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Der Bronstein-Defekt

und andere Geschichten 

Christoph Werner

"Ich stellte bald an mir selbst die Verführung durch Zählen und Auswerten fest und empfand die Wonne, Gesetzmäßigkeiten bei gewissen Massenerscheinungen festzustellen. Nichts war vor mir sicher. Als erstes machte ich mich über die Friedhöfe her..."

Archäologisches Museum Frankfurt

Archäologisches Museum Frankfurt

Ralph Zade

Gegründet wurde das Archäologische Museum 1937 und seine Geschichte ist bewegt, im wahrsten Sinne des Wortes, denn es hat schon mehrere Standorte gehabt, bevor es eine endgültige Unterbringung fand. Als „Museum für heimische Vor- und Frühgeschichte“ in Form eines selbstständigen Instituts aus dem Historischen Museum Frankfurt ausgegliedert, bezog es zunächst Räumlichkeiten im Dominikanerkloster. 1942 musste es kriegsbedingt schließen, Teile des Ausstellungsbestandes wurden ausgelagert, durch Luftangriffe kam es zu Verlusten. Nach dem Krieg wurde das Museum zunächst mit dem Historischen Museum wiedervereinigt, um 1954 einen neuen Standort im Holzhausenschlösschen zu finden. Eine Ausstellung zur Römerstadt Nida wurde 1976 ins Deutschordenshaus ausgelagert, da das Holzhausenschlösschen nicht genügend Platz bot. 1989 konnte die Sammlung dann ins Karmeliterkloster – von dem sie nur einen Teil einnimmt – und einen eigens für sie konzipierten Anbau verlagert werden. 2002 schließlich wurde das Museum umbenannt und heißt seither Archäologisches Museum. Es ist organisatorisch auch für die Verwaltung von Freiluftanlagen – dem Archäologischen Garten am Dom, Töpferöfen in Heddernheim, dem Archäologischen Garten in der Nordweststadt und den Kasematten an der Bleichstraße – zuständig.

Blick von Alte Mainzer Gasse
Blick von Alte Mainzer Gasse

Das Karmeliterkloster, am westlichen Rand der Frankfurter Altstadt gelegen, ist das einzige weitgehend originalgetreu erhaltene mittelalterliche Kloster in Frankfurt und schon als solches einen Besuch wert. Der Bau fungierte von 1246 bis zur Säkularisierung 1803 als Kloster; heute beherbergt er neben dem Archäologischen Museum das Institut für Stadtgeschichte (Stadtarchiv) und im Keller das 1959 gegründete Kabarettheater „Die Schmiere“. Das Archäologische Museum nimmt neben Querschiff der Klosterkirche, Langhaus und Annenkapelle den anschließenden, von dem Architekten Josef Paul Kleihues (1933-2004) konzipierten Anbau ein.

Der Eingang des Museums befindet sich an ebendiesem Anbau, auf der Rückseite des Klosters, dem Verkehrslärm von der einige Dutzend Meter weiter auf der anderen Seite gelegenen Durchgangsstraße abgewandt. Im Vergleich zu anderen Frankfurter Museen hat das Archäologische Museum eine eher intime Atmosphäre, was u.a. an seiner relativ bescheidenen Größe liegt. Nach rechts wendet man sich zunächst zum Kassen- und Garderobenbereich, der Ausstellungsbereich beginnt links.

Die Bestände des Museums – das in den an den Eingangsbereich anschließenden Räumlichkeiten häufig auch hochkarätige Wechselausstellungen zeigt – lassen sich in solche mit Lokalbezug und solche internationaler Herkunft einteilen. Die Lokalfunde decken im wesentlichen die Zeitepochen ab, die im Historischen Museum nicht oder nur in geringerem Maße berücksichtigt sind, sodass sich beide Museen ergänzen und zusammen ein vollständiges Bild der Frankfurter Geschichte der vergangenen Jahrhunderte ergeben. Sie lassen sich in drei Gruppen einteilen: die prähistorischen Funde, die Funde aus der Römerzeit – vor allem aus der Römerstadt Nida – und die Funde aus dem frühen Mittelalter.


Die prähistorischen Funde, die im Schwerpunkt im Querschiff der Klosterkirche untergebracht sind, reichen von der Altsteinzeit bis zur späten Eisenzeit und stammen überwiegend aus Zonen, die heute zum Stadtgebiet von Frankfurt oder zumindest zur Stadtagglomeration gehören (Höchst, Niedereschbach, Praunheim, Oberursel). Es wird gezeigt, mithilfe welcher Hilfsmittel in der Steinzeit Nahrung gewonnen wurde und welche technischen Fortschritte es in den anschließenden Epochen durch die Nutzung von Metallen gab. Am frühkeltischen Fürstengrab Eichleben, das im Frankfurter Stadtwald gefunden wurde, lässt sich erkennen, dass es in der Bronze- und Eisenzeit bereits deutliche soziale Unterschiede gab.

