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Magisches Lesevergnügen bietet Ingrid Annels Jugendroman, der den Leser auf eine Zeitreise ins Mittelalter führt.

 

Es wohnet ein Meister zu Frankfurt an dem Maine

Es wohnet ein Meister zu Frankfurt an dem Maine

Das ursprünglich aus Oberhessen, genauer gesagt dem Nassauer Land, stammende Gesellenlied erschien erstmalig 1880 und nimmt sowohl die Gesellen selbst, als auch die Meister auf die Schippe. Der Text ist in verschiedenen Varianten überliefert, so wird in der einen aus dem Meister ein Krauter. Die faulen Gesellen, von denen einer eine Krankheit simuliert, der zweite „besoffen“ und der dritte „voll“ war, kehren, anstatt ihrer Arbeit nachzugehen, in eine Herberge ein, um sich dort verköstigen zu lassen. Doch da haben sie die Rechnung nicht nur ohne Wirt, sondern auch ohne den Sohn ihres Meisters gemacht, welcher sie in der Herberge aufsucht und ihnen bestellen lässt, sie sollen nach Hause kommen, um ihre Kündigung zu empfangen. Doch auch das lässt die drei Tunichtgute nicht den Mut verlieren, denn sie packen ihre sieben Sachen und ziehen weiter zur nächsten Anstellung, doch nicht ohne des Meisters Tochter, die sich ihnen anschließt. So hat der Meister am Ende das doppelte Nachsehen.

Carolin Eberhardt

1. Strophe
Es wohnet ein Meister zu Frankfurt am Maine,
der hat die Gesellen zu zweien und zu dreien.
Der erste, der sprach: "Es ist mir gar nicht wohl",
der zweite war betrunken, der dritte war voll.


2. Strophe
"Ihr Gesellen, es bleibt wohl unter uns verschwiegen;
wir wollen dem Meister seine Arbeite lassen liegen,
wir wollen ein wenig spazieren gehn
zum roten kühlen Wein, wo die schönen Mädchen sein."


3. Strophe
Und als wir Gesellen zur Herberg' sind gekommen,
da hat uns der Vater ganz freundlich aufgenommen.
"Seid willkommen, seid willkommen, ihr Gesellen mein,
was wollt ihr essen und trinken für ein Wein?"


4. Strophe
"Ei haben Sie keinen rheinischen,
so geben Sie uns fränkischen,
denn der fränkische ist auch ein guter Wein,
denselben woll'n wir trinken und dabei lustig sein."


5. Strophe
Und als wir Gesellen gegessen und getrunken,
da schickte der Meister seinen trotzigen Jungen:
"Gesellen, Gesellen, nach Hause sollt ihr kommen.
Den Abschied sollt ihr haben in einer Viertelstund."


6. Strophe
Und als die Gesellen nach Hause sind gekommen,
der Meister tut zanken, die Meisterin tut brummen:
"Ihr scheint mir die rechten Gesellen zu sein,
zum Essen und zum Trinken, zur Arbeit hab' ich kein'."


7. Strophe
Die Gesellen, die täten sich ganz höllisch bedanken:
"Arbeiten wir hier nicht, so arbeiten wir in Franken,
denn die fränkischen Meister, die haben uns lieb und wert,
die gaben uns zu trinken und zu essen, was unser Herz begehrt."


8. Strophe
Die Gesellen, sie schnallten ihr Felleisen auf den Rücken,
und reisten wohl über die Sachsenhäuser Brücke.
Da kam es dem Meister sein Töchter-Töchterlein:
"Ihr Gesellen wollt ihr wandern, ich bleibe nicht allein."

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Vorschaubild:Kilian Zoll-A Travelling Journeyman, 1923 via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Notensatz: Carolin Eberhardt.

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