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Strandgut
Ein Inseltagebuch

Berndt Seite

Die Ostsee ist ein Sehnsuchtsort, an dem man seine Gedanken mit dem Meer schweifen lassen kann. Beim Anblick der Wellenbewegungen kommen Erinnerinerungen an das Auf und Ab des Lebens auf. In eindrucks- und stimmungsvollen Bildern beschreibt Berndt Seite in seinem Tagebuch philosophische Reflexionen in Rückblick auf sein privates und poltisches Leben. Das raue und derbe Klima der Ostsee, die verschiedenen Jahreszeiten am Meer haben dabei ihren ganz eigenen Charme und helfen ihm, alte Dinge abzustreifen und wieder zu sich selbst zu finden.

Klaus Trebes

Klaus Trebes

Ralph Zade

Am Abend des 28. September 2018 fand in der Stadtteilbibliothek in Frankfurt-Rödelheim eine Veranstaltung statt, die neben Bücherfreunden auch Gourmets anzog: der mit einer Lesung verbundene Verkauf der kulinarischen Bibliothek von Klaus Trebes, die von seiner Witwe Monika Winterstein-Trebes – sie saß im Publikum – gespendet worden war. Die von Martin Maria Schwarz, der auch die Texte (sie waren durchweg von Trebes) vortrug, moderierte Veranstaltung erbrachte einen beträchtlichen Erlös zugunsten des Medienetats der Bibliothek. Verkauft wurden neben Kochbüchern auch gastrosophische Werke und kulinarische Bildbände aus diversen Ländern, wobei – wie bei diesem Thema nicht anders zu erwarten – Frankreich und Italien einen gewissen Schwerpunkt bildeten, dazu gab es Reprints klassischer kulinarischer Bücher seit dem 17. Jahrhundert und ein paar Originale klassischer Kochbücher zu erstehen. Die Veranstaltung, bei der auch von Trebes inspirierte Häppchen gereicht wurden, wurde vom Publikum gut angenommen, was dafür spricht, dass der Name Klaus Trebes in Frankfurt auch sieben Jahre nach seinem Tod 2011 noch Zugkraft hat.

Zu erfahren war an diesem Abend einiges über den Kulinarik-Autor Klaus Trebes, dessen oft in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, vielfach aber auch in anderen Zeitungen und Zeitschriften erschienene Texte von der Kleinmarkthalle in Frankfurt bis zu den Märkten in Palermo reichten – die von Martin Maria Schwarz gelesenen Beiträge, die auch die genannten umfassten, bezeugten es.

Trebes war also Gastro-Kolumnist und Autor von Kochbüchern? Ja, das war er, aber nicht nur. Den größten Bekanntheitsgrad in Frankfurt dürfte er mit seinem Restaurant „Gargantua“ erreicht haben. Das zeitweise legendäre Lokal, das 1984 in der Friesengasse 3 in Bockenheim gegründet wurde, 1993 in die Liebigstraße 47 im Westend zog und 2010 in die ebenfalls im Westend gelegene „Frankfurter Welle“ umsiedelte, wo es 2013 – zwei Jahre nach Trebes‘ Tod – geschlossen wurde, trug den Namen des gefräßigen Riesen aus der Romanfolge des Renaissanceautors Rabelais und legte damit von der literarischen Kultur seines Besitzers Zeugnis ab. Das „Gargantua“ errang zwar nie einen Michelin-Stern, galt aber als Feinschmeckerlokal und war nicht nur bei den in Frankfurt in teuren Lokalen allgegenwärtigen Bankmanagern sondern auch bei Leuten aus der Kulturszene und bei Politikern (regelmäßiger Gast war u. a. Joschka Fischer) bekannt; diese Mischung machte einen guten Teil seines Reizes aus, neben der Persönlichkeit des Wirts, der es liebte, mit weißen Trüffeln an den Tisch zu kommen und diese über das Gericht des Gastes zu hobeln.

Trebes war folglich ein Verfasser kulinarischer Publikationen, der gleichzeitig ein Restaurant führte? Ja, das war er, aber nicht nur. In Karl Napps Chaos Theater gehörte er in den 70er Jahren zusammen mit dem Kabarettisten Matthias Beltz zum Ensemble, schrieb satirische Stücke und unternahm auch einzelne Ausflüge ins Filmgenre, als Autor von Drehbüchern und zweimal auch als Darsteller in Filmen. U. a. zusammen mit Beltz eröffnete er dann eine Szenekneipe und kam so in die Gastronomie.

