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Martinsfest - Wir feiern Martini

Florian Russi

Kleine Broschüre mit Texten und Liedern zum Martinstag

Laterne, Laterne ... Im dunklen Monat November hält das Martinsfest einen Lichtpunkt für uns bereit. Vor allem Kinder freuen sich weit im Voraus auf den Martinstag, um mit ihren leuchtenden Laternen durch den Ort zu ziehen. Die Hintergründe zur Geschichte des festes und den traditionellen Bräuchensind in dieser Broschüre festgehalten. Mit einer Anleitung für eine selbstgebastelte Laterne, drei leckeren Rezepten und vielen Liedern, Gedichten und Reimen ist sie ein idealer Begleiter für jedermann.

Der Rothschildpark

Der Rothschildpark

Sabine Gruber

Mit der berühmten Frankfurter Familie Rothschild sind in der Stadt zahlreiche Orte verbunden, darunter auch zwei öffentliche Parkanlagen: der Günthersburgpark, dessen Gelände Carl Mayer von Rothschild 1837 erworben hatte, und der bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Besitz der Familie blieb, und natürlich der Rothschildpark, der im südlichen Westend zwischen der Bockenheimer Landstraße, dem Reuterweg und Oberlindau verläuft, und in dem sich einst auch ein klassizistisches Palais der Familie befand. Der Park liegt an einem repräsentativen Ort der Stadt. Ganz in der Nähe befindet sich die Alte Oper, direkt neben dem Park der Opernturm und gleich dahinter beginnt der Frankfurter Anlagenring entlang der alten, im 19. Jahrhundert geschleiften Stadtbefestigung.

Im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wurde das Gelände des heutigen Rothschildparks und das darauf befindliche Landhaus von dem Bankier Amschel Mayer von Rothschild, einem Sohn Mayer Amschel Rothschilds erworben und nach seinen Vorstellungen umgestaltet. Das Landhaus wurde erweitert und zu einem prächtigen Palais im Stil des Klassizismus umgebaut. Während im vorderen Teil des Parks ein Nutzgarten mit Gewächshäusern angelegt wurde, ließ Amschel Mayer von Rothschild im hinteren Teil einen ausgedehnten englischen Garten im Geschmack der Zeit anlegen. Auch gotische Elemente, die in einem gewissen, vermutlich auch reizvollen Kontrast zum klassizistischen Palais standen, durften nicht fehlen. Ein Turm im Stil der Gotik ist bis heute erhalten und wirkt zwischen all den Hochhäusern in der Umgebung etwas verloren und gar nicht trutzig. Viele Details des englischen Parks sind allerdings heute verschwunden.

Einen Eindruck vom Zustand des Parks, der nach dem Erwerb einer Eintrittskarte auch damals schon der Öffentlichkeit zugänglich war, nach all diesen Umbauten vermittelt ein Reiseführer aus dem Jahr 1853. Nach einer kurzen Beschreibung des in der Nähe gelegenen Bockenheimer Tors heißt es dort: „Der v. Rothschild‘sche Garten. (Man gibt hier dem Porthier die auf dem Rothschild‘schen Comptoir erhaltenen Eintrittskarten ab. Trinkgeld). Der große von Rothschild‘sche Garten mit reizender Villa in ital. Geschmack und prachtvollen Zimmern ist mit seiner kl. künstlichen Ruine, seinem Schwanenteich, Kiosk und seinen großen Gewächshäusern einer der schönsten Gärten Frankfurts. Unter den Pflanzen ist besonders im untern Theile des Gartens, östlich vom Schwanenteich, r., eine prachtvolle Fichte aus der Südsee sehenswerth.“ Und in einem Beitrag „Zur Beleuchtung der Stadt und Erweiterung der Promenaden“ aus den Frankfurter Jahrbüchern von 1837 werden vom Park ausgehende Wege sogar als vorbildlich für stadtplanerische Maßnahmen dargestellt: „Eine beachtenswerthe Andeutung zu einer solchen willkommenen Anlage hat bereits unser sinnige und für alles Große, Schöne und Gemeinnützige empfängliche Mitbürger v. Rothschild gegeben. Wer in seinen, dem ganzen Publikum geöffneten und überdies zur Bequemlichkeit mit einladenden Ruhbänken versehenen, hinter seinem Park angelegten Spaziergängen lustgewandelt ist, wird empfunden haben, welchen wohlthuenden Kontrast jene heitern, freien, gesunden Räume gegen die beeengten, straßenähnlichen und düsteren Wege und Stege der jetzigen Promenaden bilden.“

