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Wilfried Bütow
Kennst du Heinrich Heine?

Kunstfertig in vielen Genres, geht Heine souverän mit den Spielarten des Komischen um, erweist sich als ein Meister der Ironie und der Satire und weiß geistreich und witzig zu polemisieren.
Doch hatte er nicht nur Freunde. Erfahre mehr vom aufreibenden Leben Heines, wie er aus Deutschland fliehen musste, in Paris die Revolution von 1830 erlebte und den großen Goethe zu piesacken versuchte.


 

Edward von Steinle

Edward von Steinle

Sabine Gruber

Der Maler Edward Jakob von Steinle wurde zwar 1810 in Wien geboren, verbrachte aber den größten Teil seines Lebens in Frankfurt und hat hier viele – zum Teil noch heute sichtbare – Spuren hinterlassen. Vor allem erinnert die Steinle-Straße an ihn, die unweit des Städel-Museums parallel zum Schaumainkai von der Holbein-Straße zur Schaub-Straße verläuft.

Eigentlich sollte aus dem jungen Steinle ein Musiker und kein Maler werden. Jedenfalls bezahlte ihm sein Vater, ein Graveur, schon in früher Jugend Klavierunterricht und Unterricht im Generalbass. Steinle wandte sich nach dem Tod seiner Mutter 1822 aber ganz dem Zeichnen und Malen zu und erhielt zunächst Unterricht an der Wiener Akademie der Bildenden Künste. Später wurde er Schüler des Malers Leopold Kupelwieser, der seit einem Aufenthalt in Rom von den Nazarenern beeinflusst war. Seine eigene – wie Steinle es ausdrückte – "Bekehrung" zur "Altdeutschen Kunst" im Sinne der Nazarener machte es nötig, selbst nach Rom zu reisen. Er trat seine Reise mit gerade einmal 18 Jahren an und lernte von den dort ansässigen deutschen Malern zunächst Friedrich Overbeck, später auch Philipp Veit kennen. Dem Lukasbund, in dem sich die nazarenischen Maler zusammengeschlossen hatten, trat er jedoch nicht bei. 1834 kehrte er als noch sehr junger, aber schon erfahrener Maler nach Wien zurück, heiratete dort seine Jugendliebe und sah sich nach neuen Betätigungsfeldern um, nicht zuletzt um seine wachsende Familie ernähren zu können.

Edward von Steinle
Edward von Steinle

Im Sommer 1837 lernte er bei einer Reise nach München den Schriftsteller Clemens Brentano kennen – eine Zufallsbegegnung, die für sein Leben ungeahnt wichtig wurde. Steinle und Brentano wurden Freunde, führten bis zu Brentanos Tod im Sommer 1842 einen regen Briefwechsel und arbeiten auch künstlerisch eng zusammen. Der viel ältere Brentano, der in Steinle wohl eine Art künstlerischen 'Ziehsohn' sah, erteilte ihm zahlreiche Aufträge für Bilder zu seinen Texten. Manchmal wie im Fall seiner "Legende von der Heiligen Marina" ließ sich aber auch Brentano von einem Bild Steinles zu einem Text inspirieren. Auch nach dem Clemens Brentanos Tod ließ Steinle diese Freundschaft nicht los: er malte 1863 die Loreley aus Brentanos frühem Gedicht "Zu Bacharach am Rheine" – nicht als harmlos auf einem Felsen sitzende Schönheit, die ihre blonden Locken kämmt, wie sie häufig auf touristischen Abbildungen zu sehen ist, sondern als bedrohlich auf dem Felsen thronende walkürenhafte Gestalt, die dem sehr klein unten im Bild zu sehenden Schiffer zum Verhängnis wird. Auch den Grabstein für das Familiengrab der Brentanos in Aschaffenburg, in dem unter anderem Clemens Brentano bestattet wurde, gestaltete Steinle. Brentanos Drängen, doch endlich zu ihm nach München zu übersiedeln, hatte Steinle sich stets selbstbewusst widersetzt, denn er hatte andernorts genügend Aufträge zu erledigen.

