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Kennst du Gotthold Ephraim Lessing?
vorgestellt von Jürgen Krätzer

Jürgen Krätzer eröffnet uns eine neue Sicht auf den Autor. Lessing entpuppt sich als schulverdrossener Aufrührer, als Student in „schlechter Gesellschaft" und als leidenschaftlicher Glücksspieler, der sich von Job zu Job hangelt. Bewusst stellte er sich gegen die damaligen Erwartungen und prangerte die Scheuklappen der Gesellschaft an. Krätzer zeigt dies anhand unkonventioneller Fabeln und Gedichte, seiner Kritiken und Briefe. Zugleich setzt er sich mit Lessings neuartiger Theatertheorie und den aufklärerischen Werten in seinen Dramen auseinander. Dabei gelingt es ihm aufzuzeigen, wie relevant und modern deren Themen noch heute sind.

Wer will mit nach Frankfurt fahren

Wer will mit nach Frankfurt fahren

Ein Spaßlied über die Stadt Frankfurt. Das traditionell überlieferte Stück soll laut Musikwissenschaften einer anonymen Feder aus dem 19. Jahrhundert entstammen. Die Strophen greifen inhaltlich die Freuden eines jungen Mannes auf, vielleicht war dieser sogar ein Zimmermann, denn es erwächst der Eindruck, dass der Erzählende nur zu Gast in Frankfurt ist. Es kann sich natürlich in Bezug auf diese Vermutung auch um einen Studenten handeln. Er lässt es sich allerdings gefallen, bei Bier und Wein in fröhlicher Runde zu sitzen und manch hübsches Mädchen zu sehen. Doch bereits in der ersten Strophe wird klar: Solche Freuden kann sich ein armer Mann nicht leisten, denn in Frankfurt „muss (man) am Gelde gar nit (…) sparen". Die fröhliche und beschwingte Melodie lässt vor den Augen des Singenden sogar eine unbefangene Männerrunde in einer Kneipe oder Spielunke entstehen. Womöglich sind Text und Melodie sogar bei eben solcher Gelegenheit entstanden.

Carolin Eberhardt.

1. Strophe

Wer will mit nach Frankfurt fi-fa-fahren,

der muss am Gelde gar nit spi-spa-sparen.

Der muss weilen nit allhier,

trinken Wein und trinken Bier.

Juchheißa!


2. Strophe

Auf der Straßen stehn viel Schilder,

und auf diesen viele Bilder;

Bilder so gefallen mir,

Wein ist besser noch als Bier.

Juchheißa!


3. Strophe

Mädchen, willst du mit mir gehen,

dann sollst du in Freuden leben,

sehen sollst du also viel

wohl bei Wein und Tanz und Spiel!

Juchheißa!

4. Strophe

Unser schöner Junker Fritzen

trägt 'ne blanke Degenspitzen,

spitzen Degen an der Seit',

wär' er hier, so gäb' es Streit.

Juchheißa!


5. Strophe

Und der gute Klosterpater

mit dem langen Ziegenbarte,

schwarze Kutten hat er an,

vorn und hinten Quasten dran.

Juchheißa!


6. Strophe

Ess so gerne Mus und Braten,

auch zu trinken muss ich haben!

Lachen muss man überhaupt,

jungen Buben juckt die Haut!

Juchheißa!


*****

Vorschaubild: Frankfurt, unbekanntes Datum, Urheber: Friedrich Ernst Morgenstern via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Notensatz: Carolin Eberhardt.

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