Wilhelm Carl von Rothschild, der Sohn Amschel Mayers, erweiterte im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts nicht nur den Park, sondern auch das Palais noch einmal. 1938 wurde die Familie Rothschild gezwungen, den Park zu verkaufen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Palais zerstört und auch das Parkareal erlitt zahlreiche Schäden. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Stadt mit der Wiederherstellung des Parks, verkleinerte ihn dabei jedoch (Teile des Parkgeländes wurden verkauft) und veränderte stark seinen Charakter. Der Stil des englischen Gartens ging weitgehend verloren. Rund um den Park entstanden die für Frankfurt typischen Hochhäuser. Zum Ausgleich wurde der Park durch Kunstwerke wieder aufgewertet. 1954 erhielt der Park mit dem „Ring der Statuen“ von Georg Kolbe (1877-1947) eine moderne, von 1945-48 entstandene Skulpturengruppe, die sieben zwischen vierzehn Pfeilern stehende Figuren aus Bronze umfasst: das „Junge Weib“, die „Hüterin“, die „Auserwählte“, die „Amazone“, den „Herabschreitenden“, den „Stehenden Jüngling“ und den „Sinnenden“. Die Gruppe zählt zu den letzten Werken des Bildhauers. Er konnte sie nicht mehr vollenden. Nach seinem Tod musste ein Kollege das Werk fertigstellen.

2010 versuchte die Stadt, finanziell unterstützt durch mehrere Firmen sowie die Familie Rothschild, dem Park wieder etwas von dem Charakter zurückzugeben, den er vor dem Zweiten Weltkrieg gehabt hatte. Dabei erhielt er einen weiteren Eingang und wurde wieder vergrößert. Wo früher das Palais der Familie Rothschild stand, ist jetzt wieder nachvollziehbar, weil dessen Grundriss im Boden nachgezeichnet wurde. An die früheren Besitzer des Parks erinnert außerdem ein Denkmal. Heute ist der Rothschildpark einer von zahlreichen öffentlichen Parks in Frankfurt, die größtenteils bereits auf historische Parkanlagen zurückgehen, und beim Gang durch die Stadt immer wieder überraschend zwischen Hochhäusern hervorblitzen und zur Erholung einladen.


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Textquellen:


Baedekers Allianz-Taschenbücher. Frankfurt am Main. Stuttgart/Freiburg 1983.

Frankfurt am Main und seine Umgebung. Ein Führer für Fremde […] nebst einer Uebersicht des Abgangs und der Ankunft der Eisenbahnen und Dampfschiffe. Frankfurt a. M. 1853.

Frankfurter Jahrbücher. Eine Zeitschrift für die Erörterung hiesiger öffentlichen Angelegenheiten. Bd. 9. Frankfurt a. M. 1837, S. 41.

Kramer, Waldemar: Frankfurt-Lexikon: Sonderausgabe für das Stadtschulamt Frankfurt. Frankfurt a. M. 1960.

Henß, Rita: Marco Polo, Frankfurt/Ostfildern, 2014.

https://de.wikipedia.org/wiki/Rothschildpark (zuletzt geöffnet: 31.05.2018).

https://www.frankfurt-tourismus.de/Media/Attraktionen/Parkanlagen/Rothschildpark (zuletzt geöffnet: 31.05.2018).

https://www.landschaftsarchitektur-heute.de/themen/100-besondere-orte/details/2081 (zuletzt geöffnet: 31.05.2018).


Bildquellen:

Vorschaubild: Frankfurt am Main: Der Rothschildpark im Westend, Ansicht des im Jahr 2010 fertiggestellten Südzugangs von der Bockenheimer Landstraße, 2010,Urheber: Frank Behnsen via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Rothschildpark, Frankfurt am Main, Germany, 2012, Urheber: Daderot via Wikimedia Commons CCO- Creative Commons.

Das Rothschild-Palais mit Park auf dem Stadtplan, 1864, Urheber: Friedrich Wilhelm Delkeskamp via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Der Rothschildpark


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