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Florian Russi
Die Irrfahrten des Herrn Müller II
Eine moderne Odyssee

Daniel Müller ist ein aufstrebender junger Möbelkaufmann. Er hat eine Freundin, doch auch eine Kundin seiner Firma versucht ihn zu gewinnen. Als Daniel sie ermordet auffindet, spricht alles dafür, dass er der Mörder ist. Er gerät in Panik und flieht, fährt zum Flughafen und bucht den nächsten Flug ins Ausland. Im Flugzeug entdeckt ihn eine nymphomanisch veranlagte Prinzessin: Sie versteckt ihn in ihrem Schloss. Während Zielfahnder der Polizei ihm auf den Fersen sind, erlebt Daniel immer neue Abenteuer und Überraschungen …


Heinrich Mylius

Heinrich Mylius

Ralph Zade

Frankfurt, das siebzehn Partnerstädte auf vier Kontinenten hat, pflegt auch eine Städtepartnerschaft mit Mailand, die seit 1970 besteht und somit 2020 ihr fünfzigjähriges Jubiläum feiern wird. Die beiden Städte passen gut zusammen, denn sie haben vieles gemeinsam – vor allem sind beide die wichtigsten Finanz- und Handelsmetropolen ihrer Länder, darüber hinaus haben sie große Bedeutung für die jeweilige nationale Literatur.

Wenn auch die Städtepartnerschaft erst fünfzig Jahre alt ist, so sind doch die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Frankfurt und Mailand und Frankfurt und der Lombardei insgesamt viel älter. Das wird z. B. daran deutlich, dass es seit dem 18.Jahrhundert im Raum Frankfurt mehrere oberitalienische Familien gab, die es mit geschäftlichem Geschick zu erheblichem Reichtum brachten. Am bekanntesten sind die Brentanos und die Bolongaros. Weniger bekannt ist, dass es umgekehrt auch Frankfurter gab, die in Mailand und der Lombardei ihr Glück suchten, mit beträchtlichem Erfolg. Der bedeutendste unter ihnen war Heinrich Mylius (1769-1854).

Mylius – der Name ist eine antikisierende Version von „Müller“ – wurde am 15.3.1769 in Frankfurt als Sohn des Kaufmanns und Bankiers Johann Christoph Mylius (1715-1791) und seiner Ehefrau Dorothea Kraus (1721-1784) geboren. Der Maler und Kupferstecher Georg Melchior Kraus (1737-1806) war sein Onkel mütterlicherseits. Das mag das Vorhandensein von Kunstinteresse und entsprechendem Talent in der Familie belegen, Heinrich folgte aber dem beruflichen Vorbild des Vaters und trat nach kurzer Schulzeit als Lehrling in das Frankfurter Handelshaus Mylius und Aldebert ein, das von diesem mitbetrieben wurde. Dabei war es keineswegs so, dass er in reiche Verhältnisse geboren worden wäre – der Wohlstand seines Vaters war eher bescheiden und als 13. Kind desselben hatte er schon aus finanziellen Gründen nicht die Möglichkeit, eine Bildung über die Volksschule hinaus zu erlangen.

Ab 1788 machte Mylius als Handlungsreisender in Sachen Textilien Reisen durch Europa und kam dabei erstmals auch nach Oberitalien. 1792 eröffnete er dann in Mailand eine Filiale der Frankfurter Firma. Die Entscheidung für Mailand beruhte auf einer Abwägung und letztlich auf den Vorteilen, die die von den liberalen Grundgedanken der Aufklärung bestimmte österreichische Politik – seit 1714 standen Mailand und die Lombardei unter österreichischer Hoheit – Wirtschaftsansiedlungen bot. Die Lage der Niederlassung in der Contrada Clerici lässt darauf schließen, dass Mylius es schon damals zu Wohlstand gebracht hatte, da die Gegend eine teure war. Später machte er sich selbstständig. Besonders mit Bankgeschäften mehrte er seinen Reichtum beträchtlich. Eine vorübergehende Beschlagnahmung seines Vermögens und Inhaftierung nach der französischen Besetzung Mailands 1796 – u. a. machten ihn allzu enge Kontakte nach England verdächtig – tat dem keinen Abbruch.

