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Hans-Jürgen Malles
Kennst du Friedrich Hölderlin?

Seine Werke gehört neben denen Goethes und Schillers zu den bedeutendsten der deutschen Klassik, auch wenn sein Leben im Wahnsinn endete. Eine Hinführung zum Verständnis von Hölderlins Persönlichkeit und Werk bietet Deutschlehrer Malles hier. Der Leser erhält Einblicke in ein facettenreiches Leben voller Höhen und Tiefen und darf teilhaben an Hölderlins Begeisterung für die Französische Revolution und die griechische Antike. Auch die Liebe zu Susette Gontard soll nicht unerwähnt bleiben.

Das Städtische Weingut in Hochheim

Das Städtische Weingut in Hochheim

Sabine Gruber

Mit Frankfurt verbindet man heute zwar eher den hier gekelterten Apfelwein, das berühmte „Stöffsche“, das in Sachsenhausen, aber auch in anderen Apfelweinwirtschaften in und um Frankfurt ausgeschenkt wird, in Frankfurt wurde und wird aber – was weniger bekannt ist – auch Traubenwein gekeltert. Ein Weinanbaugebiet innerhalb der Stadt, eine Seltenheit in deutschen Städten, gibt es heute noch am Lorberger Hang im Frankfurter Stadtteil Seckbach. Er gehört zur Weinlage „Rheingau“ und sein Ertrag reicht immerhin für die Kelterung von ca. 10.000 Flaschen Wein jährlich. Ein Teil des Frankfurter Weins wird zwar am Lorberger Hang angebaut, ein größerer Teil der zur Stadt gehörigen Anbaufläche befindet sich jedoch überraschenderweise weder im Frankfurter Stadtgebiet noch in einem Vorort, sondern ein Stück weiter westlich im zwischen Mainz und Frankfurt gelegenen, zum Main-Taunus-Kreis gehörenden Hochheim. Dort hat auch der Winzer, der das Weingut der Stadt Frankfurt bewirtschaftet, seinen Sitz. Das ist auf den ersten Blick einigermaßen verwirrend und nur im Rückgriff auf die Geschichte verständlich.

Die Ursache für den exterritorialen Besitz der Stadt Frankfurt in Hochheim, wie auch für den städtischen Besitz des Lorberger Hangs, ist in der Säkularisation kirchlichen Eigentums im frühen 19. Jahrhundert zu suchen. Zuvor gehörte der Weinberg am Lorberger Hang wie auch die Weinberge in Hochheim dem als Gebäude noch heute erhaltenen, 1246 gegründeten Frankfurter Karmeliterkloster. 1803 war das Kloster aufgehoben worden und sein Besitz in städtisches Eigentum übergegangen. In einem Beitrag zur Geschichte der Frankfurter Deutschordens-Kommende aus dem Jahr 1874 befasst sich Andreas Niedermayer auch mit dem Karmeliterkloster. Über dessen Weinberge schreibt er: „Sein Hauptvermögen bestand in Weinbergen zu Hochheim und Wickert.; […].“ Und in einem alten Reim heißt es:


„Zu Hochheim am Rhein,

Zu Würzburg am Stein,

Und Klingenberg am Mayn,

Da wächst der beste deutsche Wein.“


Für den Orden muss der Verlust des Frankfurter Klosters und seiner Weinberge also gravierend gewesen sein und für die Stadt Frankfurt der Erwerb ein großer Gewinn. Später folgte noch der Erwerb einiger weiterer Weinberge. Heute umfassen alle städtischen Weinberge zusammen eine Anbaufläche von 25 Hektar. Am Lorberger Hang wird Riesling mit der Bezeichnung „Frankfurter Lorberger Hang“ gekeltert. Die Rebsorten, die auf den Weinbergen im Ortsgebiet von Hochheim wachsen, sind vielfältiger. Hier gibt es auch Riesling, aber auch Weißburgunder, Chardonnay und Cabernet Sauvignon. Der Lorberger wird bei städtischen feierlichen Anlässen ausgeschenkt. Die Bekanntheit des Hochheimer Weißweins in England führte sogar dazu, dass das Wort Hochheim – freilich in veränderter Form – in den englischen Wortschatz eingegangen ist. Hock (von hockamore) ist dort die Bezeichnung für Weißwein aus dem Rheingau. Daran, dass die englische Königin Victoria den Hochheimer Wein sehr zu schätzen wusste, erinnert ein Denkmal in dem Weinberg, den sie 1845 besuchte.


Seit 1994 wird der Weinberg am Lorberger Hang nicht mehr von der Stadt bewirtschaftet, sondern von Armin Rupp, dessen Familie sich seit zehn Generationen mit Weinbau befasst, und an den der Weinberg verpachtet wurde. Der Weinausschank des Städtischen Weinguts liegt in der Innenstadt im Gebäudekomplex des Frankfurter Römers (mit Eingang in der Limpurger Gasse). Ein Laden befindet sich daneben. Auch auf dem Lorberg selbst kann man den Wein in der dortigen Lorbergschänke verkosten.


Um die Bedeutung Frankfurts als Weinstadt zu betonen, wurde nicht zuletzt der Frankfurter Weinmarkt eingerichtet, der jedes Jahr Anfang September stattfindet und auf dem um die dreißig Winzer jeweils mehrere hundert Weine präsentieren. Seit 2017 gibt es außerdem, wie in vielen anderen Regionen, auch in Frankfurt eine Weinkönigin, die ihr Amt jeweils für zwei Jahre ausübt.

Adressen

Städtisches Weingut

Limpurgergasse 2

60311 Frankfurt am Main


(Weinverkauf vormittags geöffnet; Stand Oktober 2019)

Weinstube im Römer

Römerberg 19

60311 Frankfurt am Main


Lorbergschenke

Auf dem Lohr 9

60389 Frankfurt am Main


Armin Rupp

Weingut der Stadt Frankfurt

Aichgasse 11

65293 Hochheim


*****

Textquellen:

Frankfurt-Lexikon. Mit einem Stadtplan, Sechste, neubearbeitete Ausgabe: Kramer, Waldemar (Hrsg.), Frankfurt a. M., 1973.

Feda, Thomas: Thomas Feda: Frankfurt am Main. Eine Weindestination? In: Stadtmarketing. Grundlagen, Analysen, Praxis: Breyer-Mayländer, Thomas; Zerres, Christopher (Hrsg.), Wiesbaden, 2019, S. 247-254.

Niedermayer, Andreas: Die Deutsch-Ordens-Commende Frankfurt am Main: Ein Beitrag zu deren Geschichte, Frankfurt a. M., 1874.

Zitierter Reim entnommen aus: Weinbau in allen Ländern (Fortsetzung) in: Allgemeine deutsche Garten-Zeitung, XVI. Jahrgang, Nr. 21. 24. Mai 1838, S. 168.

> https://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=3828... < abgerufen am 1.11.2019.

> https://de.wikipedia.org/wiki/Weingut_der_Stadt_Fr... < abgerufen am 1.11.2019.

> https://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=3833... < abgerufen am 1.11.2019.


Bildquellen:

Vorschaubild: Weingut der Stadt Frankfurt am Main, Schild am Haus Alten Limpurg des Rathauses Römer, 2010, Urheber: ArcCan via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Gebäude des Weinguts in Hochheim am Main, 2013, Urheber: Oliver Abels via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Der Frankfurter Weinberg Lohrberger Hang auf dem Lohrberg in Frankfurt-Seckbach, 2009, Urheber: Dontworry via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.


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