Die Funde aus der Römerzeit, die im Wesentlichen das Langschiff der Klosterkirche einnehmen, beziehen sich überwiegend auf die römische Stadt Nida im heutigen Stadtteil Frankfurt-Heddernheim. Ende der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden deren Überreste nach Plänen des Architekten Ernst May mit der Siedlung Römerstadt, die als herausragendes Beispiel modernen Bauens gilt, aus archäologischer Sicht aber als nicht unproblematisch zu bezeichnen ist, überbaut. Immerhin konnten zahlreiche Fundstücke gerettet werden. Die Stadt hatte ihre Wurzeln in einem um 75 n. Chr. erbauten römischen Militärlager und ihre Blütezeit im 2. Jahrhundert n. Chr. Im 3. Jahrhundert begann ihr Niedergang, um 260 n. Chr. endete die römische Zeit; mit dem Vordringen germanischer Stämme gaben die Römer die Siedlung auf. Die Ausstellungsstücke, die von einer erstaunlichen Bandbreite sind, umfassen als Höhepunkte neben einer Gruppe von Jupitersäulen und Weihesteinen aus Mithras-Kulträumen u.a. die Rekonstruktion eines mit Fresken ausgeschmückten Hauses und 29 Farbtöpfe aus einem Malergrab. Interessant sind auch die römischen Helme und die Rekonstruktion der Ausrüstung eines römischen Reitersoldaten. Alles ist didaktisch aufbereitet, teils rekonstruieren zeichnerische Darstellungen das Umfeld.

Das frühe Mittelalter – die Zeit zwischen dem Ende der Römerzeit und dem 7. Jahrhundert, die durch Alamannen und Franken dominiert wurde – wird in Teilen des Langschiffs der Klosterkirche und in der Annenkapelle thematisiert. Gezeigt wird hier u.a. die Archäologie des Frankfurter Domhügels. Der Frühmittelalter-Teil ist von relativ geringem Umfang, aber doch repräsentativ. Interessant ist, was die Lokalfunde angeht, auch das Lapidarium im Kreuzgang, das allerdings nicht immer zugänglich ist.

Als von vergleichsweise geringem Umfang aber repräsentativ kann man auch die internationalen Funde bezeichnen. Diese werden im modernen Anbau gezeigt und umfassen zwei Sammlungsbereiche: die klassische Antike und den Alten Orient. Die klassische Antike wird im Erdgeschoss präsentiert; hier gibt es vor allem eine kleine aber feine Sammlung griechischer Gefäße von der mykenischen Epoche bis zur römischen Zeit zu sehen, aber auch etruskische Stücke. Besonders schön sind unter den griechischen Stücken einige herausragende Figurengefäße. Die Ausstellung ist – v.a.im Vergleich zu internationalen Museen – nicht groß, ermöglicht aber einen guten Überblick. Auf einer Tafel werden die verschiedenen Formen griechischer Gefäße und ihre Funktion erläutert.

Die Ausstellung zum Alten Orient im ersten Stock ist ebenfalls nicht groß, im Hinblick auf die Funde aus dem Iran aber eine der umfangreichsten in Deutschland. Besonders erwähnenswert sind hier die Keramiken, die aus mehreren Jahrtausenden stammen und die Bronzen aus Luristan im Westiran. Dazu kommen einige Fundstücke aus Anatolien und Syrien.

Wer die Ausstellung gesehen hat, hat einen guten Überblick über die Archäologie das Frankfurter Raums gewonnen; insbesondere die Anzahl der römischen Funde wird manchen Besucher überraschen. Die ausländischen Funde ermöglichen es, sich anhand exemplarischer Stücke einen guten Eindruck zu verschaffen. Das Museum ist im Vergleich zu anderen in Frankfurt nicht allzu groß, häufig ist klein aber auch fein und das ist hier ganz sicher der Fall.

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Textquellen:

Die Dauerausstellung, Archäologische Reihe Bd. 12, Museum für Vor- und Frühgeschichte/ Archäologisches Museum (Hrsg.):Frankfurt, 1989.

Homepage des Museums: abgerufen von < http://www.archaeologisches-museum.frankfurt.de/index.php/de>

am 28.05.2017.

Museumsufer-Frankfurt: abgerufen von < http://www.museumsufer-frankfurt.de/portal/de/MuseenvonA-Z/ArchaeologischesMuseum/0/0/21676/mod1745-details1/2251.aspx >

am 28.05.2017.


Bildquellen:

Vorschaubild: Archäologisches Museum Frankfurt a.M.: Neubau und Eingangsbereich, Urheber: Haselburg-müller via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0

Archäologisches Museum, 2016 in Frankfurt am Main. Ansicht von Alte Mainzer Gasse, Urheber: Simsalabimbam via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0

Das Malergrab aus NIDA-Heddernheim. Grabinventar eines römischen Malers mit 29 Farbtöpfen im Archäologischen Museum Frankfurt a.M.. Mit freundlicher Genehmigung des Museums, Urheber: Haselburg-müller via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0

Römischer Reitersoldat, Urheber: Sargoth via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0

Archäologisches Museum Frankfurt

Karmelitergasse 1
60311 Frankfurt am Main

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