Frankfurt Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.frankfurt-lese.de
Unser Leseangebot

Arno Pielenz
Kennst du Heinrich von Kleist?

"... mein Leben, das allerqualvollste, das ein Mensch je geführt hat." So schrieb Heinrich von Kleist an eine seinem Herzen nahe stehende Verwandte wenige Stunden, bevor er sich mit seiner Todesgefährtin am Wannsee erschoss.

Frankfurter Städtepartnerschaften

Frankfurter Städtepartnerschaften

Ralph Zade

Im Jahre 2020 feiert Frankfurt sechs Jubiläen – wenn auch beeinträchtigt durch die Corona-Krise. Sechs Städtepartnerschaften haben einen runden Geburtstag. Die Partnerschaft mit Lyon besteht 60 Jahre, die mit Mailand 50 und die mit Tel Aviv 40. Die Partnerschaften mit Budapest, Prag und Leipzig werden jeweils 30 Jahre alt. Doch das sind nicht alle derartigen Beziehungen der Mainmetropole: insgesamt gibt es siebzehn. Zu den genannten kommen noch die Verbindungen mit Birmingham (seit 1966), Deuil-La Barre (seit 1967 Stadtteilpartnerschaft mit Nieder-Eschbach, das erst 1972 nach Frankfurt eingemeindet wurde und bei Eingehung der Partnerschaft mit der nördlich von Paris gelegenen Kleinstadt folglich noch eine eigenständige Stadt war), Kairo (seit 1979), Guangzhou (seit 1988), Toronto (seit 1989), Granada in Nicaragua (seit 1991), Krakau (seit 1991), Dubai (seit 2005), Yokohama (seit 2011), Eskişehir (seit 2013) und Philadelphia (seit 2015).

Die erste dieser Partnerschaften, die mit Lyon, ging Frankfurt relativ spät ein – eine Reihe deutscher Städte hatte schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Bande mit ausländischen Städten geknüpft, der Völkerverständigung halber, die man infolge dieser Katastrophe als Wert erkannt hatte, und auch vor dem Zweiten Weltkrieg hatte es schon einige gegeben. Die 1960 geschlossene Verbindung mit der Stadt in Südostfrankreich erscheint heute noch logisch. Nicht nur sind beide Städte zumindest annähernd gleich groß und regionale Metropolen in ihrer jeweiligen Region, sie sind auch beide alte Handelsstädte. Und es hat auch in vergangenen Zeiten schon Verbindungen zwischen ihnen gegeben. Friedrich Georg Göthé (1657-1730), Goethes Großvater väterlicherseits, verbrachte einige Zeit als Seidenschneider in Lyon, bevor er nach Frankfurt kam. Und Carl Malß (1792-1848), Frankfurter Mundartdichter und nachmals Mitglied der Leitung des Frankfurter Theaters, absolvierte in Lyon eine Kaufmannslehre. Sie stehen für viele Frankfurter, die, meist aus wirtschaftlichen Gründen, Kontakte nach Lyon hatten oder sich dort aufhielten.

Die 1966 begründete Verbindung mit Birmingham ist ebenfalls eine mit einer wirtschaftlich bedeutenden Stadt. Wie Frankfurt hat Birmingham im Zweiten Weltkrieg schwere Zerstörungen erlitten und ist heute ein in Teilen sehr moderner Ort, mit einer „Mainhattan“ vergleichbaren Hochhaus-Skyline. Wie Frankfurt ist Birmingham mit einem Ausländeranteil von etwa 30% eine der multikulturellsten Städte ihres Landes. Der „Frankfurt Christmas Market“, der größte Weihnachtsmarkt im deutschen Stil außerhalb Deutschlands, erinnert alljährlich an die Kontakte mit der deutschen Partnerstadt.

Auch die dritte Städtepartnerschaft, die 1970 mit Mailand geschlossene, folgt einer ähnlichen Logik. Die lombardische Metropole ist wie Frankfurt das wichtigste Handels- und Finanzzentrum ihres Landes und die wirtschaftlichen Kontakte der beiden Städte und Regionen haben eine lange Tradition. So machte im 19. Jahrhundert der Frankfurter Heinrich Mylius (1769-1854, heute bekannt durch die auf ihn zurückgehende Villa Vigoni am Comer See) in Mailand sein Glück; schon vorher hatten sich lombardische Familien wie die Bolongaros und die Brentanos im Rhein-Main-Gebiet angesiedelt. Der berühmteste Literat Frankfurts – Goethe – pflegte Kontakte zum bedeutendsten Literaten Mailands, Alessandro Manzoni (1785-1873); die Casa Manzoni in Mailand ist als Gedenkstätte dem (wiederaufgebauten) Goethehaus in Frankfurt vergleichbar.

1979 kam mit Kairo die erste nichteuropäische Stadt zu den Städtepartnern dazu. Wie in den anderen Partnerstädten gibt es auch hier eine starke Wirtschaft. Und dazu konzentriert sich in der Hauptstadt Ägyptens auch das kulturelle Leben.