Über seinen Künstleronkel Georg Melchior Kraus hatte Mylius Beziehungen in Weimar. Von dort stammte seine Frau Friederike Schnauss (1771-1851); die im Jahre 1799 erfolgte Trauung nahm Johann Gottfried Herder vor. Über seine Weimarer Verbindungen und seine Frau hatte Mylius auch Kontakt zu Goethe sowie u. a. zu Schiller, Wieland und Bertuch. Die Tatsache, dass Mylius auch in Mailänder Künstler- und Literatenkreisen gut vernetzt war, ermöglichte es ihm, eine Kulturmittlerfunktion einzunehmen. U. a. machte er Goethe mit dem Werk von Alessandro Manzoni (1785-1873) bekannt, dessen Hauptwerk, den Roman „Die Verlobten“, ließ dieser dann in Weimar mit einem eigenen Vorwort erscheinen.

1829 erwarb Mylius eine Villa in Loveno am Comer See. Er ließ sie im Stil der Zeit umbauen und stattete sie mit Kunstwerken aus; bemerkenswert ist auch der um die Villa herum gelegene Park – in herrlicher Lage mit fantastischem Blick auf den See gelegen.

Nach alledem hätte Mylius‘ Leben eigentlich ein sehr glückliches sein können, er musste jedoch einen schweren Schicksalsschlag verkraften, als sein einziger Sohn Julius (1800-1830) infolge schwerer Krankheit jung verstarb. Julius hatte jahrelang darum gekämpft, seine große Liebe Luigia Vitali (1809-1884) heiraten zu dürfen, deren aristokratische Familie die Verbindung mit einem protestantischen Ausländer nicht erlauben wollte. Schließlich gelang es dem Paar, die Eheschließung gerichtlich durchzusetzen, Julius überlebte sie aber nur um wenige Tage. In einem Tempietto im Park der Mylius-Villa befindet sich bis heute ein Relief von Pompeo Marchesi (1789-1858), das Frau und Eltern am Totenbett von Julius zeigt; an der gegenüberliegenden Wand ist ein Nemesis-Relief von Berthel Thorvaldsen (1770-1844) zu sehen. (Dies – und die Tatsache, dass Porträtbilder von Julius und Luigia von Francesco Hayez (1791-1881), dem wohl bedeutendsten Mailander Maler seiner Zeit, existieren – ist ein Beleg mehr dafür, dass Heinrich Mylius mit den bekanntesten Künstlern Kontakt hatte, und sich deren Werke auch leisten konnte.)

In zweiter Ehe heiratete Luigia den italienischen Patrioten Ignazio Vigoni (1808-1860), Ihre Nachfahren erbten Mylius‘ Vermögen und insbesondere die Villa, die fortan den Namen Villa Vigoni trug. Der Enkel von Ignazio Vigoni vererbte die Villa in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts der Bundesrepublik Deutschland, mit der Auflage, dort eine deutsch-italienische Begegnungsstätte einzurichten, die bis heute existiert und ein sehr begehrter Tagungsort ist.

Seiner Heimatstadt Frankfurt blieb Heinrich Mylius lebenslang verbunden, auch nach vielen Jahrzehnten noch. Das drückt sich vor allem in den gemeinnützigen Spenden aus, die er Frankfurter Institutionen zukommen ließ. So bedachte er in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts das Frankfurter Versorgungshaus mit hohen Beträgen, auch die Senckenberg-Gesellschaft profitierte von Großspenden, ebenso wie die Frankfurter Kleinkinder-Bewahranstalten. In Frankfurt erinnert heute die Myliusstraße im Westend an den Mäzen. Die Stadt Frankfurt ist aus Verbundenheit mit Mylius Mitglied des Vereins Villa Vigoni.


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Vorschaubild: Büste von Heinrich Mylius, 2010, Urheber: Hannes Grobe/AWI via Wikimedia Commons CC BY 3.0.


Textquellen:

Mylius in der Neuen Deutschen Biographie: >https://www.deutsche-biographie.de/sfz67642.html< abgerufen am 06.11.2018.

Mylius im Biographischen Lexikon des Kaisertums Österreich: >https://de.wikisource.org/wiki/BLK%C3%96:Mylius,_Heinrich< abgerufen am 06.11.2018.

Mylius, Heinrich, in: Frankfurter Biographie, Zweiter Band (M-Z) , Waldemar Kramer Verlag, Frankfurt am Main, 1996.

Contini, Paolo : Der Park der Mylius-Vigoni, Edizioni Lativa, Varese, 1991.

Webauftritt der Villa Vigoni: >https://www.villavigoni.eu/?lang=de< abgerufen am 06.11.2018.

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