links) und Salzhaus (rechts), Urheber: Fotograf vermutlich Carl Friedrich Fay (1853-1919), Carl Hertel (1832-1906) oder Carl Friedrich Mylius (1827-1916) via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Schlusschor des Oratorios der Kapitänsmusik (1730), Urheber: Georg Philipp Telemann via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

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