Auch damit sind noch nicht alle Facetten von Trebes‘ Persönlichkeit erfasst – Ende der 60er nahm er als Mitglied der Gruppe „Revolutionärer Kampf“ am Frankfurter Häuserkampf teil. Es ging um Protest gegen Spekulationen mit Häusern im Frankfurter Westend; hier lernte er Beltz, Joschka Fischer und Dany Cohn-Bendit kennen, die später sein Lokal besuchen sollten und mit ihrer Prominenz Manches zu dessen Erfolg beitrugen. Eigentlich war Trebes überhaupt kein Koch, sondern Jurist mit Staatsexamen, studiert hatte er auch Philosophie, u. a. bei Adorno und Horkheimer. Dafür war er 1969 nach Frankfurt gekommen.

Wie kam Klaus Trebes in die Gastronomie? Durch die erwähnte Szenekneipengründung, die Wurzeln seines Interesses am Kochen lagen aber bereits in seiner Jugend. Der 1947 Geborene stammte aus Teuschnitz im Frankenwald und fing durch den Einfluss seiner Mutter und seiner Großmutter schon früh damit an, mit dem Kochen zu experimentieren – der Gegend, aus der er stammte, entsprechend jenseits dessen, was heutige Diätapostel predigen. Er wurde früh selbständig, mit 16, und auch das trug zu seinen Kochfähigkeiten bei, ebenso wie Reisen nach Frankreich und Italien, die er dann unternahm. Gekocht wurde auch in den Wohngemeinschaften der 68er, wie Trebes in einer autobiographischen Notiz schrieb: „Gemeinsam lernten wir den Wein, die Käse kennen, die Bistros zu unterscheiden. Mitstreiterinnen aus der italienischen Studentenbewegung kochten mit mir in Wohngemeinschaften Pasta, Gnocchi, Minestrone. Beim Häuserkampf und bei der Betriebsarbeit lernte ich in italienischen, griechischen, spanischen und türkischen Familien, wie man Paella, Stifado, Couscous und Caponata kocht. Ohne ideologische Debatten feierten wir Feste und wurden Freunde.“ Letztlich war Trebes also – wie Jürgen Dollase, der heute in der FAZ gelegentlich zu Gastrothemen schreibt – im Kochen Autodidakt. Was wie bei Letzterem nicht gegen die Qualität seiner Kochkunst spricht.

Gestorben ist Klaus Trebes früh – schon mit 64, an einem Herzleiden – aber er lebt in seinen Büchern fort – in den gesammelten Gastrokolumnen ebenso wie in den Kochbüchern aus dem Gargantua. Und auch so mancher, der beim Buchverkauf in Rödelheim ein Buch aus seiner Bibliothek erworben hat, wird sich beim Lesen gern an ihn erinnern.


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Textquellen:

Trebes, Klaus : Wo der Pfeffer wächst. Geschichten und Rezepte um Gewürze und Kräuter, Insel-Verlag, Frankfurt am Main u. a., 2003.

Trebes, Klaus : Rezepte aus dem Gargantua, Rütten & Loening, Berlin, 1996.

Trebes, Klaus : Karpfen oder Kaviar. Die neuen Rezepte aus dem Gargantua nebst Auskünften aus Küche und Leben in sechsundsiebzig Kapiteln, Keyser, München, 1998.

Beitrag im Journal Frankfurt zu Trebes‘ Tod (hieraus das Zitat im vorletzten Absatz):>https://www.journal-frankfurt.de/journal_news/Kultur-9/Alt-68er-am-Herd-Koch-Klaus-Trebes-ist-tot-13073.html< abgerufen am 15.10.2018.

Bericht in der Frankfurter Neuen Presse zur Schließung des „Gargantua“: >http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/Der-Restaurant-Riese-ist-gefallen;art675,606695< abgerufen am 15.10.2018.

Seite der Stadtteilbibliothek Rödelheim zum Bücherverkauf: >http://www.foerster-roedelheim.de/?p=1334< abgerufen am 15.10.2018.

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