1839 übersiedelte er stattdessen nach Frankfurt. Philipp Veit, sein Bekannter aus Rom, der seit 1830 Direktor des Städelschen Instituts war, ermöglichte ihm in einem Atelier an der Kunstschule zu arbeiten. Wichtige Aufträge dieser Zeit waren die Ausmalung der Kapelle der Burg Rheineck bei Bad Breisig für die dort ansässige Familie von Bethmann-Hollweg und zwei Bilder für den Kaisersaal des Frankfurter Römers, die Darstellungen Kaiser Albrechts I. und Kaiser Ferdinands III. Als Philipp Veit 1843 sein Amt als Direktor des Städelschen Instituts niederlegte, verließ auch Steinle sein Atelier, kehrte aber 1850 als erster Professor an das Institut zurück.

Obwohl Steinle einmal in einem Brief an seinen Freund Brentano über seine Lehrtätigkeit geklagt hatte – "Sie wünschen so sehr, mich von jungen Leuten umgeben zu sehen, und ach, es ist harte Arbeit leeres Stroh dreschen zu müssen, es ist ein Unglück, daß die Akademien alles aufnehmen, was zuläuft. Es gibt kein Mittel, als alle Kunstanstalten auf einige Jahre zu versperren, damit sich das unberufene Volk ein bißchen verlaufen kann." – muss er ein inspirierender Lehrer gewesen sein. Einer seiner bekanntesten Schüler am Städelschen Kunstinstitut war der englische Maler Frederic Leighton.

Aufträge für Gemälde und Fresken erhielt Steinle auch außerhalb Frankfurts. So schmückte er in den Jahren 1865 und 1866 die Chornischen der Marienkirche in Aachen mit Fresken und 1875 den Chor des Straßburger Münsters. In Frankfurt sind Werke Steinles heute – außer im Städel-Museum – in der Leonhardskirche und im Dom zu sehen. Für die Leonhardskirche, die 1851 nach einer Überschwemmung saniert werden musste, stifteten reiche Frankfurter Bürger 1854 und 1855 einen Altar. Steinle erhielt den Auftrag, das Mittelbild – eine Madonnendarstellung – dafür zu malen. Der Altar wurde zwar im Zweiten Weltkrieg zerstört, Steinles Mittelbild überstand jedoch die Zerstörung. Als der Kaiserdom St. Bartholomäus nach dem verheerenden Brand im Jahr 1867 restauriert wurde, erhielt Steinle den Auftrag, den Dom mit Darstellungen aus der deutschen Kaisergeschichte neu auszumalen. Hiervon ist heute nur noch eine Darstellung Konrads III. und Bernhards von Clairvaux erhalten. Die anderen Fresken wurden beim Wiederaufbau des Doms nach dem Zweiten Weltkrieg beseitigt. Es scheint, als seien Brentanos Warnungen des jungen Steinle vor Frankfurt zumindest in diesem Fall nicht ganz grundlos gewesen. Der Auftrag des Frankfurter Dombauvereins war der letzte große Auftrag, den Steinle erhielt. Er war aber bis zuletzt als Maler tätig. Im September 1886 starb er in Frankfurt am Main.

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Bildquellen:

Eduard Jakob von Steinle (1810-1886), gemeinfrei

Eduard Steinle. Lithographie von Adolf Dauthage, gemeinfrei

Textquellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Edward_von_Steinle aufgerufen am 31.05.2016

https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6mer_%28Frankfurt_am_Main%29 aufgerufen am 31.05.2016

https://de.wikipedia.org/wiki/Leonhardskirche_%28Frankfurt_am_Main%29 aufgerufen am 31.05.2016

https://de.wikipedia.org/wiki/Kaiserdom_St._Bartholom%C3%A4us aufgerufen am 31.05.2016

Sabine Gruber: Generationalität in den Briefen Clemens Brentanos an Edward von Steinle. In: Selma Jahnke und Sylvie Le Moël (Hrsg.): Briefe um 1800. Zur Medialität von Generation. Berlin 2015, S. 159-174

Theodor Inama von Sternegg: Steinle, Eduard Jacob von. In: Allgemeine Deutsche Biographie. Bd. 35 (1893), S. 742-744

Alphons Maria von Steinle (Hrsg.): Edward von Steinle’s Briefwechsel mit seinen Freunden. Bd. 2. Freiburg i. Br. 1897

Alphons Maria von Steinle: Einführung. In: Ders. (Hrsg.): Edward von Steinle: Des Meisters Gesamtwerk in Abbildungen. München 1910, S. VII-XIX

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