Wirtschaftsmetropole seines Landes ist auch Tel Aviv, mit dem Frankfurt 1980 eine Partnerschaft einging, die heute dank beiderseitigen Engagements eine der lebendigsten Verbindungen dieser Art ist. Die beiden Städte haben aber – neben der Tatsache, dass Frankfurt seit Jahrhunderten ein Ort jüdischen Lebens in Deutschland ist – noch etwas anderes gemeinsam: Sie waren beide Zentren modernen Bauens und verfügen über umfangreiche, äußerst sehenswerte Baubestände der klassischen Moderne. In Frankfurt sind das die unter der Leitung von Ernst May in den Jahren der Weimarer Republik errichteten Siedlungen des „Neuen Frankfurt“, von denen die wohl bekannteste die Siedlung Römerstadt ist, in Tel Aviv ist es die mittlerweile zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende „Weiße Stadt“, die von vor den Nazis geflohenen Architekten im Bauhaus-Stil errichtet wurde und eines der größten Bauensembles der Architekturmoderne weltweit darstellt.

Mit Toronto und Guangzhou kamen in den Folgejahren zwei Handelsmetropolen auf anderen Kontinenten hinzu. Die Öffnung Mittel- und Osteuropas brachte dann neue Möglichkeiten – die Liste der Partnerstädte wurde nicht nur um Budapest und Prag erweitert, sondern auch um Leipzig. In der Wendezeit gingen viele westdeutsche Städte Partnerschaften mit ostdeutschen ein und die alte sächsische Handelsstadt, die auch eine Buchstadt mit Tradition und wie Frankfurt stolz auf seine jährlich stattfindende Buchmesse ist, bot sich dafür an.

Als die sandinistische Revolution die Somoza-Diktatur stürzte und eine bessere Gesellschaft zu schaffen suchte, gab es dafür in Deutschland viel Sympathie und eine Reihe deutscher Städte ging Partnerschaften mit nicaraguanischen ein. So 1991 auch Frankfurt mit Granada, der drittgrößten Stadt des Landes, die am Nicaraguasee liegt und sehenswerte Bauten aus der Kolonialzeit zu bieten hat. Kurz danach folgte Krakau, das ebenfalls eine Stadt mit großer historischer Tradition ist, eine der schönsten in Europa, die auch eine lange intellektuelle Tradition aufweist.

Die jüngsten hinzugekommenen Partnerstädte liegen sämtlich außerhalb Europas: Dubai, Yokohama, Eskişehir in der Türkei und Philadelphia.

Austauschprogramme, wirtschaftliche und kulturelle Kooperationen, Schulpartnerschaften sowie jede Art von menschlichen Begegnungen mit diesen Städten sowie Gruppenreisen dorthin werden durch die Stadt Frankfurt ideell und teils auch finanziell gefördert. Die Intensität der Beziehung hängt aber immer davon ab, ob sich auf beiden Seiten Bürger finden, die sich für Kontakte mit der jeweiligen Partnerstadt interessieren und engagieren. Insofern kann es zu Schwankungen kommen – so stand z. B. die Partnerschaft mit Toronto lange Zeit eher auf dem Papier, bevor vor einiger Zeit ein Anlauf zu einem Neustart genommen wurde. Andererseits sind manche der Städtebeziehungen auch konstant von einem hohen Austauschniveau geprägt. Wer sich als Frankfurter Bürger in diesem Bereich engagieren möchte, findet zahlreiche Möglichkeiten dafür.


*****

Textquellen:

Seite zu den bestehenden Städtepartnerschaften auf frankfurt.de: abgerufen von >https://frankfurt.de/service-und-rathaus/verwaltung/aemter-und-institutionen/hauptamt-und-stadtmarketing/referat-fuer-internationale-angelegenheiten/staedtepartnerschaft-als-tor-zur-welt< am 29.03.2020.

Seite zu Jubiläen im Jahre 2020: abgerufen von >https://www.frankfurt-live.com/happy-birthday-partner-2020--ndash-frankfurt-feiert-st-aumldtepartnerschaftliches-multijubil-aumlum-119778.html< am 29.03.2020

Bericht der Frankfurter Rundschau zu Neubelebung der Partnerschaft mit Toronto: abgerufen von >https://www.fr.de/frankfurt/frankfurt-neustart-freundschaft-partnerstadt-toronto-13016972.html< am 29.03.2020.

Bericht der Frankfurter Neuen Presse zu Städtepartnerschaften: abgerufen von >https://www.fnp.de/frankfurt/staedtepartnerschaften-heute-leisten-10498956.html< am 29.03.2020.

Webseite der Deutsch-israelischen Gesellschaft zur Städtepartnerschaft mit Tel Aviv: abgerufen von >http://www.dig-frankfurt.de/telaviv/pschaft.htm< am 29.03.2020.

Webseite der Stadt Leipzig zur Partnerschaft mit Frankfurt: abgerufen von >https://www.leipzig.de/buergerservice-und-verwaltung/partnerstaedte/frankfurt-am-main/< am 29.03.2020.


Bildquellen:

Vorschaubild: Frankfurts Städtepartnerschaften ab 2005, 2005, Urheber: Maros via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Gedenktafel für Friedrich Georg Göthe an der Stelle seiner Werkstatt in der Frankfurter Innenstadt, 2010, Urheber: Frank Behnsen via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

A wide view of the Milan skyline, with accompanying cityscape, from the roof of the Duomo, 2016, Urheber: Daniel Case via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Kairo vom Minarett der Ibn-Tulun-Moschee aus gesehen, 2010, Urheber: Berthold Werner via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.




Weitere Beiträge dieser Rubrik

Der Franken Furt
von Ludwig Bechstein
MEHR
Werbung
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen