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Florian Russi

St. Valentin und die Liebenden

Viele vermuten hinter dem Valentinstag eine Erfindung der Neuzeit, um das Geschäft der Floristen anzukurbeln. Nur die wenigsten wissen, wer sich hinter dem Namensgeber St. Valentin verbirgt.
Florian Russi geht in dieser Broschüre der Sage um den Tag der Liebenden auf den Grund. Er stößt auf die tragische Liebesgeschichte und einen Mönch mit grünem Daumen.

Heussenstamm-Stiftung

Heussenstamm-Stiftung

Ralph Zade

Das Grab Karl Heussenstamms auf dem Frankfurter Hauptfriedhof
Das Grab Karl Heussenstamms auf dem Frankfurter Hauptfriedhof

Er war der letzte Namensträger einer seit Jahrhunderten in Frankfurt ansässigen Familie – erste Familienmitglieder sind bereits im 17. Jahrhundert nachgewiesen. Und deshalb beschloss er, dass die Stiftung, die mit seinem der Stadt Frankfurt vermachten Vermögen gegründet werden sollte, als „Heussenstamm-Stiftung“ diesen Namen weitertragen sollte. Carl Jacob Moritz Heussenstamm, genannt Karl Heussenstamm, wurde am 4.6.1835 in Frankfurt geboren. Sein Vater Georg Jakob, ein promovierter Jurist, war städtischer Hypothekenbuchführer und als solcher der Handwerkertradition seiner Familie – die Heussenstamms waren traditionell Schreiner – entwachsen. Karl folgte dem Vorbild seines Vaters und studierte Jura in Heidelberg und Göttingen. Sein Studium schloss er 1855 mit der Promotion ab und wurde 1856 Rechtsanwalt in Frankfurt.

Karl Heussenstamm betätigte sich im dem linksliberalen Spektrum zugehörigen Demokratischen Verein auch politisch und wurde 1873 in die Stadtverordnetenversammlung gewählt – dort war er Mitglied verschiedener Kommissionen und Deputationen und wurde, nachdem er 1877-1880 Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung gewesen war, 1880 als Stellvertreter von Johannes von Miquel Zweiter Bürgermeister. Stellvertreter des Oberbürgermeisters blieb er auch unter dessen Nachfolger Franz Adickes, der das Amt 1891 übernahm, nachdem Heussenstamm es nach dem Rücktritt von Miquels kommissarisch ausgeübt hatte. Heussenstamm war auf verschiedenen Politikfeldern aktiv, besonders aber im Bereich der Schulpolitik. Hier engagierte er sich für die konfessionsübergreifende Regelschule, die damals als Simultanschule bezeichnet wurde. Unter von Miquel war er Leiter der städtischen Schulbehörden und führte das Engagement in diesem Bereich auch unter Adickes fort, wenngleich sich dieser stärker persönlich in die Schulpolitik einmischte als sein Vorgänger. 1899 trat Heussenstamm aus gesundheitlichen Gründen vom Amt des Bürgermeisters zurück, blieb aber politisch aktiv und gehörte bis 1913 dem Kommunallandtag von Wiesbaden und Hessen-Nassau an, in dem er seit 1891 Mitglied gewesen war. Am 29.7.1913 starb er, hochgeachtet, was sich unter anderem in den ihm verliehenen Orden ausdrückt (u.a. 1899 Roter Adlerorden III. Klasse mit der Schleife, 1907 Preußischer Kronenorden II. Klasse), soll dabei aber ein schlichter, einfacher Mann geblieben sein, wie in einem Nachruf im Frankfurter Generalanzeiger zu lesen ist. Sein Grab befindet sich auf dem Frankfurter Hauptfriedhof.

Die Stiftung, die mit dem testamentarisch der Stadt vermachten Vermögen von 150000 Mark – einer in der damaligen Zeit, in der 10-Mark-Münzen aus Gold waren, beträchtlichen Summe – errichtet werden sollte, sollte „Zwecken der Wohltätigkeit (...) im weiteren Sinne“ oder auch der wissenschaftlichen oder künstlerischen Förderung dienen. Eine Verwendung für „Zwecke der Universität“ (die Königliche Universität zu Frankfurt am Main, heute Johann-Wolfgang-Goethe Universität, wurde 1914 eröffnet, und sie war eine Stiftungsuniversität, was Begehrlichkeiten hätte wecken können) war jedoch ausdrücklich untersagt. Nachdem die Stiftung 1914 durch die preußischen Behörden genehmigt worden war, konzentrierte sie sich – dem Engagement des Stifters für überkonfessionelle Schulen entsprechend – auf die Förderung von Volksschullehrern aller Konfessionen – darunter ausdrücklich auch der jüdischen. Während der Weltwirtschaftskrise änderte sich der Förderungsschwerpunkt: die Stiftung nahm nun vor allem die Unterstützung notleidender Künstler und Kulturschaffender in den Blick.

Wie für viele andere Institutionen in Frankfurt brachte die Nazizeit auch für die Heussenstamm-Stiftung Probleme. 1935 wurde sie mit dem Hilfswerk des Oberbürgermeisters Friedrich Krebs fusioniert, weniger aus ideologischen Gründen, sondern weil Krebs Letzteres vor dem Zugriff des mit ihm rivalisierenden Gauleiters Sprenger schützen wollte. Ab 1939 wurden dann jüdische Stiftungen zwangseingegliedert, was der Stiftung Mittel brachte, aber dennoch ein Unrecht darstellte, das heute aufgearbeitet wird – die Heussenstamm-Stiftung sieht heute die jüdische Kultur als Teil ihrer Identität und bemüht sich um Erinnerung an das, was damals geschehen ist.

Nach 1945 wurde die Stiftung reaktiviert. Nach einer Reihe von Umzügen hat sie ihren Sitz heute in der Braubachstraße 34. Sie konzentriert sich jetzt auf die Förderung von Künstlerinnen und Künstlern aus der Rhein-Main-Region. Mithilfe eines Stammtisch-Formats und weiterer Gesprächsformate, die als „Salons“ bezeichnet werden, sollen Kunst und Zivilgesellschaft miteinander in Kontakt kommen. Am Sichtbarsten – auch für Frankfurt-Besucher – sind die Kunstausstellungen, die die Stiftung veranstaltet. Normalerweise finden zwei davon parallel statt. Es werden alle Kunstformen gezeigt – von der Malerei über Skulpturen bis hin zur Videokunst. Es gibt auch Kooperationen mit anderen Organisationen. Ein weiteres Ziel der Stiftung ist die ästhetische Bildung von Jugendlichen.

Die Verzahnung der Stiftung mit der Stadt, die darin ihren Ursprung hat, dass sie laut Satzung „eine von der Stadt Frankfurt am Main verwaltete unselbstständige Stiftung“ ist, zeigt sich neben der Tatsache, dass sechs Vorstandsmitglieder durch den Frankfurter Magistrat gewählt werden, auch darin, dass neben diesen sechs Personen immer zwei Vorstandsmitglieder selbst dem Magistrat angehören. Aktuelle Vorsitzende des Vorstandes ist Ina Hartwig, die Frankfurter Kulturdezernentin – die Inhaberinnen oder Inhaber dieses städtischen Amtes haben den Vorsitz traditionell inne. Daneben ist satzungsgemäß die Sozialdezernentin Mitglied. Seit 1956 wird überdies ein Vorstandsmitglied von der Jüdischen Gemeinde vorgeschlagen, womit der Tatsache, dass der Heussenstamm-Stiftung jüdische Stiftungen zwangseinverleibt wurden, Rechnung getragen werden soll. Die Stiftung wird von Frankfurter Kulturamt und einer Reihe weiterer Frankfurter gemeinnütziger Institutionen unterstützt

 

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Textquellen:

Website der Stiftung abgerufen von >https://heussenstamm.de/< am 23.09.2025.

Webseite zur Stiftung auf dem Kulturportal Frankfurt abgerufen von >https://kultur-frankfurt.de/portal/de/Kunst/Heussenstamm-Stiftung/460/1322/21657/mod190-seite4-details1/7.aspx< am 23.09.2025.

Hock, Sabine: Heussenstamm, Karl in: Frankfurter Personenlexikon abgerufen von >https://frankfurter-personenlexikon.de/node/2629< am 23.09.2025.

 

Vorschaubild: Frankfurt, Hauptfriedhof, Grab G 428 Heusenstamm, 2016, Urheber: Karsten Ratzke via Wikimedia Commons CC0.

 

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