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Auf der Suche nach Fips

Eine liebevoll illustrierte Vorlesegeschichte in mehreren Kapiteln für Kinder ab 5

Fips ist verschwunden. Wo kann ein kleiner Mäusejunge wohl verlorengegangen sein. Seine Freunde machen sich auf die Such nach ihm und erleben dabei eine Menge Abenteuer.

Literaturhaus Frankfurt

Die alte Stadtbibliothek, heute der Sitz des Frankfurter Literaturhauses, hatte ein ähnliches Schicksal wie viele andere historische Gebäude in Frankfurt. Man sieht es ihr erst einmal nicht an. Im Gegenteil wirkt das weißgetünchte Gebäude mit dem charakteristischen Portikus, dessen sechs korinthische Säulen vor dem Schriftzug „Literaturhaus Frankfurt“ stehen, und unter einem Tympanon, in dessen Zentrum Pallas Athene, die Göttin der Wissenschaft, zu sehen ist, erst einmal so, als hätte es die Zeiten hervorragend überstanden und sei vielleicht ein bisschen überrestauriert. Es ist alles sehr gut in Schuss, vielleicht hat man ein bisschen zu gründlich saniert und damit die historische Patina des Gebäudes getilgt? Weit gefehlt. Wer genau hinsieht, der wird bemerken, dass zwar die äußeren Formen dieselben sind wie die, die man auf Bildern von vor dem 2. Weltkrieg sieht, dass aber die beiden rückwärtigen Seitenflügel fehlen. Und wer dann auch noch etwas von Baugeschichte versteht, der wird zu dem Schluss kommen, dass die verwendeten Baustoffe nicht alle aus dem Jahre 1825 stammen – dem Jahr, in dem der Bau erstmals errichtet wurde. Das liegt nicht nur daran, dass einige Elemente – wie das Tympanon-Relief, das 1891 von Friedrich Schierholz geschaffen wurde – von vornherein späteren Datums waren.

Alt ist an dem Bau nur der Portikus. Der Rest ist neu und zwar so neu (von 2005), dass sich nun doch ein Unterschied zu anderen rekonstruierten Bauten in Frankfurt ergibt. Während mit dem – mehr oder weniger originalgetreuen, im Detail vielfach aber auch abweichenden – Wiederaufbau von Paulskirche, Goethehaus und Römer schon relativ kurz nach dem 2. Weltkrieg begonnen wurde, blieb der Portikus der Stadtbibliothek über Jahrzehnte isoliert stehen, gewissermaßen ein Mahnmal, und es war sogar im Gespräch, offiziell ein Mahnmal daraus zu machen, was dann aber wieder verworfen wurde. Das eigentliche Gebäude war im Krieg fast vollständig zerstört worden. Auch die Form der Wiederherstellung war – hier gibt es wieder eine Parallele zu anderen Frankfurter Bauten – umstritten; gewichtige Stimmen waren im „Frankfurter Säulenstreit“ für einen Neubau eingetreten.

Nachdem seit 1987 eine provisorische Ausstellungsstätte der Städelschule hinter dem Portikus untergebracht war, wurde 2003 mit den Bauarbeiten für die – zumindest von der äußeren Erscheinung her annähernd originalgetreue – Rekonstruktion begonnen, die dem Literaturhaus eine angemessene Heimstätte bieten sollte. Die Pläne dafür stammten vom Architekturbüro Christoph Mäckler, das bis heute an vielen markanten Bauprojekten in Frankfurt mitwirkt – so im Rahmen einer Planungsgemeinschaft auch am Frankfurter Romantik-Museum, das 2020 eröffnet werden soll.

Das Literaturhaus als Institution war 1991 begründet worden, von einer Gruppe Frankfurter Bürger gemeinsam mit dem damaligen Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann, und befand sich seitdem in der Bockenheimer Landstraße 102, in einer neoklassizistischen Villa. Sein Träger ist der gemeinnütziger Verein Literaturhaus e. V., der aktuell (2017) 690 Mitglieder hat. Dank eines angepassten Zuschnitts des Innenausbaus der neu aufgebauten Stadtbibliothek konnten 2005 optimal auf die Bedürfnisse abgestimmte Räumlichkeiten bezogen werden. Im rechten Flügel befindet sich im Erdgeschoss ein Restaurant, darüber die Büros. Die Veranstaltungen finden deshalb im Wesentlichen im linken Flügel statt, dessen Herzstück der große Lesesaal bildet. Dazu gibt es weitere Räume, u. a. ein Autorenzimmer und ein Lesekabinett. Der Raum „Gesammelte Untertreibungen“ im Obergeschoss des linken Flügels ist dem 2002 verstorbenen Autor und Kabarettisten Matthias Beltz gewidmet.

Das Programm des Hauses ist vielfältig und es scheut manchmal auch die Nähe zur Unterhaltung nicht. Kern des Programms sind natürlich die Lesungen deutscher und ausländischer Autoren. Traditionell findet hier die Abschlusslesung im Rahmen der Frankfurter Poetikdozentur statt. Außerdem werden die Shortlist-Titel zum Deutschen Buchpreis hier präsentiert. Der Preis der Jürgen-Ponto-Stiftung, mit dem deutschsprachige Erstlingswerke ausgezeichnet werden, wird ebenfalls hier verliehen. Außerdem gibt es diverse Kooperationen mit anderen Frankfurter Museen. Besonders aktiv ist das Literaturhaus auf dem Feld der Literaturvermittlung. Unter der Rubrik „Junges Literaturhaus“ finden Lesungen für Schüler und weitere Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche statt. Dazu kommen Veranstaltungen für Lehrer aus der Region im „Kolleg schöne Aussicht“. Literaturgespräche von Kritikern sind an die Fernsehsendung „Das literarische Quartett“ angelehnt und auch über Sachbücher wird in einer Veranstaltungsreihe in ähnlicher Form diskutiert. Seit 2017 gibt es nun auch eine neue, von einer Vereinigung aus Liverpool entwickelte Veranstaltungsform namens „Shared Reading“, bei der Texte gemeinsam laut gelesen und im Anschluss unter der Anleitung eines „Facilitator“ genannten Moderators diskutiert werden. Die limitierten Plätze hierfür sind vielfach schnell ausgebucht.

Geleitet wird das Literaturhaus seit 2010 von Hauke Hückstädt, der 1969 in Schwedt an der Oder geboren wurde und in den 80ern – noch zu DDR-Zeiten – mit seinen Eltern in den Westen ausreiste. Nicht nur dieses Detail hebt seinen Lebenslauf von anderen ab: In seiner Jugend war Hückstädt Leistungssportler und zählte zu den besten Ruderern der DDR in seiner Altersstufe – ein Interesse am Sport, das ich auch schon in Veranstaltungen mit entsprechenden Bezügen am Literaturhaus niedergeschlagen hat, ist ihm geblieben. Dann machte er eine Tischlerlehre, bevor er zum Germanistikstudium fand. Hückstädt, dessen Lieblingsbuch das Versepos „Fredy Neptune“ des australischen Nobelpreiskandidaten Les Murray ist, hat neben zahlreichen Kritiken auch zwei Lyrikbände veröffentlicht, das literarische Schreiben aufgrund seiner beruflichen Belastung aber mittlerweile aufgegeben.

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Textquellen:

Göpfert, Claus- Jürgen: Der Ausdauer-Mann: Literaturhaus-Chef Hückstädt: Frankfurter Rundschau vom 09.01.2013 abgerufen von < http://www.fr.de/frankfurt/literaturhaus-chef-huec... > am 03.09.2017.

Zirlewagen, Marc: Bockenheimer Landstraße 102- Von der Großbürgervilla zur Kulturinstitution: Frankfurt: Henrich Druck und Medien GmbH, 2014.

Website des Literaturhauses: abgerufen von < http://literaturhaus-frankfurt.de/ am 03.09.2017.


Bildquellen:

Vorschaubild: Protikus der Alten Stadtbibliothek, das heutige Literaturhaus in Ffm an der Flößerbrücke, freies Theater: 01.04.2017: Urheber: dontworry via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0

Frankfurt Am Main-VPDFSLMEDSE-0002-Quai am Obermainthor-Crop: 01.01.1836: Urheber: Friedrich Joseph Ehrenamt via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Gebäude am Main in Frankfurt mit lateinischer Inschrift LITTERIS RECUPERATA LIBERTATE CIVITAS. Den Wissenschaften die Gemeinde nach wiedererlangter Freiheit: 27.02.2010: Urheber: Alex1011 via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Alte Stadtbibliothek, Frankfurt: 29.01.2006: Urheber: Gizmo23 via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.



Literaturhaus Frankfurt

Schöne Aussicht 2
60311 Frankfurt am Main

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